Schilderstreit

Ärger um den geplanten Abbau der Schilder zum Awo-Haus

Das Julius-Leber-Haus  in Essen-Leithe sei nicht nur ein Treff für Menschen aus dem Stadtteil; zu Veranstaltungen kämen Gäste aus anderen Städten, die die Schilder hilfreich fänden, argumentieren die Mitarbeiter des Awo-Hauses.

Das Julius-Leber-Haus in Essen-Leithe sei nicht nur ein Treff für Menschen aus dem Stadtteil; zu Veranstaltungen kämen Gäste aus anderen Städten, die die Schilder hilfreich fänden, argumentieren die Mitarbeiter des Awo-Hauses.

Foto: Gero Helm

Essen-Leithe.   Schilderstreit in Leithe: Stadt will die Schilder zum Julius-Leber-Haus entfernen, um den Schilderwald zu lichten. Awo-Haus wehrt sich dagegen.

Um die Verkehrsschilder zum Julius-Leber-Haus in Leithe ist eine Diskussion entfacht. Grund ist die Ankündigung der Stadt, die Wegweiser entfernen zu wollen. „Abbau des Schilderwaldes“ lautet die Vorgabe, die sich aus der Rechtslage ergebe. Dagegen regt sich nun der Widerstand in dem Awo-Haus, deren Mitarbeiter die Schilder als durchaus sinnvoll erachten: „Unsere Versuche, die vier intakten Schilder zu erhalten, sind gescheitert“, formuliert jedoch Leiter Jürgen Zips-Zimmermann und wendet sich nun an die Politik.

„Nach unserer Feststellungen ist davon auszugehen, dass es sich bei den Besuchern des Julius-Leber-Hauses hauptsächlich um ortskundige Personen handeln dürfte“, schrieb die Stadt bereits Ende des Vorjahres an die Arbeiterwohlfahrt. Diese Gäste würden das Haus in der Regel nicht zum ersten Mal aufsuchen, dessen Erreichbarkeit müsste ihnen daher bekannt sein, lautete die Schlussfolgerung.

Keine starker Suchverkehr im Stadtteil zu erwarten

Ortsunkundige Personen wiederum reisten erfahrungsgemäß oftmals mit Hilfe von Navigationsgeräten an. Und die Adresse des Hauses, Meistersingerstraße 50, sei problemlos mit Suchmaschinen im Internet zu finden. Daher sei nicht zu erwarten, dass regelmäßig „starker Suchverkehr im Stadtteil“ entstünde: „Die zwingende Notwendigkeit einer Wegweisung ist somit nach aktueller Rechtslage nicht gegeben“, lautet das Fazit der Stadt.

Die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung sehen „Wegweiser zu Zielen mit erheblicher Verkehrsbedeutung“ vor, zitiert die Stadt die Vorgaben. Zu allen anderen Zielen dürften Schilder lediglich dann aufgestellt werden, wenn das wegen des besonders starken auswärtigen Verkehrs unerlässlich sei.

Awo-Mitarbeiter sind ärgerlich und perplex

„Genau das ist aber doch der Fall“, entgegnet Maren Wirtz, Verwaltungsangestellte im Julius-Leber-Haus, zu den Plänen, die sie ärgerlich und perplex zurücklassen. „Denn wir haben sehr viele Kunden beim Hobby-Künstlerbasar, bei dem internationalen Tanz-Camp, bei der Travestie-Show, dem Manga-Treff oder dem Jamaika-Konzerten, die eben nicht aus Leithe oder Umgebung kommen“, zählt sie einige Beispiel auf. Dann reisten die Besucher auch aus Städten wie Gelsenkirchen oder Düsseldorf an. „Und wir erhalten durchaus Rückmeldungen, dass die Hinweisschilder auf dem Weg zu uns hilfreich sind“, sagt Maren Wirtz. Denn längst nicht jeder ältere Besucher reise mit Navi an oder nutze sein Handy dafür.

„Als soziale Einrichtung mit einer Vielzahl unterschiedlicher Besucher halten wir es daher für dringend geboten, auch durch Hinweisschilder im Stadtbild sichtbar vertreten zu sein“, fordert auch Jürgen Zips-Zimmermann, Leiter des Awo-Hauses. Hinzu komme, dass die bestehenden Schilder in einem ordnungsgemäßen Zustand seien, in keiner Weise Verkehrsteilnehmer störten und seinerzeit mit Mitteln aus der Bezirksvertretung bezahlt worden seien. Das hat er auch in einem Brief an das Stadtteilparlament verfasst, das sich in der kommenden Sitzung (12. Februar) mit dem Anliegen befassen wird.

Schon vorab sagt Klaus-Dieter Feige (CDU), dass seine Partei die Lage anders als die Stadt einschätze: „Das Haus liegt etwas versteckt, daher sind die Schilder für diejenigen ohne Navi durchaus wichtig.“ Er verstehe ohnehin nicht, warum diese Schilder nun das Ortsbild stören sollen.

Schilderwald könnte auf Privatgrundstück ziehen

Die Stadt indes bittet die Bezirksvertreter, sich dazu zu äußern, ob sie die Schilder zurück haben möchten, wenn diese erst abgebaut sind. Denn das zuständige Amt für Straßen und Verkehr weist darauf hin, dass grundsätzlich die Möglichkeit bestehe, unter Beachtung des Baurechts Wegweiser auf Privatgrundstücken aufzustellen. Vorausgesetzt, dass der neue Standort mit den jeweiligen Eigentümer abgestimmt werde, könnte der Schilderwald folglich umziehen.

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