Essen-Kupferdreh. Eine Bretterkiste auf dem Wochenmarkt in Essen-Kupferdreh machte vor 30 Jahren den Anfang. Seit fünf Jahren ist der Eine-Welt-Laden erfolgreich.

Gut riecht es in diesem kleinen Ladengeschäft. Es ist eine ungewöhnliche Duft-Mischung aus Kaffee, Schokolade und Seife, die die Kundinnen und Kunden vom Moment des Betretens an wohlig einhüllt. Der zweite Sinneseindruck geht von den Augen aus: Viele hübsche Packungen füllen die weißen Regale, darunter auch Honig, Reis und sogar Wein. Und das alles gibt es hier seit 2018: Vor genau fünf Jahren eröffnete an der Kupferdreher Straße 93 der Eine-Welt-Laden.

Hinter diesem Laden standen und stehen 30 Menschen, die Lust haben, sich ehrenamtlich für eine offene, transparente, ökologische und nachhaltige Form des Wirtschaftens zu engagieren. Die Wurzeln all dessen reichen jedoch noch viel tiefer zurück: 31 Jahre ist es mittlerweile her, da bildete sich aus vier Kirchengemeinden der „Ökumenische Eine-Welt-Kreis Ruhrhalbinsel“, um auf dem Kupferdreher Markt Produkte aus fairem Handel anzubieten und damit Menschen im globalen Süden zu unterstützen.

Eigene „Bretterkiste“ auf dem Kupferdreher Markt

„Damals war das so ein Stand, den hatte jemand gezimmert“, erinnert sich Franz Kampmann, der 1994 zwar noch nicht dabei war, den Stand jedoch aus eigener Erfahrung kennt, denn der ist bis heute noch der gleiche. „Das ist so eine Bretterkiste mit grün-weißer Plane, da sind zwei Reifen dran, damit man den besser bewegen kann“, erzählt er. „Und damit sind wir immer noch an jedem zweiten Mittwoch auf dem Markt in Kupferdreh vertreten.“

Mit dem verkauf von fair gehandeltem Kaffee fing es auf dem Markt in Essen Kupferdreh an.
Mit dem verkauf von fair gehandeltem Kaffee fing es auf dem Markt in Essen Kupferdreh an. © FUNKE Foto Services | Uwe Möller

Dass es heute zusätzlich einen festen Standort an der Kupferdreher Straße gibt, hängt auch mit dem Alter der ehrenamtlichen Helfer zusammen. „Für viele Leute wurde es ziemlich anstrengend auf dem Markt“, erklärt Kampmann, der selbst im Jahr 2010 zum Team hinzugestoßen ist. „Dann haben wir gesagt: Wir gucken mal, ob wir ein Ladengeschäft finden.“ Vor sechs Jahren begannen die Planungen für einen solchen Laden, und etwas später fand sich ein leerstehendes Geschäft an der Kupferdreher Straße 93. Ein echter Glücksfall: „Dieses Lokal hat eine angemessene Miete, es gibt einen Lagerraum gleich nebenan und unten einen Kellerraum, wo wir Waren verstauen können.“ Also habe man den Schritt gewagt.

Essener erwirtschafteten zunächst nur bescheidenen Erlös

Und es hat sich gelohnt. Nun ja, vielleicht nicht gleich zu Anfang. Im ersten Jahr fiel der Erlös noch eher bescheiden aus und deckte gerade mal die Kosten. Doch wie alles im Leben braucht auch ein Eine-Welt-Laden, der für den guten Zweck allein lebt, eine gewisse Anlaufzeit. „Wir haben jetzt hier einen guten Umsatz“, versichert Kampmann. „Wir können die Miete und Nebenkosten erwirtschaften und sind in der Lage, in jedem Jahr etwa 4000 Euro an gemeinnützige Projekte zu spenden.“ 70 Prozent des Umsatzes wird im Laden erwirtschaftet, der Rest über den Verkauf auf dem Markt und in den Kirchen. Die Corona-Zeit hat der Laden übrigens gut überstanden – die Leute kamen trotzdem.

