Es hatte etwas von einem lauen Sommerabendkonzert am Mittelmeer, als die Essener Philharmoniker nun nach langer Zeit wieder im Musikpavillon des Grugaparks auftraten. 19 Jahre ist es her, dass die Open-Air-Idee im Jahr 1999 wegen des schlechten Wetters damals begraben wurde. Samstag also eine gelungene Neuauflage und der Wunsch vieler Zuschauer, solche Veranstaltungen doch bitte häufiger anzubieten – nächstes Jahr soll es wieder so weit sein.
Wie ein Sommerabend in Italien
Ein philharmonisches Konzert verbinden viele Musikfreunde mit fensterlosen Räumen und schicker Abendgarderobe. Die Essener Philharmoniker und ihr begeistertes Publikum zeigten, dass es auch anders geht. Legere Sommergarderobe, dazu ein eisgekühlter Wein und eine ungezwungene Stimmung, es war wie an einem warmen Sommerabend in Italien oder Spanien.
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Etwas Besonderes war dieser Abend auch für Evelyn Lorenz und ihren Mann Bernd, sie feierten ihren 45. Hochzeitstag: „Sonst gehen wir immer essen, aber als wir gesehen haben, dass dieses Konzert stattfindet, haben wir uns anders entschieden.“ Sie bereuten nichts. Die beiden gehen gerne in klassische Konzerte, haben auch die Philharmoniker schon häufiger gesehen, „die Atmosphäre passt sehr gut zu einem Sommerkonzert“.
Im zweiten Teil stimmten die Grillen mit ein
Viele Zuschauer nutzten das milde Klima, um das Konzert mit einem Spaziergang oder einem Picknick im Grugapark zu kombinieren. Während des Konzertes wehte der laue Abendwind durch den Musikpavillon, das Blätterrauschen legte sich als Grundstimmung unter die Musik der Philharmoniker. An der einen oder anderen Stelle fragte man sich, ob das Vogelgezwitscher nun zum Stück gehörte oder ob die Bewohner in den Volieren wohl mitspielen wollten – im zweiten Teil stimmten auch Grillen mit ein und auch das passte irgendwie zum guten Ton.
Verena (27), Leonie und Jonas (beide 26), die sich unter den Besuchern befanden, waren sehr angetan. „Es ist alles sehr entspannt und unpassende Kleidung gibt es hier nicht“, sagte Leonie. Auch die Musiker zeigten sich sehr zufrieden und begeistert, zum Beispiel die beiden Kontrabassspieler Alke Freytag und Patrick Fuchs: „Wir sind froh, dass so viele Leute hier sind, die wirklich Spaß haben. Viele haben sich einfach nebenan auf die Wiese gelegt und der Musik gelauscht.“