Beziehungs-App

App von chinesischen Studenten soll vor Beziehungs-Streit warnen

Schlechte Stimmung trotz der Blütenpracht: Die FOM-Studenten Keyi Hu (l.) und Shu Chen spielen ein zerstrittenes Paar. Ein Fall für das Handy.

Schlechte Stimmung trotz der Blütenpracht: Die FOM-Studenten Keyi Hu (l.) und Shu Chen spielen ein zerstrittenes Paar. Ein Fall für das Handy.

Foto: Christof Köpsel

Essen.   Chinesische Studenten aus Essen haben eine preisgekröntes App entwickelt. Sie meldet sich, wenn bei einem Paar Streit in der Luft liegt.

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Wenn das Handy „Single Bells“ anspielt, droht dicke Luft. Single Bells funktioniert nach der „Jingle Bells“-Melodie, hat aber nichts mit Weihnachten zu tun. Das Liedchen soll Paare daran erinnern, dass es mit der Zweisamkeit schnell vorbei sein könnte, falls sie sich dauerhaft streiten oder aneinander vorbeileben.

Es ist Teil eines Smartphone-Programms, das chinesische Studenten der Hochschule FOM entwickelt haben. Mit ihrer Beziehungs-App „Couple Bell“ (engl. für Pärchen-Glocke) wollen die Erfinder das Handy zum Paartherapeuten machen. Experten sind begeistert. Mit ihrer App-Idee haben die Essener kürzlich den ersten Platz bei einem Kreativ-Wettbewerb der Bertelsmann-Stiftung belegt.

Chinesische Studenten haben die Idee für die Beziehungs-App

„Überall begegne ich Menschen, die zuerst wahnsinnig verliebt sind, sich dann aber streiten und einen kalten Krieg gegeneinander führen. Das finde ich schlimm“, sagt der chinesische Student Keyi Hu. Mit seiner 26-jährigen Studienkollegin Shu Chen hat der 24-Jährige die Idee zu der Beziehungs-App entwickelt.

Denn es ist ja so: „Selten mischen sich Freunde oder Familie in solche Streitereien unter Paaren ein. Das Handy ist ideal, um zu schlichten. Es ist unparteiisch und immer dabei“, sagt Keyi Hu und lacht. Aber er meint es ernst. „Es ist wichtig, die Harmonie in einer Beziehung zu erhalten. Schlechte Stimmung wirkt sich auch auf das Umfeld eines Paares aus“, sagt Shu Chen.

Stimmen der Paare geben Aufschlüsse über die Stimmung

Die App soll eines Tages Folgendes können: Sie soll den Paaren zuhören, die Stimmen analysieren und Alarm schlagen, sobald die Stimmung zu kippen droht – dann soll das warnende Single Bells die Streithähne zum Innehalten auffordern. Auch soll die App einen Kalender bekommen, in den das Paar seine Einzel-Termine eintragen kann.

Das Programm erkennt Freiräume und macht Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen. Zum Beispiel Spazierengehen oder Kinobesuch. „Man könnte mit Kinobetreibern kooperieren, Rabatt-Gutscheine für Nutzer aushandeln und mit Werbung die App finanzieren“, sagt Keyi Hu. Ideen haben er und seine Kollegin Shu Chen viele. Was fehlt, ist ein Partner, der das Technische umsetzt. Aber sie sind optimistisch, denn machbar sei das alles.

Jury lobt das einfache Handling

Erste wichtige Kontakte haben die chinesischen Studenten bei dem Bertelsmann-Wettbewerb in Bielefeld geknüpft. Dort haben sie Visitenkarten gesammelt und sich ausgetauscht. Gut 30 Teams mit jungen Leuten aus Asien, die derzeit zum Studium in Deutschland sind, waren in dem Wettbewerb angetreten. Am meisten haben die Essener mit ihrer App überzeugt. Die Jury lobte die einfache Handhabung. Zudem erfülle die Anwendung soziale und psychologische Funktionen.

„Ziel des Wettbewerbs ist es, einige der kreativen jungen Leute dazu zu bewegen, auch nach ihrem Studium in Deutschland zu bleiben und ihr Know-how hier einzusetzen“, sagt Christian Kammann, Dozent an der FOM German Sino School in Essen und Förderer der Beziehungs-App. Keyi Hu und Shu Chen sind erst seit November in Deutschland. „Sie haben sich intensiv mit der deutschen Sprache und Kultur auseinandergesetzt“, lobt ihr Lehrer. Englisch können sie auch sehr gut. Sogar singen: „Single Bells, Single Bells. . .“

>>> PROGRAMM SOLL AUF DEN MARKT KOMMEN

An der Entwicklung der App waren neben Shu Chen und Keyi Hu noch Yali Mao und Jinxin Wang beteiligt. Die jungen Chinesen belegen an der Essener FOM das englischsprachige Masterprogramm Accounting & Finance, dabei handelt es sich um einen Studiengang aus dem Bereich Wirtschaft und Management.

Für die Umsetzung ihrer App-Pläne benötigen sie Hilfe von IT-Experten. Keyi Hu wird in nächster Zeit wohl ein Praktikum im Rheinland antreten, bei dem es auch um App-Entwicklung geht. Die Studenten hoffen, dass ihre Beziehungs-App dann zur Marktreife gebracht werden kann.

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