Bildung

Acht Essener Schulen wollen „Talentschule“ des Landes werden

Auch bald eine Talentschule? Das Leibniz-Gymnasium in Altenessen mit Schuldirektor Martin Tenhaven hat sich als Talentschule beworben.

Auch bald eine Talentschule? Das Leibniz-Gymnasium in Altenessen mit Schuldirektor Martin Tenhaven hat sich als Talentschule beworben.

Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Schulversuch des Landes geht in die erste Auswahlrunde. Die Hälfte der Plätze soll ins Revier gehen. Mehr Lehrer, bessere Förderung ist das Ziel.

Acht Essener Schulen wollen „Talentschule“ des Landes werden. Am gestrigen Mittwoch traf sich erstmals die Jury des NRW-Schulministeriums, um die Kandidaten näher zu prüfen. Die Landesregierung setzt vor allem auf das Interesse der Ruhrgebietsstädte: Jede zweite der 60 Talentschulen soll möglichst aus dem Revier kommen. Aus Essen lagen die Bewerbungen der Hauptschule an der Wächtlerstraße, der Theodor Goldschmidt-Realschule, der Gertrud Bäumer Realschule, der Gesamtschule Nord, der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, des Leibniz-Gymnasiums, des Alfred Krupp Gymnasiums und des Gymnasiums Nord-Ost in Düsseldorf mit auf dem Tisch. Das Gymnasium Borbeck hat nach Angaben der Schulverwaltung trotz anfänglichen Interesses keine Bewerbung eingereicht. Heute wäre definitiv die letzte Chance, die Bewerbungsfrist endet am morgigen Freitag.

400 zusätzliche Lehrkräfte sollen kommen

In den Kreis der „Talentschulen“ vorzudringen, lohnt sich: 400 zusätzliche Lehrerstellen sollen die Talentschulen bekommen. Davon werden 300 Kräfte die allgemeinbildenden Schulen verstärken, 100 die Berufskollegs. Ab dem Schuljahr 2019/20 sollen zunächst 35 Talentschulen in NRW an den Start gehen, am Ende sollen es landesweit 60 der rund 6000 Schulen im Land sein.

Schwierige Schülerschaft zum Abschluss verhelfen

Der Versuch zielt vor allem auf Schulen in problematischen Stadtteilen und mit einer schwierigen Schülerschaft ab: die Zahl der Schulversager und Abbrecher, der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund und die Stellensituation, sind Kriterien der Jury. Der Schulversuch soll bis 2026 laufen und wird wissenschaftlich begleitet. Am Ende soll die Zahl der mittleren Schulabschlüsse an den Talentschulen erhöht werden. Von den Erkenntnissen sollen später alle Schulen in Nordrhein-Westfalen profitieren. Zum Beispiel, wie Lehrer, Sozialarbeiter und Psychologen in Zukunft optimal zusammenarbeiten können. Und wie Schulen besser mit Ausbildungsbetrieben, der Jugendhilfe und Stiftungen zusammenarbeiten.

„Alle Schulen sind Talentschulen“

Dieser Aufgabe, so lautet die Kritik seitens der Schulverwaltung, stellten sich in Essen bereits alle Schulen, vor allem jene, „die sich in besonders herausfordernden Lagen befinden und seit Jahren an Unterrichts- und Schulkonzepten arbeiten, wie sie in den Unterlagen des Schulversuches beschrieben werden. Sie begegnen der Vielfalt täglich konzeptionell souverän.“

Entscheidung wird im Februar fallen

Dass mehr Lehrer, kleinere Klassen, mehr pädagogische Begleitung, eine stärkere flankierende Hilfe, eine vernünftige bauliche und digitale Infrastruktur auf den schulischen Erfolg von Kindern auswirkten, sei hinlänglich bekannt, heißt es bei der Stadt, alle Essener Schulen sieht man hier als Talentschulen. „Jedes Kind in unserer Stadt sollte die Chance erhalten, seine Potenziale bestmöglich zur Entfaltung bringen zu können – unabhängig davon, welche Schule es besucht“, hatte deshalb Essens Schuldezernent Muchtar Al Ghusain im Schulausschuss betont.

Voraussichtlich im Februar wird die Jury über die ersten 35 NRW-Talentschulen entscheiden.

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