Sie wollte dieses Treffen. Unbedingt. Aber als es soweit ist, bekommt sie kaum ein Wort heraus. Ringt um Fassung, kämpft mit den Tränen und tastet sich durch diesen Vorhang aus Schmerz und Sprachlosigkeit, Trauer und Wut hindurch zu ein paar dürren Sätzen. Denn es ist ja nicht s c h o n, nein, es ist e r s t drei Monate her, dass ihr Sohn Adel B. bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde. Vor Gericht will sie nun aller Welt beweisen, dass er „noch leben würde, hätte die Polizei ihre Arbeit richtig gemacht“.
Das wird schwierig genug, vielleicht auch unmöglich. Warum der erste Anlauf gescheitert ist, erfuhr sie am Mittwoch aus der Post: Da las die 54-jährige gebürtige Rostockerin, die ihr Gesicht wohl zeigen, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen mag, dass das gegen den Todesschützen eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingestellt wurde.