Luftverschmutzung

Auf der Alfredstraße herrscht Essen-weit die dickste Luft

Auf der Alfredstraße ist die höchste Luftbelastung in Essen festgestellt worden. Dort soll künftig eine „Grüne Welle“ für weniger Abgase sorgen.

Auf der Alfredstraße ist die höchste Luftbelastung in Essen festgestellt worden. Dort soll künftig eine „Grüne Welle“ für weniger Abgase sorgen.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die Alfredstraße weist mittlerweile die höchste Luftbelastung in Essen auf. Überschritten wird der Stickoxid-Grenzwert an drei weiteren Stellen.

Die Alfredstraße in Rüttenscheid weist stadtweit inzwischen die schlechteste Luftqualität auf: Dort wurde im vergangenen Jahr ein Stickoxid-Jahresmittelwert von 48 Mikrogramm ermittelt, ein Mikrogramm mehr als im Jahr zuvor. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. An keiner anderen Essener Mess-Station, nicht einmal an der Messstelle Hausackerstraße, gleich neben der viel befahrenen Autobahn A40, wurde ein so hoher Wert registriert. Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Bericht über die Luftqualität des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), der jetzt veröffentlicht worden ist.

Immerhin, die Situation hat sich leicht verbessert, denn im vergangenen Jahr wurde „nur“ an vier von zehn Messstellen der Stickoxid-Grenzwert überschritten. 2017 war das noch an fünf Messstellen der Fall. Der größte Erfolg wurde an der Brückstraße in Werden erreicht. Dort sank die Belastung im Jahresmittel um drei Mikrogramm und blieb erstmals unter dem Grenzwert.

In Vogelheim und Schuir ist die Luft am besten

Um sogar vier auf 27 Mikrogramm sank der Wert am Standort Schuir, der mit dem Messpunkt in Vogelheim (26 Mikrogramm) die niedrigste Luftverschmutzung aufweist. Die Messorte in diesen beiden Stadtteilen liegen aber nicht an Hauptverkehrsstraßen, sondern geben Hinweise auf die sogenannte Hintergrundbelastung, die sich offensichtlich leicht verringert hat.

An den Verkehrstangenten ist bis auf die Brückstraße keine eindeutige Wende in Sicht: In der Nähe der Autobahn A40 in Frohnhausen befindet sich der zweite „Hotspot“ (47 Mikrogramm, minus 2 Mikrogramm), auch auf der Gladbecker und der Krayer Straße (jeweils 42 Mikrogramm) sind die Werte höher als erlaubt, allerdings gab es auf der Krayer Straße immerhin eine Verringerung um drei Mikrogramm, an der Gladbecker Straße dagegen eine Verschlechterung um einen Mikrogramm. Auf der Steeler Straße (34 Mikrogramm) und der Hombrucher Straße (36 Mikrogramm) blieb der Grenzwert nicht nur unterschritten, dort kam es im Vorjahr sogar zu einer weiteren Verringerung um drei beziehungsweise ein Mikrogramm.

Der Diesel gilt weiter als Hauptbelastungs-Quelle

Die höchsten Werte wurden stets an „verkehrsnahen Messstellen“ registriert, berichtet das Lanuv. „Unverändert sind der Kfz-Verkehr und dabei die Diesel-Fahrzeuge als Hauptverursacher der hohen Stickoxidbelastung anzusehen“, schreibt das Landesamt in seiner Bewertung und hält eine „deutliche Reduktion“ des Kfz-bedingten Schadstoff-Ausstoßes durch „effektive Maßnahmen“ für weiterhin erforderlich.

Die städtische Umweltdezernentin Simone Raskob wies am Dienstag darauf hin, dass an sieben von zehn Messstellen die Stickoxid-Werte in Essen zurückgegangen sind: „Damit ist der Trend bestätigt worden. Die Belastung ist eher rückgängig“, erklärte die Beigeordnete. Simone Raskob machte aber auch deutlich: „Wir können uns nicht ausruhen. Wir müssen die Grenzwerte überall einhalten.“ Besondere Bedeutung misst sie dabei der geplanten neuen Parkraumbewirtschaftung mit möglicherweise höheren Parkgebühren und der geplanten Umweltspur in der Innenstadt bei, auf der nur Busse, Taxis, Radfahrer und Elektroautos fahren sollen. „Das sind die wichtigsten Vorlagen, die im Mai den Ausschüssen vorgelegt werden“, betont sie.

Neue Ampelsteuerung soll für bessere Luft sorgen

Die in Essen am höchsten belastete Straße hat das Rathaus bereits seit Monaten besonders im Fokus. Eine für die Ruhr-Metropole einzigartige Ampelsteuerung könnte Ende 2020 für bessere Luft auf der Alfredstraße sorgen. Sogenannte Pförtner-Ampeln sollen verhindern, dass zu viele Autos in besonders belasteten Straßenabschnitten fahren, ansonsten werde eine „Grüne Welle“ für möglichst freie Fahrt sorgen, damit keine zusätzlichen Abgase durch Staus entstehen. Dazu muss ein feinmaschiges Messnetz entlang der Straße installiert werden, um die detaillierten Umweltdaten an den Verkehrsrechner weiterzugeben. Das Projekt kostet insgesamt vier Millionen Euro, die Hälfte davon zahlt der Bund.

Die Idee, Tempo 30 auf der Alfredstraße einzuführen, wurde hingegen wieder verworfen. Modellrechnungen ergaben, dass sich die Luftqualität wegen des Stop-and-Go-Verkehrs dann sogar verschlechtern könnte.

>>DIE LUFTMESSERGEBISSE IM JAHRE 2018

  • In Essen wurde 2018 an vier Messstellen der EU-Grenzwert für Stickoxide von 40 Mikrogramm überschritten: Alfredstraße (48 Mikrogramm), Frohnhausen nahe A40 (47 Mikrogramm), Gladbecker Straße und Krayer Straße (je 42 Mikrogramm).
  • An sechs Messstellen wurde der Grenzwert eingehalten: Brückstraße und Abteistraße (je 38 Mikrogramm), Hombrucher Straße (36 Mikrogramm), Steeler Straße (34 Mikrogramm), Schuir (27 Mikrogramm) und Vogelheim (26 Mikrogramm).

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