Protest

Junge Essenerin beklagt Respektlosigkeit arabischer Männer

„Jetzt reicht’s“: Genauso wie die junge Frau auf diesem Symbolbild wehrt sich auch  die junge Essenerin. Die Tochter afghanischer Einwanderer ist integriert, leidet aber unter zunehmenden Ressentiments.

„Jetzt reicht’s“: Genauso wie die junge Frau auf diesem Symbolbild wehrt sich auch die junge Essenerin. Die Tochter afghanischer Einwanderer ist integriert, leidet aber unter zunehmenden Ressentiments.

Foto: monzenmachi

Essen.   Die Frau mit afghanischen Wurzeln ist wütend auf arabisch-muslimische Mitbürger, die durch respektloses und kriminelles Verhalten auffallen.

Ein minderjähriger Gast arabisch-libanesischer Abstammung verprügelt vor einer Shisha-Bar am Kopstadtplatz eine Polizistin: Für eine junge Essenerin mit afghanischen Wurzeln brachte dieser Vorfall, der bundesweit Beachtung fand, das Fass zum Überlaufen. Sie möchte Gehör finden und hat sich in unserer Redaktion gemeldet. Um sie vor eventuellen Repressalien zu schützen, verzichten wir auf die Nennung ihres Namens und auf die Veröffentlichung ihres Fotos. Ihr Bericht, den wir protokolliert haben, gleicht einem Wutschrei.

In einen Topf geworfen

„Ich bin empört. Mehr noch: Ich bin wütend. Wütend auf jene arabisch-muslimischen Mitbürger in Essen, die durch ihr respektloses und kriminelles Verhalten unangenehm auffallen. Leider werde ich mit ihnen in einen Topf geworfen.

Das hat natürlich mit meinem Äußeren zu tun. Ich habe lange dunkle Haare, dunkelbraune Augen und einen dunklen Teint. Meine Eltern stammen aus Afghanistan. Sie waren dort wohlhabende Kaufleute mit Hausangestellten und Kindermädchen und sind in den 1980er Jahren, während der sowjetischen Besetzung, vor dem kommunistischen Marionetten-Regime geflohen. Meine älteren Geschwister kamen noch in Afghanistan zur Welt, in meinem Personalausweis hingegen steht Essen als Geburtsort. Mein Alter: 31.

Ich bin Deutsche und fühle mich auch als Deutsche. Afghanistan kenne ich nur aus dem Fernsehen und aus den nostalgischen Erzählungen meiner Eltern, die übrigens keine Muslime sind. Meine Kindheit habe ich in Steele verbracht. Zuerst lebten wir in einem Asylheim, die Gegend im Essener Osten, in der ich aufwuchs, empfand ich als Ghetto. Ein sozialer Brennpunkt mit viel Armut.

Allerdings waren Migranten damals noch deutlich in der Minderheit. In meiner Grundschule hatten höchstens fünf von 25 Schülern einen so genannten Migrationshintergrund. Fast alle meine Freundinnen waren Deutsche. Es war purer Zufall, dass meine Eltern nach Deutschland geflohen sind. Aber sie wurden hier herzlich empfangen und sind heute noch dankbar für die Unterstützung, die sie von den Sozialarbeitern und den Behörden erhielten.

Unsere Eltern legten Wert auf Bildung, Toleranz und Fleiß

Unsere Eltern legten immer den allergrößten Wert auf Bildung. Die Tugenden, die sie uns vorgelebt haben, sind Fleiß, Toleranz und Weltoffenheit. Ich habe Glück mit meinen Eltern gehabt. Nie haben sie mir gegenüber Verbote ausgesprochen. Später, als ich aufs Gymnasium kam, konnte ich mich kleiden, wie ich wollte. Bei den Bundesjugendspielen habe ich immer die Ehrenurkunden gewonnen, ich bin im Sommer ins Freibad gegangen und habe Badminton gespielt. Bei Afghanistan denken die meisten heute womöglich an Taliban und Frauen in Burka. Obwohl in einem muslimischen Land lebend, war meine Mutter als junge Frau stets westlich-modern gekleidet: mit Rock und Bluse – und ohne Kopftuch.

Neulich saß ich am Kennedyplatz abends mit einer Freundin in einem Café. Da sprach mich ein Typ, ein Araber, an und machte mir schwere Vorwürfe: „Hey du, für ein muslimisches Mädchen gehört es sich nicht, abends um neun Uhr noch draußen zu sein.“ Ich hielt ihm entgegen, ich sei gar keine Muslimin. Nach einer Weile kam er zurück und bat mich um meine Handynummer. Unglaublich!

Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Mir geht dieses aufdringliche Pseudo-Machogehabe muslimischer Männer total auf den Geist. Sie leben mit einem archaischen Frauenbild und verhalten sich völlig respektlos. Überhaupt nehmen sie sich hier in Deutschland Dinge heraus, die unmöglich sind. Auch ich habe darunter zu leiden und frage mich: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Ein anderer Vorfall und genauso ärgerlich: Vor ein paar Wochen trug ich ein kurzes sommerliches Kleid und kam aus dem Bahnhof. Wieder hielt mich ein Araber für eine Muslimin und machte mich übel an: „Du Schlampe, wie läufst du rum!“. Ich bin einfach weitergegangen und habe ihn ignoriert. Andere mögen sich über PS-Protzerei aufregen, mich widert die alltägliche blöde Anmache an.

Die verprügelte Polizistin brachte das Fass zum Überlaufen

Der Auslöser dafür, dass ich mich jetzt und hier zu Wort melde, ist der skandalöse Vorfall neulich vor der Shisha-Bar am Kopstadtplatz. Dass sich ein 17-Jähriger traut, eine Polizistin zu verprügeln, ist unfassbar. Dass sein Clan dann noch auf der Wache auftaucht und Beamte bedroht, ist skandalös. Für mich ist die Polizei, auch wenn es so einfach klingt, wirklich dein Freund und Helfer. Deshalb frage ich mich: Wo sollen die Respektlosigkeiten und Gesetzesverstöße, die langsam überhand nehmen, noch hinführen? „Hier ist es langsam schlimmer als in Afghanistan“, schimpft mein Vater neuerdings.

Ich war von Anfang an in Deutschland integriert. Nie hatte ich Probleme. Doch je schlimmer sich die arabisch-muslimische Parallelgesellschaft in Essen herausbildet, desto häufiger habe ich jetzt unter den zunehmenden Ressentiments gegenüber Zuwanderern zu leiden.

Der abweisende Blick des Schulleiters

Nach dem Abitur heiratete ich einen Mann, der aus einem EU-Nachbarland stammt, und schon mit 20 bin ich Mutter geworden. Als unser Sohn in den Kindergarten kam, wollte ich einen Beruf erlernen. Nach gut 300 Bewerbungen hatte ich endlich Glück, ich bin jetzt gelernte Bürokauffrau. Bei einer privaten Hochschule arbeite ich als Studienberaterin und Ausbildungsbeauftragte, außerdem bin ich Mitglied des Qualitätsmanagements und des Betriebsrates. Die Arbeit macht mir riesigen Spaß, Beruf und Familie kann ich gut miteinander vereinbaren.

Trotzdem gibt es Rückschläge. Als ich meinen Sohn, der katholisch getauft ist, auf dem Gymnasium anmelden wollte, schien der Schulleiter große Vorbehalte zu haben. Er musterte mich mit einem skeptischen, ja fast schon abweisenden Blick. Mich beschlich das unschöne Gefühl, mich auf einmal rechtfertigen zu müssen. Er wollte wissen, aus welchem Land ich denn käme und welche Religion ich hätte. Auch das hat mich innerlich wütend gemacht.

Ich bin doch hier aufgewachsen und dann diese Fragen. Selbst wenn mir jemand sagt, dass ich gut Deutsch spreche, reagiere ich dünnhäutig. Denn ich fasse es nichts als Kompliment auf, sondern als diskriminierend. Oft erwidere ich patzig, dass ich besser Deutsch spreche als viele Deutsche.

Meine Cousine ließ sich die Haare blond färben

Um nicht unnötig aufzufallen, färben einige meiner Cousinen ihr Haar neuerdings blond. Ich werde das garantiert nicht tun. Das Äußere ist auch ein Teil von mir. Aber ich habe schon öfters überlegt, aus Essen wegzuziehen. Und mich dann doch fürs Bleiben entschieden. Wir leben nämlich gut hier und Essen ist eine lebenswerte Stadt. Ich liebe den Grugapark und genieße den Einkaufsbummel auf der Kettwiger, die Cafés am Kennedyplatz und die vielen schönen Restaurants der Stadt.

Meine Botschaft an den Oberbürgermeister

Seit der Flüchtlingswelle und als Folge der kriminellen Machenschaften arabisch-libanesischer Clans spüre ich zunehmende Ressentiments. Deshalb möchte ich dem Oberbürgermeister und allen Essenern sagen: Nicht nur Einheimische ärgern sich über diese Auswüchse, vielen Zuwanderern geht es genauso. Was zu tun ist? Nun, ich bin für strengere Kontrollen und härtere Strafen.“

Gerd Niewerth

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