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AfD-Chef Gauland lässt Keuter die Nazi-Bildchen durchgehen

“Was Herr Keuter mir erklärt hat, scheint mir nicht problematisch zu sein“, sagte AfD-Fraktionschef und -Bundessprecher Alexander Gauland (links) am Montag über die Nazi-Bildchen des Essener Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter. Der Eklat war kurz Thema im Rahmen einer Pressekonferenz der AfD in Berlin zur Frage einer möglichen beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. Neben Gauland sitzt Roland Hartwig, AfD-Bundestagsabgeordneter und Rechtsanwalt.

“Was Herr Keuter mir erklärt hat, scheint mir nicht problematisch zu sein“, sagte AfD-Fraktionschef und -Bundessprecher Alexander Gauland (links) am Montag über die Nazi-Bildchen des Essener Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter. Der Eklat war kurz Thema im Rahmen einer Pressekonferenz der AfD in Berlin zur Frage einer möglichen beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. Neben Gauland sitzt Roland Hartwig, AfD-Bundestagsabgeordneter und Rechtsanwalt.

Foto: Soeren Stache

Essen.   In der AfD haben die vom Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter verschickten Nazi-Bildchen wohl keine Konsequenzen. Dies betonte Alexander Gauland.

Im Hakenkreuz-Muster geflieste Duschen und Wehrmachts-Fotos, auf denen Asyl-Anträge mit dem Maschinengewehr „gelöst“ werden – die geschmacklosen Nazi-Bildchen, die Essens AfD-Bundestagsabgeordneter Stefan Keuter in unregelmäßigen Abständen verschickt hat, beschäftigen jetzt auch die Bundestagsfraktion der „Alternative für Deutschland“. „Wir werden darüber natürlich reden“, beteuerte am Montag Fraktionschef Alexander Gauland.

Erkennbar ist: Überschäumende Freude haben Keuters per Whats- App verbreitete Memes nicht ausgelöst, auch wenn der 46-Jährige für sich vermeintlich „starken parteiinternen Rückhalt“ reklamiert. Eine Anfrage dieser Zeitung, ob man ihm in der Sache den Rücken stärke und womöglich selbst Nazi-Memes dokumentiert, ließ die AfD-Fraktionsspitze über das lange Wochenende hinweg unbeantwortet.

„Scheint mir nicht problematisch zu sein“

Am Montagvormittag, als sich die Parteispitze im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin selbst über eine mögliche Beobachtung durch den Verfassungsschutz äußerte, kam man dann um eine Äußerung nicht herum: Ein „Stern“-Redakteur fragte bei Gauland nach, ob Keuter nun mit Parteimaßnahmen zu rechnen habe oder ob die Nazi-Bildchen für ihn „okay“ seien – vielleicht ein Zeichen von Meinungsfreiheit?

Mit Meinungsfreiheit habe das nichts zu tun, sagte der AfD-Chef daraufhin: Der Essener Parteikollege habe die Bilder an seinen Mitarbeiter geschickt, „um die bewerten zu lassen“, und dieser habe sie an die Öffentlichkeit gebracht. „Was Herr Keuter mir erklärt hat, scheint mir nicht problematisch zu sein“, so Gauland. Wenn die Schilderungen zuträfen, sehe er „keinerlei“ Anlass, „Maßnahmen zu ergreifen“. Allerdings: „Wenn das nicht stimmt, dann haben wir in der Tat ein Problem, aber das muss man schon mit dem Betroffenen selber besprechen.“

„Das hat er mir zugeschickt, weil er’s wohl lustig fand“

Was Keuter sagt, stimmt nicht – sagt dessen ehemaliger Büroleiter Marc K.: Es habe nie den Auftrag gegeben, die Nazi-Bildchen zu Dokumentationszwecken aufzubewahren oder zu bewerten. Dies zumal Keuter die Bilder nach Informationen dieser Zeitung gänzlich ohne Hinweis auf die Quelle versandte und in den allermeisten Fällen ohne jeden Kommentar oder Arbeitsauftrag. „Das hat er mir“, so Marc K., „einfach zugeschickt, weil er’s wohl lustig fand – oder weil er ideologisch dahintersteht.“

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