Essen-Rüttenscheid. Arbeitszeit, Urlaubstage, Verdienst: Im Rüttenscheider Friseursalon „Pure“ dürfen Angestellte darüber mitentscheiden. Wie das Modell funktioniert.

Bei der Suche nach Fachkräften geht der Rüttenscheider Friseur Mirko Schoroth neue Wege: Er zahlt mehr als in der Branche üblich, lässt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Gestaltung ihrer Verträge Spielraum. Arbeitszeit, Urlaubstage, Gehalt – über all das dürfen sie mitentscheiden. So hat Schoroth das Team im Salon „Pure“ an der Rüttenscheider Straße um drei neue Fachkräfte erweitern können.

„Ich habe einen Friseurmeister und zwei Friseurmeisterinnen eingestellt“, sagt Schoroth. Darauf ist er stolz, denn anderswo fehlen Friseure. „Ich bin regelmäßig im Austausch mit Kollegen aus der Region, alle klagen über den Fachkräftemangel“, sagt er. Auch er hatte mit diesem Problem zu kämpfen. Das änderte sich, als er in den Stellenanzeigen offensiv das Gehalt nannte. Mindestens 30.000 Euro Verdienst pro Jahr, mindestens 30 Tage Urlaub, flexible Vertragsgestaltung, Wertschätzung und Teamgeist versprach er darin. Es kamen zahlreiche Bewerbungen, drei Verträge kamen so zustande. Und zwar recht unterschiedliche.

Angestellte im Rüttenscheider Salon entscheiden über ihre Arbeitsverträge

„Das Gehalt variiert und die Zahl der Urlaubstage auch“, sagt Schoroth. Ebenso die Arbeitszeit. Eine der neuen Kolleginnen etwa habe sich für eine Vier-Tage-Woche entschieden. Von dienstags bis freitags arbeitet sie täglich zehn Stunden, samstags hat sie frei. Bei ihrem Verdienst haben die Angestellten ebenfalls ein Mitspracherecht. Allerdings gibt es eine Kopplung an Leistung und Umsatz.

„Das Ziel ist, dass ein Mitarbeiter knapp das Vierfache des Bruttolohns als Umsatz macht“, so Schoroth. „Jeden Mitarbeiter beteilige ich außerdem zu 20 Prozent an jedem Euro, den er über das Ziel hinaus arbeitet.“ In den ersten Monaten gebe er den neuen Angestellten Zeit, sich zu entwickeln. Danach sollen sie das Ziel erreichen, das regelmäßig transparent im Team besprochen werde.

Erik Schumann ist einer der Neuen im Team. Abgesehen vom höheren Gehalt hat er sich für einen recht klassischen Vertrag entschieden mit 40 Wochenstunden und fünf Arbeitstagen. Im Vergleich zu seiner vorigen Stelle in einem Bochumer Salon sieht der Friseurmeister dennoch Vorteile. Dreimal pro Woche arbeitet er in der Spätschicht bis 21 Uhr. „Ich habe dadurch mehr Ruhe und mehr Freizeit, kann private Erledigungen machen, ohne mir extra freinehmen zu müssen.“ Einen höheren Druck durch die klaren Umsatzziele empfinde er nicht.

Friseur setzt vor allem auf Beratung und Atmosphäre

„Ich habe noch nie jemanden entlassen müssen, weil er nicht rentabel war“, sagt Schoroth. Ebenso habe er keine Neiddebatten registriert. Seine Aufgabe sieht er im Coaching der Mitarbeiter: „Ich helfe ihnen dabei so zu arbeiten, dass ich das Gehalt nicht nur zahlen muss, sondern zahlen möchte.“ Das funktioniere vor allem über Beratungsleistung und persönliche Kontakte. Denn: „Möglich macht das alles die Loyalität unserer Kundschaft.“

Wer in den Salon komme, erwarte eine typgerechte Beratung, handwerklich saubere Arbeit und eine entspannte und persönliche Atmosphäre. Vor 13 Jahren habe er sich bewusst entschieden, an der Rüttenscheider Straße einen höherpreisigen Salon zu eröffnen, so Schoroth. Für das Basispaket aus Beratung, Waschen, Schneiden und Stylen etwa zahlen Frauen aktuell 61 Euro, Männer 40 Euro. Das Färben kostet für Frauen je nach Aufwand zwischen 43 und mehr als 100 Euro. Dass sein Betrieb für neue Mitarbeiter attraktiv sei, komme wiederum auch gut bei den Kunden an, ist Schoroth überzeugt.