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Alltagshilfe: In Werden entstehen Laufräder für Erwachsene

Josef Ilting bei der Arbeit: Seit dem Jahr 2002 ist er mit dem Thema „Laufräder für Erwachsene“ beschäftigt.

Foto: Heinz-Werner Rieck

Josef Ilting bei der Arbeit: Seit dem Jahr 2002 ist er mit dem Thema „Laufräder für Erwachsene“ beschäftigt.

Essen.   Der Ingenieur Josef Ilting (78) hat sich ein Patent anmelden lassen: Laufräder für Erwachsene. Sie helfen Menschen mit Behinderungen.

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In Essen-Werden entsteht ein ganz besonderes Gefährt, das deutschlandweit Menschen mit Behinderung eine Erleichterung im Alltag verschafft. Und das liegt, wenn man so will, an einem Blumengroßhandel.

Ingenieur Josef Ilting (78) war sein Berufsleben lang bei einem Heizungsbauer beschäftigt, spät wurde er Vater, und da brachte die Familie im Jahr 2002 nach dem Blumenkauf einen billigen Kinder-Roller aus Plastik mit, den das Geschäft als Gratis-Werbegeschenk verteilt hatte. „Da kam ich auf eine Idee.“ Er montierte eine Sattelstütze auf den Roller – und hatte ein Laufrad.

Kinder benutzen heutzutage Laufräder, bevor sie das Fahrradfahren lernen. Es funktioniert wie ein Fahrrad ohne Pedalen. Kinder sitzen auf dem Sattel, haben die Füße aber auf dem Boden, von dem sie sich abstoßen, um damit durch die Gegend zu rollen.

Sattelstütze aus Edelstahl auf maßgeschneiderte Roller

Heute sind Laufräder von allen großen Kinderfahrrad-Herstellern zu haben, doch eines fehlte lange Jahre: ein Laufrad für Erwachsene.

Auch diese Idee kam Ilting und ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, also fand er einen Rahmenbauer in der Pfalz, der ihm maßgeschneiderte Roller aus Stahl anlieferte – Ilting montiert heute in seiner Werkstatt in Werden in Serie eine Sattelstütze aus Edelstahl darauf, und fertig ist das Laufrad für Erwachsene.

Seine Idee ließ er sich patentieren, und er benutzte die jeweils ersten Buchstaben seiner Kinder – Leonard, Christina und Magnus – als neuen Markennamen: „Leochrima“, das Laufrad für Erwachsene.

Laufradfahrer gelten gesetzlich als Fußgänger

„Abnehmer sind Heime, Kranken- und Sanitätshäuser, ich verkaufe rund 50 bis 60 im Jahr.“

Ilting weiß, dass es sich um ein Spezialprodukt handelt, doch es hat längst eine Nische im Markt erobert. Zielgruppe: Kleinwüchsige, Menschen, denen ein Bein amputiert wurde und andere, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Er bietet es in zwei Größen an, das Hinterrad ist entweder 12 oder 16 Zoll groß, das Vorderrad misst immer 20 Zoll – so ist das Laufrad wendig und schnell zugleich.

Laufradfahrer gelten gesetzlich als Fußgänger, deshalb darf man damit auch auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen fahren. Entwickler Josef Ilting ist mittlerweile noch weitergegangen – und hat auch eine Elektro-Version im Angebot. Am Lenker ist ein kleiner Hebel, wenn man ihn drückt, legt der Motor los – eine Anschubhilfe mit maximal sechs Stundenkilometern.

Laufrad für Erwachsene ab 900 Euro

„Die Elektro-Version wird immer beliebter“, sagt Ilting – sie hat aber auch ihren Preis: Während das normale Laufrad für Erwachsene rund 900 Euro kostet, berechnet Ilting für die motorunterstützte Version 2200 Euro.

Nicht immer wird das Erwachsenen-Laufrad von der Krankenkasse finanziert.

Wie auch immer: Menschen, die schon viele Jahre keine langen Strecken mehr zu Fuß bewältigen können, erleben mit Iltings Laufrad ein völlig neues Mobilitätsgefühl – Ilting weiß es von vielen Schreiben von Nutzern, die er bekommen hat.

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