Essen-Holsterhausen. Einmal im Jahr gegen Rassismus demonstrieren? Das ist wichtig. Für das Netzwerk Holsterhausen aber nicht genug. Was die Essener Initiative plant.

An den Internationalen Wochen gegen Rassismus wird auch im kommenden Jahr wieder das Netzwerk Holsterhausen mit Aktionen teilnehmen. Das haben die Mitglieder der Initiative jetzt bei einem Treffen in den Räumen der Deutsch-Irakischen Gemeinde Essen beschlossen. Wie schon in diesem Jahr soll es auch 2024 eine Menschenkette durch den Stadtteil geben. Neu ist: Es soll künftig regelmäßig vergleichbare Aktionen in Holsterhausen geben, um aktiv gegen Rassismus einzutreten und für Toleranz zu werben.

„Die Menschenkette in diesem Jahr kam wirklich gut an, und deshalb sind wir uns einig, dass wir das 2024 wiederholen möchten“, sagt Çagla Sorgun von der Awo-Integrationsagentur, die die Gründung des Netzwerks gemeinsam mit dem Runden Tisch Holsterhausen initiiert hat. „Tatsächlich haben wir in diesem Jahr sehr viele Aktionen gehabt, und ich könnte mir vorstellen, dass einiges davon wiederholt wird. Das Falken-Zentrum hat ein Konzert organisiert. Und die Kita Cranachhöfe hatte ein großes Plakat an der Wand mit vielen Porträts und dem Text: ,Mein Gesicht gegen Rassismus – wo ist deins?’ Solche Aktionen könnte ich mir wieder vorstellen. Wir sind aber erst am Anfang der Planung und schauen, was wir wiederholen und was vielleicht noch hinzukommt.“

Statement-Baum der Awo für Toleranz und gegen Rassismus

Netzwerk Holsterhausen

Das Netzwerk Holsterhausen ist eine Initiative, die darauf abzielt, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen im Stadtteil zu stärken, darunter Bildungseinrichtungen, Vereine, Wohlfahrtsverbände, politische Vertretungen, städtische Institutionen, Religionsgemeinschaften und weitere Akteure im Stadtteil.

Das angestrebte Ziel: eine Steigerung der Lebensqualität und der Zukunftsperspektiven der Bewohnerinnen und Bewohner durch kooperative Projekte und Aktivitäten. Die Koordination des Netzwerks erfolgt durch die Integrationsagentur der Arbeiterwohlfahrt: www.awo-essen.de/rat-hilfe/integrationsagentur

Das Netzwerk trifft sich einmal pro Quartal. Diese Treffen finden jeweils in den Räumlichkeiten verschiedener Institutionen statt, um den Netzwerkmitgliedern die Möglichkeit zu geben, sich besser kennenzulernen.

Sicher ist bereits, dass die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die seit 2021 ihren Sitz in Holsterhausen hat, zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus in ihren Räumen einen so genannten Statement-Baum aufstellen wird. „Ich arbeite in der Bildungsabteilung der Awo, und wir haben hier unsere Beratungsstellen“, erklärt Sorgun. „Deshalb kommen viele Menschen hierher. Für sie wollen wir in unseren Räumen einen Baum aufstellen. Jeder Mensch kann dann sein oder ihr Statement für Toleranz und gegen Rassismus aufschreiben und aufhängen.“

Der Internationale Tag gegen Rassismus wird jährlich am 21. März begangen und wurde 1966 von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag zur Überwindung von rassistischer Diskriminierung“ ausgerufen. Anlass war der sechste Jahrestag des Massakers von Sharpeville in Südafrika durch Einheiten der South African Police. 1979 wurde dieser Gedenktag durch die Einladung der Vereinten Nationen an ihre Mitgliedstaaten ergänzt, eine alljährliche Aktionswoche der Solidarität mit den Gegnern und Betroffenen von Rassismus zu organisieren. Im kommenden Jahr wird die Aktionswoche vom 11. bis 24. März stattfinden.

Viel Lob für die Menschenkette – Weitere Aktionen folgen

„Trotz oder gerade aufgrund der Tatsache, dass die Menschenkette so viel Lob bekommen hat, haben wir gesagt: Es genügt nicht, so etwas nur einmal im Jahr zu machen“, blickt Sorgun in die Zukunft. „Wir wollen im Stadtteil präsent sein, wollen regelmäßig zeigen, dass wir für Toleranz und gegen Rassismus und Diskriminierung sind.“ Deshalb sei nun die Idee entstanden, eine Menschenkette nicht nur zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus, sondern auch danach in regelmäßigen Abständen zu veranstalten.

Çagla Sorgun von der Integrationsagentur der Essener Awo ist Ansprechpartnerin im Netzwerk Holsterhausen.
Çagla Sorgun von der Integrationsagentur der Essener Awo ist Ansprechpartnerin im Netzwerk Holsterhausen. © FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

Im Mittelpunkt dieser Aktionen steht dabei das Netzwerk Holsterhausen, das sich Ende 2022 gegründet hat. Übergeordnetes Ziel der Initiative ist es, den Stadtteil besser zu vernetzen, verschiedene Institutionen und Vereine zusammenzubringen und Integrationsarbeit zu leisten. Einer der Partner im Netzwerk ist die Integrationsagentur der Awo, Sorgun ist hier für alle Netzwerkpartner und -partnerinnen ansprechbar. „Bei den Integrationsagenturen handelt es sich um ein Programm des Landes Nordrhein-Westfalen. Wir arbeiten auf Bezirksebene, deshalb gehören auch Altendorf und Frohnhausen zu meinem Bereich“, erklärt Sorgun. „Holsterhausen gilt dabei nicht als Brennpunkt. Doch wir haben hier beispielsweise Geflüchtete aus der Ukraine und aus Syrien, der Anteil der Doppelstaatler und Nichtdeutschen liegt immerhin bei 34,4 Prozent. Deshalb ist auch in Holsterhausen das Thema Integration sehr wichtig.“

Netzwerk Holsterhausen fördert Austausch im Essener Stadtteil

Aufgabe der Integrationsagenturen NRW ist es, mit den bestehenden Institutionen, Migrantenselbstorganisationen, Netzwerken und Projekten im Bezirk zu kooperieren und eine Brückenfunktion zwischen vorhandenen Angeboten im Stadtteil und Menschen mit Migrationshintergrund zu übernehmen. Sorgun will diese Zusammenarbeit im Stadtteil weiter vorantreiben. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt sie. „Das Netzwerk Holsterhausen trifft sich viermal jährlich und spricht über alle relevanten Themen in diesem Bereich.“ Mitglieder sind unter anderem Sportvereine, Kirchengemeinden, Schulen und Kindergärten, die Diakonie, politische Parteien aber auch Übergangswohnheime und Migrantenverbände. „Jeder aus dem Stadtteil kann mitmachen“, lädt Sorgun alle Interessierten ein. „Es ist ein offenes Netzwerk, das immer weiter wachsen soll.“