Essen. . Wilma Galle ist die erste Patienten, der an der Uniklinik eine neuartige Kapsel eingesetzt wurde. Ihre Herzrhythmusstörungen sind jetzt weg.

  • Wilma Galle (80) hat an der Uniklinik einen innovativen Herzschrittmacher erhalten
  • Das Gerät kommt aus den USA und kann durch einen sanften Eingriff eingesetzt werden
  • Die Kapsel ist deutlich kleiner als herkömmliche Geräte, kostet aber derzeit noch 10.000 Euro

„Ich habe es mich einfach getraut. Und ich habe es nicht bedauert.“ Das sagt die Essenerin Wilma Galle über die wohl wichtigste Entscheidung ihres Lebens. Die 80-Jährige von der Margarethenhöhe hatte Herzrhythmusstörungen. „Vor zehn Jahren wurde ich schon mal am Herzen operiert. Das hat auf Dauer nicht geholfen. Letztes Jahr wurde es dann richtig schlimm“, erzählt Galle.

Gleich nach dem Eingriff ab in den Urlaub

Im vergangenen November wurde sie im Uniklinikum vor die Wahl gestellt: Entweder sie bekommt einen normalen Herzschrittmacher. Oder sie probiert eine neue Technik aus, die in Essen erst nach und nach genutzt ist. Sie entschied sich für den die neuartige Technik. Und ist seitdem beschwerdefrei. „Ich bin gleich nach dem Eingriff in den Urlaub nach Fuerteventura geflogen. Alles lief super.“

Micra – so heißt der Herzschrittmacher aus den USA, den Wilma Galle in der Klinik für Kardiologie am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum der Uniklinik eingesetzt bekam. Die Kardiokapsel, kleiner als eine Ein-Euro-Münze, trägt die Seniorin nun in ihrer Herzkammer. „Es ist ein Meilenstein in der Schrittmachertherapie“, erklärt Chefarzt Prof. Tienush Rassaf. „Frau Galle war unsere erste Patientin, die die kleine Kapsel als Mini-Schrittmachersystem bekommen hat und es hat alles beeindruckend gut geklappt.“

Der Herzschrittmacher (links) ist kleiner als eine Geldmünze.
Der Herzschrittmacher (links) ist kleiner als eine Geldmünze. © Knut Vahlensieck

Eine Operation war für das Implantat gar nicht nötig. Durch die örtlich betäubte Leiste wurde ein Kathetersystem zum Herzen geführt. Dort hinein wurde der Schrittmacher geschoben, bis er in der Herzspitze ankam. Vier Haken am unteren Ende der Kapsel sorgen für den Halt im Gewebe. Nach 25 Minuten war die ärztliche Arbeit getan.

Keine Vollnarkose mehr notwendig

Ein Vorteil für die 80-Jährige: Bei einer Vollnarkose hätte sie mehrere Tage gebraucht, um sich von den Operations-Strapazen zu erholen. So war sie kurz danach fit und urlaubsbereit. „Mein Leben geht weiter. Es hat eine neue Qualität bekommen und ist besser als zuvor“, schwärmt die 80-Jährige. Sie spürt ihren Herzschrittmacher kaum und lebt ohne Einschränkungen. Bei den gängigen, etwa zehn mal so großen Herzschrittmachern ist eine Operation notwendig. Jedoch: Durch feine Drähte, die unterhalb des Schlüsselbeins verlegt werden, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Außerdem müssen Betroffene vorsichtig beim Sport und in der Nähe von Magnetfeldern sein.

Der neue Herzschrittmacher ist noch vergleichsweise teuer: Das Modell von Wilma Galle kostet rund 10. 000 Euro, die aber von der Krankenkasse getragen werden. „Ich würde mich wieder für das Modell entscheiden, auch wenn ich den Schrittmacher selber zahlen müsste“, sagt Wilma Galle.

Weiterentwicklungen sind in Arbeit

Außerdem ist die Technik noch nicht für jeden Patienten geeignet. Die 80-jährige von der Margarethenhöhe hatte Glück. Sie hatte Herzrhythmusstörungen in einer Herzkammer. Wäre eine weitere Kammer betroffen gewesen, hätte ihr die Kapsel nicht helfen können. Derzeit kann die Micra-Kapsel nur bei einer einfachen Herzrhythmusstörung eingesetzt werden. „Weiterentwicklungen sind in Arbeit und kommen“, sagt Elif Kaya, Oberärztin an der Klinik für Kardiologie am Westdeutschen Herz und Gefäßzentrum der Uniklinik.