Streit um Kiosk

Anwohner in Essen-Dellwig kämpfen für „Jutti’s Büdchen“

Jutta Göhler und ihr Sohn Thomas Hönes halten die Begründung der Ruhrbahn für vorgeschoben, um ihren Kiosk abreißen zu können.

Jutta Göhler und ihr Sohn Thomas Hönes halten die Begründung der Ruhrbahn für vorgeschoben, um ihren Kiosk abreißen zu können.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Dellwig.  Weil die Straßenbahnschleife Wertstraße ausgebaut wird, kündigt die Ruhrbahn den Abriss eines Kiosks an. Anwohner klagen zudem über laute Kunden.

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Schrille Töne nerven die Anwohner der Gleisschleife Wertstraße in Dellwig schon seit vielen Jahren. Jetzt kommen aber auch noch schlimme Misstöne dazu.

Wenn die gelben Wagen der Linie 103 um die Kurve fahren, ertönt alle paar Minuten ein durchdringendes Quietschen, das auch Schmiere im Gleis nicht immer verhindern kann.

Doch das ist nicht das einzige Ärgernis. Denn auch das Geschehen an „Jutti’s Büdchen“ kann mancher Anwohner nicht mehr hören. An dem beliebten Treffpunkt, einem typischen Ruhrgebiets-Kiosk direkt am Gleis, werde es zu oft zu laut, heißt es. Die Ruhrbahn, Eigentümerin der Immobilie, schreibt, „dass die alkoholisierten ,Kunden’ des Kiosk für unsere Fahrgäste und für die Anwohner (wir haben dazu Beschwerden vorliegen) nicht tragbar“ seien.

Ruhrbahn plant Umbau der Wendeschleife in Essen-Dellwig

Der eigentliche Grund für die Kündigung des Pachtvertrags zum 30. Juni 2020 sei jedoch der geplante Umbau der Schleife. „Aufgrund von Anwohnerbeschwerden zu andauernden Quietschgeräuschen und in Abstimmung mit der BV Borbeck planen wir eine Umgestaltung der Gleisschleife. Bevor wir mit dem Gleisbau dort beginnen können, werden durch die Stadtwerke Essen die Straßenkanäle erneuert. Das Gebäude dort ist stark sanierungsbedürftig und für die Ruhrbahn eine Sanierung unwirtschaftlich. Es müsste alles aus dem Gebäude raus und alles an Wasser-, Elektroleitungen und Brandschutzsicherungen komplett erneuert werden.“

Anwohnerin bestreitet die Vorwürfe energisch

Einer der Kunden, Thomas Jansen, glaubt der Ruhrbahn nicht. Er geht davon aus, dass allein die ständigen Beschwerden einer Anwohnerin die Ruhrbahn veranlasst hätten, gegen die von Jutta Göhler (66) betriebene und von ihrem Sohn Thomas Hönes angemietete Trinkhalle vorzugehen. Er schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Dieses Büdchen gibt es schon seit 1984 und gehört zum Ruhrpott wie die Kohle, da treffen sich die Arbeitskollegen vor der Arbeit, um schnell noch ein Kaffee zu genießen, da treffen sich die Nachbarn, um neue Themen über Frintrop auszutauschen, da treffen sich die Fußballkenner, um über Fußballspiele zu diskutieren und da kommen auch die Bahnfahrer um mal in Ruhe ein Kaffee zu trinken. Wo hat man heutzutage noch so ein Ruhrpottflair?“ Mit zahlreichen Unterschriften unterstützen ihn die Kunden, die „Jutti’s Büdchen“ erhalten sehen möchten.

Die ins Visier genommene Anwohnerin, Vorstandsmitglied der örtlichen CDU und Lebensgefährtin von Klaus Dieter Pfahl, dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister, bestreitet jedoch energisch, gegen den Kiosk zu moppern: „Ich beschwere mich über das Quietschen. Wegen des Kiosks habe ich mich schon seit zwei Jahren nicht mehr beschwert.“

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