Essen. . Engagement: Schülerinnen der Gesamtschule Holsterhausen kümmern sich an der Uni-Klinik Essen um Kinder, die wegen eines Tumors behandelt werden.

Das Projekt heißt ganz einfach „Verantwortung“. Und einfach sind sie ja auch – die Dinge, um die es hier geht: Spielen, Malen, Vorlesen, Basteln. Doch eigentlich geht es um viel mehr.

Wir stehen im Foyer des Westdeutschen Protonenzentrums (WPE) am Rande des Klinikum-Geländes in Holsterhausen. Helles Holz, viel Licht, blauer Teppich; eine Spiel-Ecke mit kleinem Tisch und Stühlen. Greta (13), Emily (14) und Lysanne (14) helfen Elias (zweieinhalb) beim Hantieren mit Farbe und Pinsel. Der Junge ist erkennbar an einem Tumor im Kopf erkrankt und wird behandelt; seine Eltern führen gerade ein Gespräch mit der Sozialpädagogin Nicole Stember.

Die meisten kommen mit Hirntumoren

Im Westdeutschen Protonenzentrum werden vor allem Kinder und Jugendliche behandelt – die meisten haben Tumore im Kopf. Der Protonen-Strahl ist sehr genau und beschädigt wenig umliegendes Gewebe, deshalb bietet sich für Kinder diese Behandlung an. Die Patienten kommen aus ganz Deutschland, teilweise aus dem europäischen Ausland. „30 Bestrahlungen pro Kind sind nötig, jeweils mit Narkose“, sagt Nicole Stember. „Da entstehen Wartezeiten und Phasen, die die kleinen Patienten überbrücken müssen. Wir sind dankbar für die Hilfe der Schülerinnen.“ Und für Eltern ist ihr Engagement eine Entlastung.

Einige Zufälle führten dazu, dass die drei Schülerinnen der Gesamtschule Holsterhausen seit November einmal wöchentlich im Foyer da sind und sich um kleine Patienten kümmern. Ihre Schule schreibt ein Pflicht-Praktikum zum Motto „Verantwortung“ vor. „Andere sind in Altenheimen oder Kindergärten“, erzählt Greta. Durch private Kontakte kamen sie ins WPE – und sie sind selbst überrascht, wie schnell es ihnen gelang, mögliche Hemmungen abzubauen. Schließlich haben sie mit Kindern zu tun, die an lebensbedrohlichen Krankheiten leiden. „Die Kinder sind ja ganz normal und fröhlich“, erzählt Emily. „Ich wusste vorher überhaupt nicht, wie ich das einschätzen sollte, aber es war einfacher, als wir dachten.“

„Die Kinder können ja nichts für ihr Schicksal“

Und doch: Der regelmäßige Umgang mit sehr jungen Krebspatienten „macht einen selbst dankbar dafür, dass man gesund ist“, sagt Greta. „Die Kinder können ja nichts für ihr Schicksal.“

Noch bis Mai werden die drei Schülerinnen einmal wöchentlich ins WPE kommen, dann ist die Projekt-Phase offiziell vorbei. „Doch eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass wir nicht weitermachen“, sagt Greta. Ärztin will sie übrigens nicht werden: „Ich kann kein Blut sehen. Aber was Soziales kann ich mir schon vorstellen.“ Ob ihr Engagement fortgesetzt werden kann, ist noch offen. Noch handelt es sich um eine einmalige Aktion.

Das WPE, das 2013 den Betrieb startete, arbeitet derzeit noch nicht unter Volllast. Im Dezember 2017 wurde der 1000. Patient behandelt. „Auf diese Zahl sind wir stolz“, sagt Nicole Stember. Zum Start hieß es damals, dass 1000 Patienten pro Jahr im WPE eine Strahlentherapie bekommen können. Doch der Ausbau der Einrichtung, die rund 100 Mediziner beschäftigt, läuft.