Mittlerweile gibt es im Eine-Welt-Laden in Kupferdreh sogar Plüschtiere aus Filz.
Mittlerweile gibt es im Eine-Welt-Laden in Kupferdreh sogar Plüschtiere aus Filz. © FUNKE Foto Services | Uwe Möller

Der Gewinn wird schließlich gerecht aufgeteilt: Die eine Hälfte geht an die evangelische, die andere an die katholische Kirche. Die leiten das Geld dann weiter an ihre jeweiligen Projekte. „Die katholische Kirche lässt das über Misereor organisieren, die sich um wechselnde Vorhaben kümmern“, erklärt Kampmann. „In diesem Jahr geht es um eine Schule in Äthiopien, die unterstützt wird. Die evangelische hat schon seit Jahren ein Projekt in Brasilien, wo Kinder betreut werden, die aus schwierigen Verhältnissen stammen.“

Ziel des Engagements in Essen: Wertschöpfung in den Herkunftsländern

Vieles allerdings, sagt Kampmann, habe sich geändert verglichen mit den Anfängen. Heute seien fair gehandelte Waren auch im normalen Einzelhandel erhältlich, und die Vielfalt der Produkte habe sich deutlich verbreitert. Und: Weltläden sind mittlerweile in einem Dachverband organisiert, die unter anderem den Bildungsauftrag dieser Läden unterstützen. Kampmann: „Der Dachverband hat uns bei der Internetseite geholfen. Und für unsere 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter gibt es Fahrten und Weiterbildungsveranstaltungen, die Wissen über fairen Handel vermitteln.“ Schließlich sei es wichtig zu wissen, wo der Kaffee produziert wird, wie er entsteht und wie die Logistik funktioniert. „Wir haben hier beispielsweise die Marke ,Fair Afrique‘. Da können wir den Kunden erklären, dass nicht nur die Rohstoffe in Afrika produziert werden, sondern dass auch die Schokolade in Ghana gemacht wird.“ Die meiste Schokolade etwa wird in Europa produziert, lediglich die Rohstoffe stammen aus Afrika. „In diesem Fall findet die Wertschöpfung vor Ort statt. Damit werden direkt in Ghana Arbeitsplätze geschaffen.“

Adventstüten-Aktion im Stadtteil Essen-Kupferdreh

Und dann geht es natürlich auch um den Preis, und das soll den Kunden vermittelt werden: Ist der Weltmarktpreis sehr niedrig, erhalten die Produzenten dennoch einen Mindestpreis. Liegt der Weltmarktpreis über dem Mindestpreis, gibt es noch etwas obendrauf. Kampmann: „Wobei man sagen muss, selbst der faire Preis ist aus unserer Sicht noch zu niedrig, wenn man vom Grundsatz ausgeht: Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Doch es ermöglicht den Menschen dort ein einigermaßen gutes Leben: gesunde Familien, eine stabile Gesellschaft und keine Ausbeutung.“

Das gilt nicht mehr nur für Kaffee und Schokolade. Mittlerweile gibt es im Kupferdreher Eine-Welt-Laden fair gehandelten Orangensaft, Limonade, die sogar im Gemeindeheim ausgeschenkt wird, außerdem Kinderbücher, Spielzeug, Plüschtiere und – wir haben ja bald Weihnachten – einen Adventskalender mit 24 Teesorten. Außerdem läuft gerade eine Adventstüten-Aktion: „Wir haben hier ein Sortiment zusammengestellt, das die Leute aus Kupferdreh bei uns bestellen können“, sagt Kampmann. „Sie mussten sich in eine Liste eintragen und 18 Euro bezahlen. Und am Ersten Advent bringen wir ihnen die Tüten vorbei.“ Gute Taten frei Haus.