Splashdiving

Arschbomben-Weltmeister zeigen ihr Können auf Zollverein

Die Deutsche Splashdiving-Nationalmannschaft beim Arschbomben-Contest auf dem Welterbe Zollverein in Essen.

Die Deutsche Splashdiving-Nationalmannschaft beim Arschbomben-Contest auf dem Welterbe Zollverein in Essen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Beste Arschbombe gesucht! Beim Wettbewerb am Sonntag auf Zollverein gaben die Teilnehmer alles. Auch echte Profis waren vor Ort.

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Als Oliver Schill aufspringt, hat die Jury beim 2. Arschbomben-Contest auf Zollverein schon dutzende Sprünge gesehen: Kleine Plumpser, große Platscher, mal mit viel Krach und spritzendem Wasser, mal eher unauffällig. Jetzt zeigen Schills Zeige- und Mittelfinger jeweils auf ein Auge und danach macht er die gleiche Geste in Richtung des 15-jährigen Youri Schmidt aus Gevelsberg.

Schill ist Trainer der Deutschen Splashdiving-Nationalmannschaft und mit sieben Athleten aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Zwischen den (Spaß-)Wettkämpfen im Werksschwimmbad auf der Kokerei zeigt sein Team, von denen viele schon Weltmeistertitel geholt haben, was es kann. Auf Talentsuche wollte er dabei eigentlich nicht gehen. Eigentlich: „Dich will ich im November bei der Sichtung sehen,“ ruft er begeistert. Gut möglich, dass Youri danach zum Team gehört, dessen Vater erklärt Schill etwas später: „Wir nehmen aber nur die Besten. Das ist Hochleistungssport.“

Jury bewertet Sprünge beim Arschbomben-Wettbwerb auf Zollverein

Bei den Teilnehmern der drei Wettkampfrunden, nimmt Moderator Friedhelm Susok die Bewertung der Sprünge eher unkonventionell vor: „Hey, das Wasser ist ja mindestens zwei Meter gespritzt! Verdoppeln wir, kleiner Mann, auf glatte vier Meter zweiundzwanzig,“ ruft er begeistert ins Mikro und hat für jeden Teilnehmer einen flotten Spruch parat, denkt sich Spitznamen aus und bezieht Familien, Zuschauer und Journalisten ein. Die Jury, bestehend aus Schill, Stiftungschef Hans-Peter Noll und Bezirksbürgermeister Michael Zühlke, zeigt mit Smiley und Daumen-Hoch-Schildern, welche Sprünge ihnen zusagen.

Noch besser als Youri schneidet da der kleine Tom ab. Während er nach seinem Finalsprung noch unter Wasser ist, heizt Friedhelm Susok dem Publikum so sehr ein, dass der Kleine beim Auftauchen aus dem Staunen gar nicht rauskommt. Glücklich reckt er wenig später den Siegerpokal in die Luft, und zur nächsten Weltmeisterschaft nach Sindelfingen sind seine Familie und er auch eingeladen.

Da gibt es dann ein Wiedersehen mit Max, Nico, Christopher, Malte, Christof, Dario und Lisa. Die Nationalmannschaft hat ein Trampolin mitgebracht und zeigt im Wechsel, wie vielseitig das Splashdiving, so heißt die Arschbombe international, ist. Anker, Stuhl, Kleine Katze, Brauni und Brett sind nur einige Figuren, die die sechs Jungs und Lisa auf Zuruf zeigen.

Trotz Handtüchern und Jacken als Spritzschutz, bleiben die Zuschauer da nicht lange trocken. Je mehr Wasser verdrängt wird, desto mehr spritzt es. Das kann wehtun. Nach einer Runde Bauchplatscher sind die Weltmeister-Körper knallrot. „Geht alles vorbei,“ winken die Profis ab und schmieden Pläne fürs nächste Jahr. „Das mit dem Trampolin ist ganz nett, aber wenn das auf einem drei Meter hohen Podest stünde – das wäre genial“, träumt etwa Max, Weltmeister aus dem Jahr 2018.

Obwohl die Athleten sonst aus zehn Metern Höhe oder sogar aus einem Helikopter springen, hat das Werksschwimmbad es ihnen angetan. Zwischen ihren Auftritten schlendern die jungen Athleten an den Essensständen vorbei und beobachten die Workshops auf der Parkour-Anlage. Trainer Oliver Schill, der aus Bamberg stammt, spricht für das Team, das am Vorabend eine kleine Führung über das Gelände bekommen hat: „Dieser geschichtsträchtige Ort ist was ganz Besonderes. Wie ein Korridor der Zeit. Wir kennen so viele Becken weltweit, aber das hier hinterlässt Spuren bei uns. Hier ist etwas abgeschlossen worden, und was ganz Neues hat begonnen, und wir sind jetzt ein Teil davon. Großartig.“ (hl)

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