Essen. Sogenannte „Vapes“ verführen schon 13-Jährige. Ein Essener Sucht-Experte warnt, die Schulen berichten von illegalem Handel auf dem Schulhof.

Einweg-E-Zigaretten, sogenannte „Vapes“, sind auch unter Essener Jugendlichen verbreitet. Sie sind zwar erst ab 18 Jahren erlaubt, werden aber häufig unter der Hand an Teenager verkauft – schon für viele 13- oder 14-Jährige sind die bunt verpackten Nikotin-Produkte hoch attraktiv.

„Vapes richten sich eindeutig an eine junge Zielgruppe und können als Wegbereiter zur Nikotinabhängigkeit bezeichnet werden“, warnt Norbert Scherbaum. Der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der LVR-Universitätsklinik Essen ist Vorsitzender der bundesweit agierenden „Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)“.

Schwarzhandel auf dem Schulhof mit „Vapes“-Kopien

Zwar gebe es auch Einweg-E-Zigaretten, die nikotinfrei seien, doch „es drohen immer schwere gesundheitliche Risiken“. Es gibt noch keine Langzeit-Studien zu den Folgen von E-Zigaretten, doch allein der Formaldehyd-Gehalt in den Flüssigkeiten sei kritisch.

„Vapes sind Wegbereiter für Sucht“: Prof. Dr. Norbert Scherbaum, der Ärztliche Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LVR-Klinikums Essen.
„Vapes sind Wegbereiter für Sucht“: Prof. Dr. Norbert Scherbaum, der Ärztliche Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LVR-Klinikums Essen. © FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Essener Schulleiter bestätigen, dass so genannte „Vapes“ seit Jahren ein Thema unter Jugendlichen sind. „Bei uns auf dem Schulhof hat es zwischenzeitlich einen regelrechten Schwarzhandel mit Billig-Kopie-Produkten gegeben“, berichtet die Leiterin einer weiterführenden Schule im Stadtgebiet. „Vapes“ seien so schwierig im Schulalltag aufzuspüren, weil sie auf den ersten Blick wie Kunststoff-Stifte aussehen und zweitens der Geruch des Dampfes sich sofort verflüchtigt. „Deshalb werden sie häufig auf dem Schulklo konsumiert oder sogar im Klassenzimmer während der Fünf-Minuten-Pause“, berichtet eine Pädagogin.

Die als „Vapes“ bezeichneten Einweg-E-Zigaretten tragen Markennamen wie „Vaypel“ oder „Vuse Go“, kosten rund zehn Euro und sind vor allem an Kiosken erhältlich. Die „Vapes“ böten „ein erfrischendes, intensives Geschmackserlebnis“, heißt es in einem Werbetext. Die Geschmacksrichtungen: „Wild Berries“ oder „Spearmint“ oder „Peppermint Ice“ – erkennbar ist ein junges Publikum angesprochen.

Politik diskutiert längst über ein Verbot

„Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass auch ,Vapes‘ die Konsumenten dazu bringen, irgendwann doch echte Zigaretten zu rauchen“, sagt Norbert Scherbaum. Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Risiken (Atemwegs- und Herzerkrankungen) sei Nikotin ein Suchtmittel: „Nikotin wirkt zunächst auf den Organismus anregend und stimulierend.“ Das Ritual des Rauchens könne durchaus auch beruhigend wirken. „Nach Entwicklung einer Abhängigkeit wird Nikotin aber zu sich genommen, um die rasch eintretenden Entzugsbeschwerden zu lindern“, sagt Scherbaum. „Der Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit fällt den meisten Betroffenen dann sehr schwer.“

In der Politik gibt es längst eine Debatte über das Verbot solcher „Vapes“ – Scherbaum erinnert an die wirkungsvolle Verdrängung sogenannter „Alcopops“, bonbonbunter, alkoholhaltiger Getränke, die sich an eine junge Zielgruppe richteten und durch eine Änderung der Steuer faktisch vom Markt verschwanden.

„Die Politik hat Möglichkeiten, zum Beispiel über die Steuergesetzgebung“, sagt Scherbaum. „Das könnte auch bei Vapes geschehen.“ Ganz abgesehen von der Umweltbelastung, die „Vapes“ mit sich brächten: zum Beispiel durch den Kunststoff und die Batterie, die zum Erwärmen des sogenannten „Liquids“ benötigt wird. Grundsätzlich, sagt Scherbaum, sei es hilfreich, wenn Alkohol und Nikotin viel schwerer zu beschaffen seien, als es derzeit der Fall ist – beispielsweise an den vielen Trinkhallen mit langen Öffnungszeiten oder an Tankstellen, die rund um die Uhr geöffnet haben.

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