Essen-Bredeney. Ein Martinslauf an der Goetheschule in Essen-Bredeney hat 10.750 Euro eingebracht. Was mit dem Geld geschieht und wie das die Welt verändert.

Über Solidarität zu sprechen ist eine Sache – sie konkret werden zu lassen und dabei etwas Gutes zu tun, eine völlig andere. Das dachten auch die Schülerinnen und Schüler des katholischen Religionskurses der Jahrgangsstufe Q1 an der Bredeneyer Goetheschule und organisierten einen Martinslauf für einen guten Zweck. Das erklärte Ziel waren 10.000 Euro, die innerhalb von vier Wochen zusammenkommen sollten, um sie an zwei Hilfsorganisationen übergeben zu können.

„Nach einigen erfolgreichen Spendenläufen, die es in unserer Schule in den Vorjahren gegeben hatte, war es Wunsch der Schülerinnen und Schüler, ebenfalls so etwas durchzuführen“, berichtet Religionslehrer Michael Franke. Ursprünglich sei das Projekt auf die Coronakrise zurückzuführen. „Sie haben gesagt: Uns geht es ja relativ gut. Aber es gibt auch viele Kinder, denen geht es weniger gut. Was können wir da tun?“ Und so sei die Idee entstanden, alle Schülerinnen und Schüler der Goetheschule einzuladen, entweder privat oder während des Sportunterrichts eine bestimmte Strecke zu laufen. Für jeden gelaufenen Kilometer sammelten sie von Sponsoren einen bestimmten Betrag.

Im Religionskurs der Jahrgangsstufe Q1 kam die Idee zum Martinslauf auf. Jetzt konnte das Geld an zwei Hilfsorganisationen übergeben werden.
Im Religionskurs der Jahrgangsstufe Q1 kam die Idee zum Martinslauf auf. Jetzt konnte das Geld an zwei Hilfsorganisationen übergeben werden. © Schacht 11

Essener Familien und Sponsoren unterstützen Martinslauf

Die Unterstützung kam aus dem gesamten Umfeld der Jugendlichen. „Wir haben Mama, Papa, Oma, Opa, Freunde gefragt, ob sie nicht mitmachen und Sponsoren sein wollen“, erinnert Santha Kirchholtes an den Aufwand, der teilweise betrieben wurde. Als zu Beginn vor allem kleinere Beträge zugesagt wurden, wuchsen die Zweifel, ob das gesetzte Ziel überhaupt zu erreichen sei. Doch dann sei es geradezu beeindruckend gewesen, zu sehen, wieviel man selbst bewirken könne, erzählt Jonathan Lainken. „Durch das Ziel von 10.000 Euro sind wir angestachelt worden, uns noch mehr zu engagieren. Wir haben Plakate gemacht und Umfragen, sind durch alle Klassen gegangen.“ Und Charlotte Krendel fügt hinzu: „Wir haben die Leute in den einzelnen Klassen immer wieder motiviert, zu laufen, Sponsoren zu finden und zu spenden, damit wir unser Ziel erreichen.“ Dafür organisierten sie sich selbst in Gruppen und teilten die Arbeit auf. „Wir haben nichts vorgegeben, das kam aus dem Kurs heraus“, so Franke. Und das Ergebnis von vier Wochen harter Arbeit kann sich sehen lassen: Insgesamt 10.750 Euro kamen zusammen.

Gracinete Lemos Schröder von „Vamos“ und Jörn Schulz, Gründer von „Be Strong For Kids“, nahmen die Spenden entgegen und erläuterten, was mit dem Geld geschieht.
Gracinete Lemos Schröder von „Vamos“ und Jörn Schulz, Gründer von „Be Strong For Kids“, nahmen die Spenden entgegen und erläuterten, was mit dem Geld geschieht. © Schacht 11

In dieser Woche nun wurde das Geld zu gleichen Teilen an zwei Hilfsorganisationen übergeben: Die eine Hälfte ging an das pädagogische Projekt „Vamos“, mit dem die Goetheschule schon seit 17 Jahren eine Partnerschaft pflegt. Das Projekt hilft in Bacabal im Nordosten Brasiliens armen Kindern, die sonst keinen Zugang zu Bildung hätten. „Neben dem Schulunterricht werden diese Kinder in kleinen Gruppen besonders gefördert, um nicht als Straßenkinder zu enden“, berichtet Gracinete Lemos Schröder, die die Leiterin des Projekts ist. Sie erzählt von einer Schule, die so klein ist, dass die 100 Schülerinnen und Schüler nicht gleichzeitig unterrichtet werden können. „Die eine Hälfte geht morgens zu Schule und kommt nachmittags in unser Projekt, bei der anderen Hälfte ist es andersherum.“

