Bistum Essen

Astrid Jöxen ist die erste Frau in der Polizeiseelsorge

Astrid Jöxen in der St. Joseph Kirche in Essen Katernberg. Neben ihrer Arbeit als Polizeiseelsorgerin ist sie außerdem als Pastoralreferentin im Bistum Essen tätig.

Astrid Jöxen in der St. Joseph Kirche in Essen Katernberg. Neben ihrer Arbeit als Polizeiseelsorgerin ist sie außerdem als Pastoralreferentin im Bistum Essen tätig.

Foto: Klaus Micke

Essen/Mülheim.   Das Bistum Essen hat eine neue Polizeiseelsorgerin. In NRW ist sie die erste Frau, die diesen Job übernimmt.

Astrid Jöxen gehört zu den ersten ihrer Art. Seit Anfang 2019 ist die 41-Jährige katholische Polizeiseelsorgerin des Bistums Essen – die erste Frau in ganz NRW, die diese Aufgabe übernimmt. Sie begleitet die Beamten bei größeren Einsätzen und hilft ihnen, mit belastenden Situationen umzugehen.

Davon gibt es im Polizeialltag viele. Wenn ein Beamter etwa zu einem schweren Verkehrsunfall mit Todesfolge gerufen wird. „Und dann muss er den Eltern vielleicht noch mitteilen: Ihr Kind ist gestorben. Das sind Dinge, die auch an gestandenen Polizeibeamten und -beamtinnen nicht spurlos vorbei gehen“, weiß die Diplomtheologin.

Tränen sind eine normale Reaktion, auch für Polizisten

In Fällen wie diesen hört sie zu und unterstützt bei der Stressbewältigung. „Wenn man in Tränen ausbricht oder man muss erbrechen, das sind ganz normale Reaktionen. Aber sie können einem Angst machen, wenn man sie zum ersten Mal erlebt.“

Jöxen hilft, das Erlebte zu sortieren, und holt die Beamten wieder in den Alltag zurück. Für dieses Jahr plant sie außerdem zwei Auszeiten für Polizisten auf Wangerooge – „um auszusteigen aus dem Alltag und aufzutanken für die nächsten beruflichen Herausforderungen“.

Seelsorgerin berät 2200 Beamte in Essen und Mülheim

Als Polizeiseelsorgerin ist Jöxen für 2200 Beamte in Essen und Mülheim zuständig sowie für deren Angehörige. Ihre drei männlichen Kollegen im Bistum Essen betreuen andere Behörden. Früher hätten vor allem Priester als Seelsorger gearbeitet, sagt Jöxen. Und auch die Polizei sei lange ein männlich geprägter Berufszweig gewesen. Doch: „Kirche hat auch ein weibliches Gesicht.“

Sie findet es gut, „dass auch Frauen diesen Job machen. Denn es üben ja auch Frauen den Polizistenberuf aus“. Und man wolle sich nicht mit jedem Problem an die gleiche Person wenden. Als dreifache Mutter sei sie zum Beispiel eine gute Ansprechpartnerin, wenn es um Kinder und Beziehungen gehe.

Manchmal brauchen auch Seelsorger Beratung

Gespräche mit Polizeiseelsorgern sind vertraulich, es gilt das Zeugnisverweigerungsrecht. Das heißt: Astrid Jöxen darf nicht weitergeben, was ihr anvertraut wird. Auch nicht vor Gericht. Doch wie geht sie persönlich mit dem um, was die Beamten ihr schildern? „Ich glaube an Gott. Das hilft mir“, sagt sie. „Zu wissen, dass da noch jemand anderes ist, der drauf guckt und dem ich auch Dinge hinlegen und sagen kann: So, damit bin ich jetzt fertig. Ich bin nicht allein verantwortlich.“

Hinzu kommen Supervision und ihr Wissen darüber, wie sich belastende Situationen bewältigen lassen. Was sie sonst an andere weitergibt, kann sie dann auch bei sich selbst anwenden. Wenn sie etwas besonders Schreckliches gehört hat, schafft sie sich einen Ausgleich, lenkt sich ab oder tut sich etwas Gutes, um das Gehörte besser verarbeiten zu können. „Dann gönne ich mir auch mal etwas und gehe zum Beispiel mit meinem Mann essen“, sagt Jöxen.

Religiosität ist keine Voraussetzung

Als Seelsorgerin berät die Pastoralreferentin auf christlichem Hintergrund, Religiosität ist aber keine Voraussetzung für ein Gespräch. „Ich sage auch nicht ständig: Es hilft Ihnen bestimmt, wenn Sie in die Kirche gehen und ganz viel beten.“

Vielmehr gehe es ihr darum, für andere Menschen da zu sein, mit ihnen nach Wegen und Antworten zu suchen. Polizeiseelsorgerin ist sie zwar erst seit Beginn des Jahres, als Pastoralreferentin arbeitet Jöxen allerdings schon seit 2013, sie begleitet unter anderem Segnungen von Neugeborenen, aber auch Beerdigungen. Diese Aufgaben wird sie auch neben der Polizeiseelsorge weiterhin übernehmen.

Was beide Bereiche eint: „Man braucht ein offenes Ohr für die Menschen. Und nicht nur das. Man braucht auch ein offenes Herz.“

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