Problemhäuser

Problemhäuser: Anwohner klagen über Lärm, Müll und Ratten

Ärgern sich über wilde Müllkippen und Lärmbelästigung: (von li.) Thomas Wischer, Thorsten Schöneberg, Tim Przezbor, Néné Gadjigo-Teriete und Thorsten Teriete stehen vor dem Problemhaus in der Mittwegstraße

Ärgern sich über wilde Müllkippen und Lärmbelästigung: (von li.) Thomas Wischer, Thorsten Schöneberg, Tim Przezbor, Néné Gadjigo-Teriete und Thorsten Teriete stehen vor dem Problemhaus in der Mittwegstraße

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Bewohner der Mittwegstraße in Essen ärgern sich seit Jahren darüber, dass Mieter zweier Problemhäuser sie tyrannisieren – und keine Behörde ihnen hilft.

Die Mittweg- und Hammacherstraße im Ostviertel wirken auf dem ersten Blick wie ruhige Wohnstraßen am Rande der Innenstadt. Die Fassaden mancher Häuser versprühen sogar den Charme der Gründerzeit. Doch glaubt man den Schilderungen vieler Anwohner, trügt dieser Eindruck gewaltig. Von infernalischem Lärm ist die Rede und von wilden Müllkippen. Von einem unerträglichen Rattenproblem und – schlimmer noch – von einem Gefühl der Ohnmacht. „Die Ordnungsbehörden lassen uns im Stich“, klagt Thorsten Schöneberg, Eigentümer des Hauses Mittwegstraße 18.

Er spricht stellvertretend für ein Dutzend empörter und verzweifelter Anwohner. Sie alle haben die Bewohner von zwei Problemhäusern – überwiegend Armutszuwanderer aus den südosteuropäischen EU-Ländern Bulgarien und Rumänien – als Verursacher dieser Missstände identifiziert.

In einem kürzlich an alle Hausgemeinschaften verteilten Aushang heißt es: „In den letzten Wochen sind sowohl der nächtliche Lärmpegel als auch die Rattenpopulation gestiegen. Für uns persönlich ist ein Ende erreicht.“

„Wir möchten, dass die Straße allen als Wohnraum offen steht und bunt bleibt“

Hinter dem geballten Zorn aus dem Ostviertel stecken keine völkisch-nationalen Hetzer und auch keine dumpfen Wutbürger. Es sind Essener („Student, Gastronom, Handwerker oder Arbeitsloser“), die möchten, dass „die Straße allen als Wohnraum offen steht und bunt bleibt“. Gemeinsam klagen sie an: „Wir weigern uns zu akzeptieren, dass ein kleiner Teil ständig darauf pfeift und alle anderen tyrannisiert“.

Thorsten Schöneberg berichtet, dass Bewohner der beiden Problemhäuser alle Arten von Müll – Sperrmüll, Restmüll, Speiseabfälle – zum Glas- und Altkleidercontainer an der Gerlingstraße schleppen würden. Als Beweis zeigt er Fotos, die 30 blaue Plastiksäcke voller Müll zeigen. „Manchmal werden die Säcke mit Einkaufswagen und im Schutze der Dunkelheit zur Containerstation gekarrt.“ Dass ihm morgens um sechs Uhr auf dem Weg zur Arbeit schon mal Ratten über die Füße liefen, überrasche ihn daher nicht.

Und dann der Lärm. „Vor Mitternacht ist nicht an Schlaf zu denken“, fügt Schöneberg hinzu. Ein Lärm, der von Dutzenden Kindern verursacht werde, die bis tief in die Nacht auf der Straße spielen würden und sich selbst überlassen seien. Der Lärm sei so stark, dass er krank mache.

Hauseigentümer weist Vorwürfe als Verleumdung zurück

Der Eigentümer des Hauses Mittwegstraße 16 gibt an, die Immobilie Ende 2015 ersteigert zu haben. Den Vorwurf der Vermüllung weist er gegenüber dieser Zeitung als „Verleumdung“ zurück. Er behauptet, jeden Tag im Haus nach dem Rechten zu schauen, und beteuert: „Es ist hier wesentlich ruhiger geworden.“ Er könne auch nichts dafür, sagt er, dass Deutschland die europäischen EU-Bürger ins Land lasse. Beim Thema Lärmbelästigung winkt er ab: „Wo Kinder sind, ist Lärm – das kann ich nicht verhindern.“

Die verzweifelten Anwohner hingegen haben Angst vor einer Abwärtsspirale. Sie weigern sich zu akzeptieren, „dass die Straße so unattraktiv wird, dass der Leerstand weiter voranschreitet.“

Demnächst hoffen die besorgten Anwohner im Rathaus Gehör zu finden: Sie haben einen Termin beim Oberbürgermeister.

>>> PROBLEMHAUS WAR 2015 ZIEL EINER RAZZIA

Das Haus Mittwegstraße 16 und ein Problemhaus auf der Hammacherstraße waren im November 2015 Ziel einer Razzia. Anwohner hatten über den Lärm geklagt, den rumänische Schrotthändler und bis spät in die Nacht spielende Kinder verursachten.

In vier Wohnungen wurden damals 33 Personen angetroffen, darunter 20 Kinder.

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