Boulevardtheater

„Alles in Butter“: Brüsseler Pointen-Spitzen am Gänsemarkt

„Alles in Butter“ im Kleinen Theater. Das spielfreudige Ensemble sorgt in der Inszenierung von Monika Pischner für viel Gelächter am Gänsemarkt.Foto:Andreas Fritsche

„Alles in Butter“ im Kleinen Theater. Das spielfreudige Ensemble sorgt in der Inszenierung von Monika Pischner für viel Gelächter am Gänsemarkt.Foto:Andreas Fritsche

Essen.   Das Kleine Theater macht aus der britischen Verwechslungskomödie „Alles in Butter“ einen turbulenten Spaß. Slapstick und Komik im Zeichen Europas

2019 ist ein wichtiges Jahr für Europa. Sogar das Kleine Theater am Gänsemarkt schaut nach Brüssel. Und sorgt mit der Komödie „Alles in Butter“ für so viel Slapstick-Spaß, dass kurzfristig sogar ein Zusatztermin eingeschoben wurde.

Statt der großen Politik sorgt freilich das Private für Turbulenzen im Diplomatenleben von Sir Clive Partridge (Sebastian Grimberg). Seine Aussichten auf den Präsidenten-Posten der EU-Kommission sind günstig. Der britische Patriot (mit Union-Jack-Unterhose) hat durch seine moralischen Ansprüche und politische Integrität in Brüssel auf sich aufmerksam gemacht.

Klemmende Balkontüren und defekte Wasserboiler

Nur gut, dass niemand weiß, dass Partridge eine Geliebte, die feurige Astrid (Babett Arnold), hat. Weder seine Frau, die sich mit mittelmäßigem Erfolg als Dichterin versucht und ein latentes Alkoholproblem nur halbherzig vertuscht, noch der aktuelle Präsident Berri (Stephan Pfeiffer) dürfen Wind davon bekommen. Äußerst ungünstig also, dass Astrid plötzlich in dem nicht ganz legal angemieteten Pariser Apartment des Diplomaten auftaucht, einen Tag vor der entscheidenden Präsidentschaftswahl. Partridge und sein Mitarbeiter Prout (Benjamin Haase) müssen mit allen Mitteln versuchen, die Katastrophe zu verhindern…

Das vergnügliche Stück des britischen Autors Edward Taylor ist eine klassische Verwechslungskomödie, in der eine klemmende Balkontür und ein defekter Wasserboiler die Akteure auf Trab halten. Die Regie hat Monika Pischner übernommen und aus dem zugegebenermaßen etwas mit Slapstick überladenen Skript alles herausgekitzelt – wofür ihr das passende Personal zur Verfügung steht.

Benjamin Haase brilliert als Assistent des Diplomaten mit komödiantischem Feingefühl und einer Mimik, die für sich allein den Theaterbesuch rechtfertigt. Sehenswert ist auch die Leistung von Sebastian Rennert als etwas einfältiger, aber pflichtbewusster Laufbursche, der die Verwirrung noch vergrößert. Und Sebastian Grimberg, sonst als Regisseur im Kleinen Theater engagiert, beweist in der Hauptrolle des Sir Clive Partridge, dass er auch auf der Bühne eine gute Figur macht. Die temporeiche Farce lebt aber auch vom Timing der Darsteller – dass da die eine oder andere Pointe etwas untergeht, darf verziehen werden. Am Ende kann das Stück noch mit einer unerwarteten Wendung aufwarten, so dass der Schlussapplaus sich mit schallendem Gelächter vermischt.

Die Geschichte des Kleinen Theaters

Das Kleine Theater am Gänsemarkt gehört zu den ältesten Privattheatern in Nordrhein-Westfalen. Gegründet wurde es vor 54 Jahren vom Theater-Urgestein Helmuth Gahmann. Seit 1972 ist die Amateurtheater-Bühne am Gänsemarkt 42 zu Hause.

Auf dem Spielplan stehen vor allem Komödien und Krimi-Adaptionen. Das erfolgreichste Stück in der langen Geschichte des Kleinen Theaters aber war Sartres „Geschlossene Gesellschaft“. Kein Stück hat länger auf dem Spielplan gestanden.

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