Verkehr

Abschleppen an E-Ladeparkplätzen in Essen trifft auf Kritik

Rigoros lässt die Stadt mittlerweile an den Lade-Parkplätzen an der Rüttenscheider Straße unberechtigt parkende Autos abschleppen.

Rigoros lässt die Stadt mittlerweile an den Lade-Parkplätzen an der Rüttenscheider Straße unberechtigt parkende Autos abschleppen.

Foto: Foto: F.S.

Essen-Rüttenscheid.  In Essen-Rüttenscheid wird an den beiden E-Ladeplätzen in bester Geschäftslage oft abgeschleppt. Interessengemeinschaft hält das für überzogen.

Bislang sehen viele Autofahrer die beiden umstrittenen Lade-Parkplätze exklusiv für Elektroautos an der Rüttenscheider Straße als normale Parkplätze an - sei es aus Schusseligkeit oder auch aus dem Kalkül heraus, es werde schon nicht allzuviel passieren. Doch damit dürfte es nun nach und nach vorbei sein, wenn sich herumgesprochen hat, was in Rüttenscheid geschieht. Denn seit einigen Wochen greift die Stadt durch und hat nun schon mehrfach den Abschleppdienst bemüht, um Benziner und Diesel zu entfernen. Ein Vorgehen, das nicht jeder als angemessen empfindet.

„Behörden sollten immer die Verhältnismäßigkeit im Auge haben, da kann man in diesem Fall seine Zweifel haben“, sagt Rolf Krane, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rüttenscheid. Zwar sei nachzuvollziehen, wenn Falschparken sanktioniert werde, aber es müsse nicht immer gleich das teure und aufwendige Abschleppen sein.

Stadt stellt E-Ladeparkplätze mit Behindertenparkplätzen gleich

Doch, es muss, sagt auf Anfrage die Stadtverwaltung. Zwar unterlägen „Maßnahmen der Verkehrsüberwachung für den ruhenden Verkehr grundsätzlich einer Ermessensentscheidung“, schreibt Stadtsprecherin Silke Lenz auf Anfrage. Bei den Parkflächen an den E-Ladesäulen handele es sich aber um sogenannte Funktionsbereiche, „die präventiv für die Berechtigten zur Verfügung gehalten werden sollen“. Hier sei der Parkplatz für E-Autos zu vergleichen mit Bus-, Motorrad-, oder eben auch Schwerbehindertenparkplätzen, auch diese müssten sofort geräumt werden.

Besonders auf Schwerbehindertenplätzen wird in der Regel selbst von hartgesottenen Falschparkern die Legitimation des Abschleppens nicht ernsthaft hinterfragt. Aber ist das im Grad der Verfehlung wirklich mit den Lade-Plätzen zu vergleichen? Rolf Krane meint nein. Auch ein Knöllchen könne die erwünschte erzieherische Wirkung entfalten, zumal die Interessengemeinschaft Rüttenscheid weiterhin moniert, dass nur selten ein Auto dort Strom lädt.

IGR: Es gibt zu viele E-Ladeplätze im Rüttenscheider Zentrum

Krane hatte das vorausgesehen und sich schon früh gegen die beiden E-Parkplätze in bester Rüttenscheider Zentrumslage ausgesprochen. „Dabei sind wir nicht gegen Ladeplätze generell“, betont er. Es gebe rund um den Rüttenscheider Stern nur schlicht zu viele, ausgelastet seien sie alle nicht. „Die Parkplätze in Geschäftszentren sind zu wertvoll für Lade-Vorgänge“, sagt Krane. An den Nebenstraßen oder auf größeren Parkplätzen könnten sie ihre Funktion ebenso gut erfüllen. Die Förderer der E-Mobilität sehen indes gerade in der demonstrativen Zurschaustellung des Ladevorgangs eine Werbung für diese Antriebsart, und auch der Überfluss an Ladeplätzen ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer ist politisch durchaus gewollt. Motto: Seht her, ihr könntet auch einen solchen Parkplatz haben, wenn ihr ein E-Auto fahren würdet.

Behinderungen durch den Abschleppvorgang hält die Stadt für unvermeidlich

Für nicht zugkräftig hält die Stadt zudem das Argument, dass die Gefahr des Abschleppens an den Ladeplätzen nicht deutlich werde. Rolf Krane appelliert, dies in geeigneter Weise auf dem ohnehin vorhandenen Schild klarzustellen. „Die vorgesehene Beschilderung ist bundesweit einheitlich“, lässt Stadtsprecherin Silke Lenz wissen. „Weitere Hinweise sind nicht vorgesehen und auch bei Schwerbehindertenparkplatz, Bus- oder Motorradstellfläche nicht üblich.“ Jedem Autofahrer werde dieses Wissen durch die Fahrschulen oder durch allgemein zugängliche Veröffentlichungen vermittelt. Auch die Tatsache, dass der Abschleppvorgang auf der Rüttenscheider Straße regelmäßig lange Staus und mitunter faktische Vollsperrungen verursacht, lässt die Stadt kalt. „Behinderungen durch die Maßnahmen selbst sind leider nicht auszuschließen.“ Die Einsatzfahrzeuge benötigten nun einmal Platz zum Rangieren.

Leserkommentare (34) Kommentar schreiben