„Ohne Essen würden Kinder nicht zur Schule gehen“

Im Projekt selbst steht dann einerseits Nachhilfeunterricht auf dem Programm, teilweise aber auch Kulturelles wie Musik, Tanzen oder das Erlernen des Capoeira, einer afro-brasilianischen Mischung aus Tanz und Kampfsport. Wichtig sei dabei aber, dass die Kinder mit Essen versorgt werden. „Essen ist für viele Familien ja selbstverständlich, aber eben nicht für alle“, so Schröder. „Ohne Essen würden die Kinder wahrscheinlich nicht zur Schule gehen.“ Die Ergebnisse des Projekts seien erstaunlich: „Die Kinder und Jugendlichen haben die Chance, eine Ausbildung zu machen und in ganz normalen Berufen unterzukommen. Aus Straßenkindern werden teilweise Ärzte.“

Die andere Hälfte der erlaufenen Spendengelder gehen an das Essener Projekt „Be Strong For Kids“. Der Verein hat es sich seit der Gründung 2017 durch den Lehrer Jörn Schulz aus Stadtwald zur Aufgabe gemacht, sich für benachteiligte und erkrankte Kinder in Essen und Umgebung einzusetzen. Angeboten werden unter anderem Reittherapie, Yoga-, Parkour-, Tanz-, Stand-up-Paddling und Schwimmkurse für Nichtschwimmer. Durch kulturelle, bewegungsfördernde und soziale Angebote soll betroffenen Kindern der Alltag erträglicher gemacht und ihnen eine Auszeit gewährt werden.

Essener Projekt sucht Lehrer für Skateboardkurse

Unterstützte Hilfsprojekte

Das Projekt „Vamos“ betreut 75 Jungen und Mädchen im Alter zwischen sieben und 16 Jahren. Es bestehen je zwei Kindergruppen in zwei Stadtteilen von Bacabal (Brasilien) und eine Gruppe von 15 Jugendlichen. Alle Kinder und Jugendlichen waren als Kleinkinder unterernährt und haben daher heute Kommunikations- und Lernschwierigkeiten. Unterstützt wird das Bildungsprojekt vom deutschen Verein „Vamos! e.V.“ in Dortmund.

Eines der primären Ziele von „Be Strong For Kids“ ist es, durch Sport-, Bewegungs- und Kulturangebote in und um Essen das physische und psychische Wohlbefinden von körperlich beeinträchtigten und benachteiligten Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern und sie zu einem aktiven Lebensstil zu ermutigen. Zudem soll auf das Schicksal der betroffenen Kinder aufmerksam gemacht und der solidarische Gedanke in der Gesellschaft gefördert werden: www.bestrongforkids.de

Schulz ist selbst Familienvater. Er empfinde Dankbarkeit für sein eigenes Leben und möchte auf diese Weise anderen Familien den Alltag ein bisschen erleichtern, erläuterte er den Schülern seine Motivation. „Übrigens: Wir bieten auch Skateboard-Kurse an“, erzählt er. 40 Kurse pro Woche gebe es mittlerweile, „und wir suchen immer gute und zuverlässige Instruktoren. Falls also jemand Skateboardfahrer ist oder jemanden kennt, kann er sich gerne melden.“

Im Religionsunterricht nahmen Schröder und Schulz in dieser Woche nun die Spendengelder entgegen und erläuterten, was mit dem Geld geschehen wird. „5375 Euro mag nach wenig klingen, doch für Kinder in Brasilien bewirkt es ganz viel. Für dieses Geld können wir viele Musikinstrumente kaufen und zahlreiche Aktivitäten ermöglichen“, erklärte Schröder. Und Schulz fügte hinzu: „Nur ein Beispiel: Wir bieten für ukrainische Flüchtlinge zweimal in der Woche jeweils zwei Stunden einen Judokurs an. Mit eurer Spende können wir dieses Projekt für fast ein ganzes Jahr finanzieren.“ Ein großes Lob gab es dann zum Abschluss noch von Gracinete Lemos Schröder. An die Schülerinnen und Schüler gerichtet sagte sie: „Wir brauchen Menschen wie euch, die mit solchen Projekten die Welt verändern.“