Essen. Pünktlich zum Film: In Essen hat das bundesweit erste JGA-Hotel eröffnet. Warum die Betreiber ein Haus für Junggesellinnen-Abschiede gründeten.

Es gibt Tagungshotels, Wellnesshotels, Romantikhotels. In Essen gibt es nun auch ein Hotel, das sich auf Junggesellinnen-Abschiedsfeiern (JGA) spezialisiert hat. Für manche dürfte das nach Angaben der Betreiber erste deutsche JGA-Boutique-Hotel eine eher ungewöhnliche Randerscheinung der MeToo-Debatte sein. Für die Betreiber Ali Can, Darius Kamadeva und Lene Harapat ist es vor allem ein zusätzliches Angebot im Vielerlei des Essener Übernachtungsangebots.

Rosen-Fotowand und abwaschbarer Couchbezug im JGA-Hotel

Eines mit vielen praktischen Vorteilen: Das Domizil im ehemaligen WG-Hotel des Unperfekthauses bietet nicht nur eine gemeinsame Übernachtungsmöglichkeit für bis zu 12 Personen. Die Macher haben auch an vieles gedacht, was an so einem Junggesellinnen-Wochenende hilfreich sein kann – von der rosenübersäten Fotowand für passende Selfiebilder bis zum abwaschbaren Couchbezug bei eventuellen Unpässlichkeiten.

Gemeinsam Filme gucken und Playstation spielen: Auch das ist im Gemeinschafts-Wohnzimmer möglich. Die Sofabezüge sind – für den Fall der Fälle – abwaschbar.
Gemeinsam Filme gucken und Playstation spielen: Auch das ist im Gemeinschafts-Wohnzimmer möglich. Die Sofabezüge sind – für den Fall der Fälle – abwaschbar. © FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Alkohol gehört normalerweise ja dazu, wenn die partylustigen Truppen vor der letzten Ausfahrt zum Ehehafen noch mal – ausstaffiert mit schrägen Outfits und Schnapspinnchen-befülltem Bauchladen – durch die Straßen ziehen. Wer danach nicht an irgendeiner Bar möglicherweise unliebsamen Avancen ausgesetzt sein will, sondern lieber noch gemeinsam mit Freundinnen vor dem Fernseher abhängen oder in der Sauna ungestört dösen möchte, der findet im JGA-Hotel stadtnah das passende Angebot. Die gemütliche Küche fürs gemeinsam zubereitete Katerfrühstück und der relativ günstige Gruppentarif dürften weitere Pluspunkte sein. „Das ist kein Hilton“, sagt Can, „aber es kann sich sehen lassen.“

Die Fotowand mit Rosen ist für Selfiebilder gedacht

Junggesellenabschied- Mit Oliver Pocher zum KilimandscharoManches haben Can und seine Kollegen während der Pandemie-Monate selbst gezimmert und renoviert. Vorzeigeobjekt ist der großzügige Wellness-Bereich mit Sauna und mehreren Duschen, der noch aus dem früheren WG-Hotel übernommen werden konnte. Die goldglänzende Riesen-Vulva am Treppenaufgang wurde zusammen mit queeren Aktivistinnen auf die Leinwand gepinselt. Wem das ein bisschen zu viel des weiblichen Empowerments ist, der kann sich in die Zwei- und Einbettzimmer zurückziehen, in denen Alexa die einzige unbekannte Mitbewohnerin ist, die die Zimmer wahlweise in den Lieblingsfarben der Braut erleuchtet oder Musik von der vorbereiteten Playliste einspielt.

Das JGA-Hotel führt über zwei Etagen. Am Treppenaufgang erwartet die Besucherinnen eine selbst gemalte Riesen-Vulva.
Das JGA-Hotel führt über zwei Etagen. Am Treppenaufgang erwartet die Besucherinnen eine selbst gemalte Riesen-Vulva. © FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Überhaupt nutzt das Essener JGA-Hotel Smart-Home-Technik für viele Bereiche. So können die Besucherinnen das Hotel praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit beziehen, ohne dass es einen Nachtportier braucht. Und die hauseigenen Kühlschränke halten auch zu nachtschlafender Zeit immer noch Vorräte für einen Absacker bereit.

Anlaufpunkt für lange Freundinnen-Wochenenden

Can ist davon überzeugt, dass die lockere Mischung aus familiärem Boutique-Hotel und großer WG-Wohnung noch eine Marktlücke im nicht geringen Essener Hotelangebot schließt. In den sozialen Netzwerken gab es gleichwohl nicht nur Applaus für die Ende 2021 eröffnete Unterkunft. Je nach Haltung wurde das Hotel als überfällige Idee und Glücksfall gepriesen, bisweilen aber auch als diskriminierend und rückwärtig kritisiert.

Wie denn wohl die Reaktion auf ein Hotel nur für Männer ausfallen würde, wollten einige wissen. Can, im Hauptberuf eigentlich Mitbegründer und Leiter des von „Unperfekthaus“-Gründer Reinhard Wiesemann mitinitiierten „Vielrespekt-Zentrums“, liegt generelle Ausgrenzung dabei fern: „Bei zwei Buchungen waren auch schon Männer dabei. Wir exkludieren nicht nach Geschlecht.“

Gleichwohl habe es für das Angebot, einfach mal unter sich sein zu können, schon viel Lob von Frauen gegeben. „Das Feedback ist unfassbar positiv.“ Nicht nur von zukünftigen Bräuten und ihren Freundinnen. Auch für Frauen-Clubs und lange Freundinnen-Wochenenden sieht Can das JGA-Hotel am Cityrand gut aufgestellt.

Welche Bedeutung das Thema JGA mittlerweile hat, kann man ab März sogar im Kino sehen. „JGA. Jasmin. Gina. Anna“ soll die weibliche Antwort auf männliche Junggesellen-Filmexzesse wie „Hangover“ werden. Im Essener JGA-Boutique-Hotel dürfte der Streifen danach zum Kultfilm werden.