Essen-Altendorf. In Stadtteilen wie Essen-Altendorf treffen die gestiegenen Kosten die Menschen besonders hart. Was diese Aktion dagegen ausrichten soll.

Auf den ersten Blick sieht es im Stadtteilzentrum „kreuz und quer“ in Altendorf aus wie in einem Wohnzimmer. Es gibt ein Sofa mit Kissen und Decken, kleine Couchtische, Stofftiere und Spielzeug für Kinder. Tassen mit heißem Tee stehen bereit und sogar Kerzen brennen auf den Tischen. Denn das Stadtteilzentrum soll auch ein erweitertes Wohnzimmer sein. Ein Ort, um gemeinsam bei einer Tasse Tee oder Kaffee beisammen zu sitzen und sich auszutauschen. Wenn der „Ort der Herzenswärme“ seine Türen öffnet, kommt mal eine kleinere Gruppe, mal eine etwas größere zusammen.

Es wird über Alltägliches geredet, es geht aber auch um ernste Themen wie den Krieg in der Ukraine. Viele Menschen sind besorgt oder haben Ängste und sind froh, mit jemandem darüber sprechen zu können. Im Raum nebenan gibt es ein Angebot mit dem Titel „kreuz und hair“. Eine Friseurin hat ihre Utensilien ausgebreitet und bietet ehrenamtlich kostenloses Haareschneiden an.

Im Stadtteilzentrum „kreuz und quer“ in Essen-Altendorf sind weitere Aktionen geplant.
Im Stadtteilzentrum „kreuz und quer“ in Essen-Altendorf sind weitere Aktionen geplant. © FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Der Plan für die Aktion „Orte der Herzenswärme“ entstand schon im Sommer. Als sich abzeichnete, dass sich in Folge des Angriffskriegs auf die Ukraine eine Energiekrise anbahnt und die steigenden Kosten für viele zum Problem werden könnten und sie zuhause eventuell nicht ausreichend heizen können, kam Pastoralreferent Markus Tiefensee von der katholischen Pfarrgemeinde St. Antonius als Leiter des Stadtteilzentrums auf die Idee.

„Orte der Herzenswärme“ als Essener Antwort auf die Energiekrise

Das Programm im „kreuz und quer“ ist ohnehin vielfältig. Es gibt zum Beispiel eine Technik-Sprechstunde, eine Formular-Ambulanz, die beim Schriftverkehr mit Behörden hilft, einen Deutschkurs mit Kinderbetreuung und einen Kochnachmittag für Obdachlose. Deshalb war schnell klar, dass auch ein Angebot gegen die Kälte geschaffen werden soll.

In Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen anderer sozialer Einrichtungen brachte Tiefensee seine Idee ein. „Alle waren sofort begeistert von der Idee, denn sie ist ja auch denkbar simpel“, erzählt er. „Die meisten Einrichtungen sind ohnehin zu bestimmten Zeiten geöffnet, man muss im Prinzip nur noch die Menschen einladen und ein heißes Getränk oder eine Mahlzeit anbieten und schon gibt es wieder ein neues Angebot, das den Menschen hilft.“

In Altendorf und Frohnhausen nehmen verschiedene Einrichtungen an der Aktion „Orte der Herzenswärme“ teil, darunter das Stadtteilbüro Treffpunkt Altendorf, der Eine-Welt-Laden, das ehemalige Bistro auf dem Ehrenzeller Platz und das evangelische Wilhelm-Selle-Haus. In Frohnhausen öffnen der Treffpunkt Essener Kontakte und das Stadtteilbüro M.56 regelmäßig ihre Türen. Schon beim Entwickeln eines geeigneten Namens für das Projekt war klar, dass es nicht alleine ums Aufwärmen gehen soll.

Aktion soll an einigen Orten in Altendorf weitergehen

„Wir haben bewusst keinen Namen wie Wärmeraum gewählt“, sagt Tiefensee. „Das klingt so unpersönlich und irgendwie nach Aufbewahrung. Dabei geht es ja um viel mehr. Der Name soll verdeutlichen, dass es nicht nur um physische, sondern vor allem um menschliche Wärme geht.“ Bis spätestens zu den Osterferien soll es die Orte der Herzenswärme noch geben. Einige Standorte haben allerdings schon jetzt beschlossen, die Aktion auch in Zukunft fortzuführen, zum Beispiel das ehemalige Bistro auf dem Ehrenzeller Markt.

Im „kreuz und quer“ gibt es währenddessen für Ostern schon die nächste Idee für menschliche Wärme und Begegnung. Am Gründonnerstag soll es vor der Kirche St. Antonius ein interreligiöses Abendmahl geben. An einer langen Tafel können Christen und Muslime bei Brot und Wein, Hummus und orientalischen Speisen gemeinsam Abendmahl und Fastenbrechen feiern. Weitere Informationen zum Stadtteilzentrum „kreuz und quer“ gibt es unter 0201 47 81 38 88 oder markus.tiefensee@bistum-essen.de.