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AfD bittet in Essen zum Tanz und reiht sich bei DGB-Demo ein

Demonstrieren unter Polizeischutz: 2017 marschierte AfD-Frontmann Guido Reil noch mit, vergangenes Jahr fand er sich im Polizeigewahrsam wieder.

Demonstrieren unter Polizeischutz: 2017 marschierte AfD-Frontmann Guido Reil noch mit, vergangenes Jahr fand er sich im Polizeigewahrsam wieder.

Foto: Uvb

Essen.   Zwischen Politik und Provokation: Nach Platzverweis und Festnahme 2018 suchen die AfD und ihr Frontmann Guido Reil wieder das Aufeinandertreffen.

Wo in der Stadt sie sich am 30. April zum Schwofen treffen, bleibt einstweilen noch geheim. „Das erfährt die Polizei von uns 24 Stunden vorher, das reicht“, sagt Guido Reil in Erwartung störender Proteste. Ohnehin stellt sich die Frage, ob es den „heißeren“ Tanz in den Mai nicht am darauffolgenden Tag der Arbeit gibt. Denn da will der Frontmann der „Alternative für Deutschland“ sehr zum mutmaßlichen Ärger des DGB bei dessen Demo mitmarschieren, „so wie ich das seit 30 Jahren mache“. Im Schlepptau womöglich AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen und regionale Parteiprominenz.

Reil macht keinen Hehl daraus, dass er seine Demo-Teilnahme auch als ein Stück Provokation versteht. Oder Rache, je nachdem. Denn vor einem Jahr fand er sich ungeplant für drei Stunden im polizeilichen Gewahrsam wieder, als einer seiner Personenschützer mit Pfefferspray erwischt wurde und Reil dem anschließenden kollektiven Platzverweis keine Folge leisten mochte.

Ob Reils Festnahme rechtens war, ist noch ungeklärt

Die Ermittlungen gegen seinen Bodyguard kamen längst gegen Geldbuße zu den Akten, ein von Dritten angestrengtes Verfahren gegen die beteiligten Polizisten wurde „mangels hinreichenden Tatverdachts“ eingestellt. Und nur im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, in dem geklärt werden soll, ob die Ingewahrsamnahme rechtmäßig war, steht ein Urteil noch aus. Wann die Sache verhandelt wird, so Gerichtssprecher Klaus Weisel, sei noch nicht raus.

So sucht die AfD nun jenes Aufein-andertreffen, das die andere Seite nicht will – wohl wissend um den provokativen Charakter, denn auch sonst sieht die Partei sich in der Stadt ausgegrenzt: Auf der Suche nach einem Veranstaltungsort für seinen geplanten „Tanz in den Mai“ mit bis zu 1000 AfD-Anhängern erhielt Reil nach eigenem Bekunden nur Absagen. Mal mit Verweis auf die den städtischen Häusern verordnete parteipolitische Enthaltsamkeit vor Wahlen, mal mit Hinweis auf den polarisierenden Charakter.

Zollverein fürchtet gewaltbereite Gegendemonstranten

„Auf dem unübersichtlichen, schwer zu sichernden Gelände im Kernbereich des Welterbes wäre bei der von Ihnen geplanten Veranstaltung ein Szenario mit zahlreichen, evtl. sogar gewaltbereiten Gegendemonstranten und daraus resultierenden Polizeieinsätzen zu erwarten“, steht in der Absage der Stiftung Zollverein.

Die AfD plante die Veranstaltung seither eine Nummer kleiner und hat nun einen Mietvertrag in der Tasche. Wo, das werde am Ende eh bekannt, seufzt Reil: „Wir gehen davon aus, dass die Information in der Regel aus der Polizei verraten wird.“

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