Arme Prinzessinnen Die Regisseurin

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Intensive Bilder bestimmen Sandy Tomsits gelungenes Regiedebüt am Schauspiel Essen.Ihre Deutung von Jelineks "Der Tod und das Mädchen" hatte jetzt Premiere in der Box

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Kennen wir alle, diesen Satz. Und ebenso die Antwort: Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr. Ja, so mögen wir Grimms Märchen. Klar strukturiert, und am Ende siegt immer das Gute. Aber das Schauspiel Essen zeigt eben nicht unsere lieb gewonnenen Grimm-Texte, sondern Elfriede Jelineks abstruse Abwandlungen. Wie einfallsreich Sandy Tomsits bei ihrem Essener Regiedebüt mit den "Prinzessinnendramen" (oder "Der Tod und das Mädchen") umgeht, konnte man jetzt bei der Premiere in der Box erleben.

"Schneewittchen", "Dornröschen" und "Rosamunde", drei der fünf Dramen hat Tomsits für ihre Inszenierung ausgewählt. Und sie zeigt, wie man mit diesen komplizierten, teilweise chaotischen und wahrlich nicht immer ganz leicht verständlichen Texten umgehen kann. Viele Ideen bringt Tomsits in den knapp 90 Minuten unter. Zusammen mit ihrer Bühnen- und Kostümbildnerin Monika Diensthuber schafft die Regisseurin einen atmosphärisch dichten Raum für die Szenen. Man ist immer wieder erstaunt, was in der kleinen Box alles möglich ist. Im Vordergrund eine Küche, dahinter ein Badezimmer - das sind die beiden Spielorte für die drei Prinzessinnen und ihre männlichen Widersacher.

Es sind Bilder von höchster Intensität, die diese Inszenierung so spannend machen. Wenn etwa Dornröschen und der Prinz in zwei alberne Hasenkostüme steigen, dann kommt die Absurdität von Jelineks Märchenerzählungen unverhohlen zum Ausdruck. Zudem kann sich Sandy Tomsits kann auf vier glänzende Schauspieler verlassen, die den Figuren auf ganz unterschiedliche Weise eine beinahe tragische Note verleihen.

Nadja Robine? gelingt als Schneewittchen ein faszinierender Balanceakt zwischen kindlicher Naivität und weiblichem Selbstbewusstsein. Später überzeugt sie auch als Rosamunde. Fritz Fenne verkörpert als Jäger und Fuvio die psychopathischen Gegenparts. Ute Zehlen und Rezo Tschichikwischwili schließlich haben als Prinzessin und Prinz in "Dornröschen" längst den Glauben an die Liebe verloren. Es sind verstörte, verlorene Figuren, die die vier Schauspieler in bemerkenswerter Weise darstellen. Fernab jeglicher Märchenidylle. Viel Beifall gab es am Ende vom Publikum für alle Beteiligten.

Termine/Karten: 81 22 200 Mit den "Prinzessinendramen" gab Sandy Tomsits ihr Regiedebüt am Essener Schauspiel. Seit der Spielzeit 2005/06 ist die gebürtige Wienerin dort als Regieassistentin tätig.

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