Neue Struktur

Das sind die neuen Angebote der Alzheimer-Gruppe Essen

Stellen sich mit der Alzheimer-Selbsthilfegruppe Essen neu auf: Wiebke Brökeland (l.) und Lucia Szymanski berichten in der Grünen Mitte über die Pläne des Vereins.

Stellen sich mit der Alzheimer-Selbsthilfegruppe Essen neu auf: Wiebke Brökeland (l.) und Lucia Szymanski berichten in der Grünen Mitte über die Pläne des Vereins.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Rellinghausen/Bergerhausen.  Vor Corona traf sich die Alzheimer-Gruppe 28 Jahre lang in Rellinghausen. Künftig soll es dezentrale Angebote für pflegende Angehörige geben.

Corona hat auch für die Mitglieder der Alzheimer-Selbsthilfegruppe Essen vieles verändert. Nach 28 Jahren ist der Veranstaltungsort im Caritas-Stift Lambertus in Essen-Rellinghausen pandemiebedingt nicht mehr nutzbar. Jetzt will der Verein die Arbeit dezentralisieren – was für Besucher kürzere Wege bedeuten könnte.

Angedacht sind neue Veranstaltungsorte in Bergerhausen, Holsterhausen, Steele und auch wieder in Rellinghausen. Konkret ist schon das Angebot in Bergerhausen. Im Forum für integrative Kultur auf der Billebrinkhöhe ist der Neustart nach der monatelangen Corona-Pause bereits Mitte August erfolgt. Gespräche liefen auch mit den Verantwortlichen des Zentrums 60 Plus im Melanchthon-Gemeindezentrum in Holsterhausen, so Lucia Szymanski (65), Vorsitzende der Alzheimer-Selbsthilfegruppe.

Informationen für Patienten und pflegende Angehörige

Gegründet wurde die Alzheimer-Selbsthilfegruppe vor 28 Jahren, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als auch der Verein Wiese ins Leben gerufen wurde, unter dessen Dach die Selbsthilfegruppen in Essen gebündelt sind, berichtet die Vorsitzende. „Damals war das Thema Demenz noch viel stärker tabuisiert als heute“, sagt Wiebke Brökeland, beim Verein zuständig für die Pressearbeit.

„Heute wird über Demenz deutlich offener gesprochen als damals, vielleicht auch, weil die Menschen immer älter werden und viel mehr von der Problematik betroffen sind“, vermutet Wiebke Brökeland (43), deren Mutter erkrankt war und die den Kontakt zur Selbsthilfegruppe aufnahm, um Austauschmöglichkeiten für ihren Vater zu finden.

Ziele des Vereins sind in der Satzung verankert

Die Ziele der Alzheimer-Selbsthilfegruppe seien in der Satzung verankert und hätten sich seit der Gründung nicht verändert, so die Vorsitzende Lucia Szymanski. „Wir wollen pflegenden Angehörigen und Menschen, die an Demenz erkrankt sind, Informationen und die Möglichkeit zum Austausch bieten“, sagt sie. Das stehe auch im Mittelpunkt der Treffen, die vor der Corona-Pause monatlich in Rellinghausen stattfanden.

Rund 45 Mitglieder habe die Gruppe aktuell, auch einige, deren erkrankte Angehörige bereits verstorben seien, die aber aus alter Verbundenheit weiterkämen – auch um anderen mit ihren Erfahrungen zu helfen. Die letzten Monate habe die Arbeit geruht. „Seit März konnten wir uns wegen Corona nicht mehr im Caritas-Stift Lambertus treffen, wo wir 28 Jahre beheimatet waren. Treffen werden dort auch in absehbarer Zeit nicht möglich sein“, sagt die Vorsitzende. Deshalb habe man sich nach neuen Orten umsehen müssen.

Neben dem Ort ändert sich auch der Wochentag der monatlichen Treffen

Jetzt organisiere man sich neu und plane für 2021 die Zusammenkünfte auf der Billebrinkhöhe 72. Auch der lange Jahre bekannte Termin am Donnerstagabend ändere sich. Die Treffen sollen ab 2021 jeweils am letzten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr stattfinden.

Weitere Standorte sind angedacht. „Mehrere Stadtteilgruppen würden für viele kürzere Wege bedeuten, denen es vielleicht zum bisherigen Treffpunkt zu weit war“, sagt Lucia Szymanski. Doch auch am alten Standort Rellinghausen schaue man sich nach neuen Treffpunkten um. So gebe es bereits Gespräche mit der evangelischen Gemeinde Rellinghausen über die Nutzung von Räumen im neu bezogenen Gemeindezentrum an der Bodelschwinghstraße. Auch diese Pläne bezögen sich auf 2021.

Zudem seien zwei Räumlichkeiten in Steele im Gespräch. In Holsterhausen habe man das bereits bestehende Zentrum 60 Plus im Melanchthon-Gemeindezentrum im Blick, wo man vielleicht Beratung, Informationen oder Vorträge anbieten könnte. Man wolle aber nicht nur die Räume nutzen, sondern werde sich auch im Stadtteil engagieren.

Die verschiedenen Standorte seien erst einmal ein Testlauf

„Zu unseren Treffen kommen in der Regel zwölf bis 16 Teilnehmer. Das Angebot, die an Demenz erkrankten Angehörigen zeitgleich betreuen zu lassen, wird nur selten genutzt“, so die Vorsitzende. Ob die Aufteilung der Aktivitäten auf verschiedene Standorte gut angenommen werde, müsse man abwarten. „Das ist erstmal ein Test“, sagt Wiebke Brökeland. Finanziert würden die Angebote über die Mitgliedsbeiträge, Spenden und Fördergelder für Selbsthilfegruppen.

Die Vorsitzende Lucia Szymanski engagiert sich seit Jahren im Verein. Sie kennt das Leid der Angehörigen aus eigener Erfahrung. Ihre Mutter sei an Parkinson erkrankt gewesen, die Kontaktdaten zur Selbsthilfegruppe habe sie damals von der Memory-Klinik erhalten. „Die Situation ist für die Angehörigen oft emotional sehr belastend, manchmal liegen die Nerven blank und man ist schon dankbar, wenn die Erkrankten mal drei Stunden betreut werden“, sagt sie. Auch beruflich ist die Vorsitzende mit dem Thema beschäftigt. Sie arbeitet selbstständig als Alltagsbegleiterin, kümmert sich um Demenzpatienten in deren Zuhause.

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