Essen. Umwelt-Aktivisten von „Robin Wood“ haben vor der RWE-Zentrale in Essen protestiert. Warum sie die Enteignung des Stromkonzerns fordern.

Umweltaktivisten der Organisation „Robin Wood“ haben an diesem Donnerstag (4.11.) mit einer Aktion in Essen protestiert, es ging ihnen um den Braunkohle-Abbau im Rheinischen Revier. Die Aktion fand an der RWE-Zentrale an der Altenessener Straße statt, insgesamt waren 14 Aktivisten des Vereins „Robin Wood“ beteiligt. Sie hatten in der Frühe ein drei mal acht Meter großes Banner an der Hausfassade an der Altenessener gehisst.

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„Um 5.30 Uhr sind wir vom RWE-Sicherheitsdienst informiert worden“, sagt Polizeisprecher Christoph Wickhorst am Vormittag. Die Beamten seien ausgerückt und hätten mit den Aktivisten gesprochen, ließen sie aber gewähren, da sie laut Wickhorst „einen vernünftigen Eindruck machten“, zudem seien auch keine Unbeteiligten zu Schaden gekommen. Beendet war der Polizeieinsatz um 10.20 Uhr, bereits um 9.45 Uhr seien die meisten Aktivisten nicht mehr vor Ort gewesen, so Wickhorst.

Gegen die Aktivisten wurden Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und gegen das Versammlungsrecht geschrieben.

Klimaaktivisten fordern RWE-Enteignung, Konzern „überrascht“

Die aus ganz Deutschland angereisten „Robin Wood“-Aktivisten kritisieren, dass der Konzern trotz angekündigtem Kohleausstieg weitere „Dörfer im Rheinischen Revier für die Braunkohle abbaggern“ will und fordern auf dem Banner, dass RWE enteignet werden solle.

„Strenggenommen geht es um Vergesellschaftung“, sagt Ronja Heise, Energiereferentin von „Robin Wood“ über die geforderte Enteignung. „Stromversorgung könnte demokratisiert werden – bei einer Frage, die so zentral für unsere Gesellschaft ist.“

Bei RWE selbst zeigt man sich „überrascht“ von der Enteignungs-Forderung. Pressesprecher Olaf Winter sagt auf Anfrage, dass sich das Unternehmen „als Teil der gesamten Energiewirtschaft“ sieht, der bereits deutlich in erneuerbare Energien investiere.

Neuer NRW-Ministerpräsident Wüst (CDU) äußert sich zu Kohleausstieg 2030

Das Thema Kohleausstieg war am Mittwoch auch Thema im Düsseldorfer Landtag. In seiner ersten Regierungserklärung rückte der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) von der bisherigen Energiepolitik der schwarz-gelben Landesregierung ab. Er sagte: „Für mich ist klar: Wir sind in Nordrhein-Westfalen zu einem Ausstieg aus der Kohle auch schon 2030 bereit und wollen alles dafür tun, dass uns das gelingt.“

Einer von zwei Aktivisten, die am Donnerstagmorgen an Seilen und Tüchern hängend protestieren.
Einer von zwei Aktivisten, die am Donnerstagmorgen an Seilen und Tüchern hängend protestieren. © FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Auch weitere Umsiedlungen am Rande des rheinischen Braunkohlereviers stellte er in Frage und erklärte, „dass wir so viele Dörfer wie möglich erhalten“.

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Die Absichten von Wüst dürften bei den Klimaaktivisten durchaus positiv aufgenommen worden sein. Im Vorfeld der Aktion wurde seitens „Robin Wood“ bereits am Mittwochnachmittag auf die Ankündigungen Wüsts zu einem Kohleausstieg 2030 Bezug genommen.

Trotzdem, so hieß es in einer Mitteilung, sollen auch jetzt noch Menschen für den Braunkohle-Abbau enteignet und Dörfer für den Braunkohletagebau zerstört werden. „Welch ein Irrsinn“, teilten die Umweltaktivisten mit.

RWE teilt auf Anfrage dazu mit: „Die Inanspruchnahme von Lützerath ist bergbaulich erforderlich, um den Tagebau Garzweiler im südlichen Bereich des Abbaufeldes weiterzuentwickeln. Über die letzte ausstehende Umsiedlung will das OVG Münster bis Anfang Januar 2022 entscheiden. Dieses Urteil warten wir nun ab.“

„Robin Wood“: Aktivisten kletterten bereits auf den Zollverein-Doppelbock

Der Protest von „Robin Wood“ war nicht erste Protest in Essen. Bei einer Aktion gegen den Braunkohleabbau und die geplante Rodung des Hambacher Forstes waren Ende August 2018 beispielsweise Aktivisten auf den Zollverein-Doppelbock geklettert und hatten ein Protestbanner aufgehängt. Ein Jahr zuvor hatte „Robin Wood“ in einer verbotenen Aktion ein großes Banner vor der Zentrale des Energiekonzerns RWE am Opernplatz gehisst und einen Polizeieinsatz ausgelöst.