Denkmal-Nutzung

Altes Stellwerk auf Zollverein ist jetzt Firmenzentrale

Das kernsanierte Zollverein-Hauptstellwerk mit dem neuen Nebengebäude. Bis zu 60 Mitarbeiter des Pflege-Unternehmens Humanitas haben hier ab sofort ihre Arbeitsplätze. Im Hintergrund die Folkwang-Universität.

Das kernsanierte Zollverein-Hauptstellwerk mit dem neuen Nebengebäude. Bis zu 60 Mitarbeiter des Pflege-Unternehmens Humanitas haben hier ab sofort ihre Arbeitsplätze. Im Hintergrund die Folkwang-Universität.

Foto: Jochen Tack

Essen.  Nach zwei Jahren Bauzeit konnte der Essener Pflege-Unternehmer Thomas Pilgrim auf Zollverein Einweihung feiern. Traum ging für ihn in Erfüllung.

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Es war sein persönlicher Traum, und Thomas Pilgrim, Geschäftsführer des Pflegedienstes Humanitas, hat ihn gegen manche Widerstände umgesetzt: Im alten Hauptstellwerk auf Zollverein, von wo aus früher der Zugverkehr von Zeche und Kokerei koordiniert und gelenkt wurde, hat das von ihm gegründete Unternehmen nun seine Zentrale. Gemeinsam mit Freunden, Weggefährten und Mitarbeitern hat Pilgrim am Wochenende Einweihung gefeiert.

Rund 1,6 Millionen Euro ließ sich Pilgrim die sorgfältige Sanierung des Stellwerks und den Bau des Nebengebäudes kosten. Letzteres entstand in jenem nüchternen, aber eleganten Stil aus Beton und Glas, der zur Zollverein-Architektur passt und der zuletzt in weit größerem Maßstab einige Meter weiter beim Bau der Folkwang Universität der Künste Pate stand. Das vielfach geforderte finanzielle Engagement von Privatleuten auf Zollverein – Thomas Pilgrim hat es gewagt und damit den Standort ein Stück voran gebracht.

Hintergrund dafür ist auch die Lebensgeschichte des Pflege-Unternehmers. „Ich gehöre nach Katernberg“, bekräftigt er gerne. Aufgewachsen ist er einen Steinwurf von der einstigen Zeche entfernt, und auch sein beruflicher Weg nahm seine Anfänge ganz in der Nähe.

Pfleger in der Unfallambulanz, seit 1993 selbstständig

Thomas Pilgrim wurde nach der Hauptschule Pfleger in der Unfallambulanz des St.-Vincenz-Krankenhauses, kümmerte sich dort auch um verletzte Bergleute. 1993 machte er sich selbstständig und baute einen Pflegedienst mit heute 200 Mitarbeitern und 1000 Kunden auf. Vor Jahren warf ihn ein schwerer Unfall zurück. Dass er diesen überlebte, sei ein großes Glück gewesen, sagt Pilgrim.

Fast zwei Jahre dauerte es vom Spatenstich bis zur Einweihung, davor lagen schwierige Abstimmungen mit dem Denkmalschutz, der auf dem Welterbe-Gelände in besonderem Maße mitzureden hat. Auch die Bauphase sei nicht immer einfach gewesen, wie sich jeder vorstellen kann, der schon mal einen Altbau sanierte.

Wichtig war dem Bauherrn, die authentischen Bestandteile des Stellwerks zu erhalten

Das Stellwerk mit seinen zerborstenen Scheiben war jahrelang Wind und Wetter ausgesetzt, das Innere zudem geplündert und in einem entsprechenden Zustand. Wichtig war Pilgrim, die alten Fliesen und das Treppenhaus zu erhalten, was ihm auch gelang. „Ich habe selbst an Wochenenden an den Böden gearbeitet.“

Mit unverputztem Mauerwerk, sichtbaren Leitungen, alten Schaltern und weiteren Details wurde die Anmutung eines soliden Industriegebäudes liebevoll wiederhergestellt. Die historischen Schwarzweiß-Fotos an den Wänden unterstreichen das ebenso wie die von Pflanzen oder Zierrat bewusst freigehaltene unmittelbare Umgebung der Gebäude. So wirken diese fast wie Skulpturen.

Rund 600 Quadratmeter Nutzfläche für 60 Mitarbeiter

Rund 600 Quadratmeter Nutzfläche hat Humanitas geschaffen, an die 60 Menschen arbeiten nun auf Zollverein. Der Chef selbst hat sich das Herzstück gesichert: Die an drei Seiten verglaste obere Etage, wo früher die Stellwerker den Überblick hatten, wird Pilgrims Büro. Von hier aus sieht er Schacht XII mit dem Doppelbock, die Kokerei und Schacht 1/2/8. Stolz und Freude darüber sind ihm anzumerken.

Bleibt zu hoffen, dass dies so bleibt. Das weitläufige Gelände ist nachts noch immer Aktionsgebiet von Zeitgenossen, die stehlen oder sinnlos zerstören. „Ein Fenster haben sie mir schon beschädigt“, sagt Pilgrim. Er hat es sofort ersetzt.

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