100 Jahre Allbau

Allbau-Chef sieht Wohnungswirtschaft zu Unrecht am Pranger

Zum  100-jährigen Bestehen des Allbau begrüßten Geschäftsführer Dirk Miklikowski (4.v.l.) und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Rotter (l.) auch Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, OB Thomas Kufen, Ministerin Ina Scharrenbach und Alexander Rychter, Verbandsdirektor der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft NRW (v.l.).

Zum 100-jährigen Bestehen des Allbau begrüßten Geschäftsführer Dirk Miklikowski (4.v.l.) und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Rotter (l.) auch Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, OB Thomas Kufen, Ministerin Ina Scharrenbach und Alexander Rychter, Verbandsdirektor der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft NRW (v.l.).

Foto: Christof Köpsel

Essen.   Die Debatte um bezahlbaren Wohnraum nimmt laut Allbau-Chef absurde Züge an. Die Antwort auf den Mangel müsse lauten: „Bauen, bauen, bauen.“

Angesichts der aktuellen Diskussion um bezahlbaren Wohnraum gerät die Wohnungswirtschaft nach Ansicht von Allbau-Geschäftsführer Dirk Miklikowski zunehmend unter Druck. Davon betroffen seien nicht nur „schwarze Schafe“ der Branche sondern auch Unternehmen mit einem sozialen Anspruch wie der Allbau – und das zu Unrecht.

Die öffentliche Debatte nehme zunehmend „absurde Züge“ an, sagte Miklikowski am Montag anlässlich des Festaktes zum 100-jährigen Bestehen des Allbau vor geladenen Gästen aus Politik und Stadtgesellschaft, darunter die Mitglieder der Landesregierung Ministerin Ina Scharrenbach und Minister Stephan Holthoff-Pförtner. Den Ruf nach der Enteignung von Wohnungsgesellschaften, wie er jüngst in Berlin laut geworden ist, nannte Miklikowski wahnwitzig. An die Politik appellierte der Allbau-Chef, dem öffentlichen Druck nicht nachzugeben und keine Investitionshemmnisse zu schaffen. Wörtlich warnte Miklikowski vor einem „gesellschaftlichen Strudel, der alle mitreißen kann“.

2018 sind die Mieten in Essen bei Neuvermietungen um durchschnittlich fünf Prozent gestiegen

Der immer lauter werdende Ruf nach bezahlbarem Wohnraum kommt nicht von Ungefähr, wie Miklikowski einräumte. Dieser sei die Folge eines in einigen Regionen völlig überhitzten Wohnungsmarktes. „Der Markt in Essen ist noch maßvoll“, sagte Miklikwoski, der im zwölften Jahr die Geschicke des Allbau lenkt, und fügte hinzu: „Ich betone: noch!“

2018 sind die Mieten in Essen bei Neuvermietungen durchschnittlich um fünf Prozent gestiegen – so viel wie in keiner anderen Stadt im Ruhrgebiet. Die Antwort auf die Verknappung auf dem Wohnungsmarkt könne nur lauten: „Bauen, bauen und nochmals bauen.“

Der Allbau sieht sich laut Miklikowski seiner Tradition verpflichtet. 1919 als Allgemeiner Bauverein von Oberbürgermeister Hans Luther, dem Stadtplaner Robert Schmidt und anderen Honoratioren gegründet, setzte sich der Allbau zunächst zum Ziel, Wohnraum für den gesellschaftlichen Mittelstand zu schaffen. Als wenige Jahre später die Stadt Essen die Aktienmehrheit am Allbau übernahm, rückte der soziale Wohnungsbau mehr und mehr in den Mittelpunkt.

Noch heute lautet das Unternehmensziel laut Satzung „sicheres und sozial verantwortbares Wohnen zu gewährleisten“.

Essen rief 2018 mehr Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau ab als jede andere Stadt in NRW

Oberbürgermeister Thomas Kufen wies darauf hin, dass die Stadt Essen im vergangenen Jahr 68 Millionen Euro für den öffentlich geförderten Wohnungsbau beim Land abgerufen habe. In keine andere Stadt des Landes seien mehr Mittel für diesen Zweck geflossen. Ein Großteil davon nahm der Allbau in Anspruch. Mit Blick auf kommende Bauaktivitäten setzt Kufen nach eigenen Worten auf die Ergebnisse des Bürgerforums. 500 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürger hatten rund 100 potenzielle Wohnbauflächen bewertet und 28 davon als geeignet identifiziert. Mit „dem starken Votum der Bürger“, sagte Kufen, wird die Liste nun abgearbeitet.

>>> MARKTFÜHRER UNTER DEN VERMIETERN

  • Der Allbau bewirtschaftet in Essen rund 18.000 Mietwohnungen und ist damit Marktführer auf dem Mietwohnungsmarkt. Die Leerstandsquote liegt nach Angaben des Unternehmens bei 1,3 Prozent. Da Wohnungen nach dem Auszug der Mieter aufgrund von Renovierungsarbeiten vorübergehend frei bleiben, entspreche die Quote praktisch einer Vollvermietung.
  • Der Anteil an öffentlich geförderten Wohnungen liegt beim Allbau aktuell bei 21 Prozent. Er soll in den kommenden Jahren nach und nach steigen auf 28 Prozent im Jahr 2028.

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