Interview

„Auch Verhandeln will geübt sein“

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Essen.   Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Soziologin Andrea Jochmann-Döll berät bundesweit Unternehmen in Fragen der Entgeltgleichheit – Ihre These: Frauen stapeln im Job zu tief

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In ihrer Außendarstellung geben sich Unternehmen gern auf Chancengleichheit bedacht. Auch, wenn es um das Thema Vergütung geht. Doch lässt sich das auch in Zahlen belegen? „Ja!“ sagt die Essener Wirtschaftswissenschaftlerin Andrea Jochmann-Döll. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen forscht sie über die „diskriminierungsfreie Gestaltung von Entgeltsystemen“ und berät Unternehmen in ganz Deutschland.

Frau Jochmann-Döll, Lohnabschläge für Frauen wurden in den 50er Jahren abgeschafft. Wozu bedarf es noch immer eines Instruments zur Prüfung der Entgeltgleichheit?

Andrea Jochmann Döll: Na klar, auf den ersten Blick sind heute Ungerechtigkeiten schwer zu entlarven. Und die wesentlichen Gründe für die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen liegen auch auf der Hand, sprich Teilzeitarbeit bei Frauen und familiäre Pflichten. Mit Statistiken, die mittels anonymisierter Entgeltdaten erhoben wurden und direkten Paarvergleichen spürt unser System eventuelle diskriminierende Bestimmungen in der Entgeltpolitik von Unternehmen auf.

Wie reagieren Wirtschaftsvertreter auf Ihre Vorträge?

Zunächst bringen die Unternehmen, die sich an uns wenden, eine gewisse Offenheit in Gleichstellungsfragen mit. So habe ich etwa schon die Telekom, Siemens oder das Bundesumweltamt beraten. Trotz allem muss man selbst bei Frauen noch Überzeugungsarbeit leisten, die den Wert ihrer Arbeit oft viel zu niedrig einschätzen.

Was empfehlen sie einer Frau auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch, die ihre Gehaltsvorstellungen äußern soll?

Zunächst sollte sie sich umfassend über die branchenüblichen Gehälter informieren. Auf der Internetseite lohnspiegel.de können Frauen etwa ihr aktuelles Gehalt mit dem eines männlichen Kollegen in einer ähnlichen Position vergleichen. Wer sich schwertut, die eigenen Ansprüche selbstbewusst zu vertreten, sollte das vorher im Rollenspiel mit einer Freundin oder vor dem Spiegel üben. Auch das will trainiert sein.

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