Essen. Ein 48-Jähriger wurde zu zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Grund: organisierte Schwarzarbeit im Baugewerbe.

Über vier Jahre hat ein Essener Unternehmer im Baugewerbe mit Scheinrechnungen und fingierten Lohnzahlungen im großen Stil betrogen. Dafür bekam der 48-Jährige jetzt die Quittung: Nach umfangreichen Ermittlungen wegen des Verdachts der organisierten Schwarzarbeit hat das Essener Landgericht den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Wie der in dem Verfahren federführende Duisburger Zoll am Freitag mitteilte, sah es die Große Strafkammer als erwiesen an, dass der Beschuldigte als Einzelunternehmer im Baugewerbe Scheinrechnungen fremder Firmen nutzte, um sie in seinem Unternehmen einzubuchen und so Geld für Schwarzlohnzahlungen zu generieren.

Arbeitsverträge wurden verkauft

Der Angeklagte habe für die beschäftigten Arbeitnehmer die Sozialversicherungsbeiträge, zum Beispiel für die Krankenversicherung und Rentenversicherung, nicht in der richtigen Höhe. Ferner habe er Arbeitsverträge „verkauft“, damit Osteuropäer Sozialleistungen beantragen konnten. Die Papiere seien zum Schein ausgestellt worden, ohne dass irgendjemand auch nur einen Finger krumm machte. Die Richter werteten diese Masche als Beihilfe zum Betrug, so das Hauptzollamt.

Mehreren Jobcentern ist so ein Gesamtschaden in Höhe von rund 214.000 Euro entstanden, berichtet der Zoll. Die Schadenssumme der vorenthaltenen Sozialversicherungsbeiträge und sonstiger Arbeitgeberanteile für die beschäftigten Arbeitnehmer des Angeklagten belief sich nach Erkenntnissen der Richter auf rund 330.000 Euro.

Wohn- und Geschäftsräume durchsucht

Durch einen Ermittlungskomplex waren die Zöllnerinnen und Zöllner des Hauptzollamts Duisburg auf die Firma des Angeklagten gestoßen. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch die Wohn- und Geschäftsräume des Mannes durchsucht. Neben einigen Beweismittelkartons stellten die Fahnder auch elektronische Daten sicher, die ausgewertet wurden.

Der Fall des Essener Unternehmers war einer von vielen: Im vergangenen Jahr leiteten die Einsatzkräfte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Hauptzollamt Duisburg insgesamt 6057 Verfahren ein. Dabei handelte es sich um rund 4500 Straf- und knapp 1500 Ordnungswidrigkeitenverfahren. Die Standorte der FKS in Duisburg und Emmerich ermittelten dabei eine Schadensumme von 22,6 Millionen Euro. Nach Abschluss der Strafverfahren verhängten die Gerichte im Jahr 28,5 Jahre Freiheitsstrafe und Geldstrafen in Höhe von knapp 830.000 Euro. Durch abgeschlossene Ordnungswidrigkeitenverfahren wurden über 830.000 Euro Bußgelder geahndet.