Abschied für immer 100 Jahre Herz-Jesu

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In der Pfarrkirche Herz-Jesu in Frintrop wurde am Samstagabend der letzte Gottesdienst gefeiert. Schon in dieser Woche werden die Glocken abtransportiert. Nach dem Abriss entstehen hier Einfamilienhäuser

Als das Bistum im Frühjahr 2006 seinen Beschluss verkündete, neben 23 weiteren Gotteshäusern auch die Pfarrkirche Herz-Jesu aufzugeben, da berührte mich die Sache noch wenig. Als nun jedoch am Leoplatz in Unterfrintrop zum letzten Gottesdienst geladen wurde, da wurde mir plötzlich bewusst: Die Kirche, die dort in Kürze abgerissen wird, war fast drei Jahrzehnte deine Kirche, an ihrem Platz werden demnächst Einfamilienhäuser stehen.

Je näher dieser 13. September rückte, umso wacher wurden die Erinnerungen an meine Kindheit, meine Jugend, meine Studentenzeit. Als Grundschüler bekam ich hier zu Beginn eines jeden Schuljahres den Segen, hier ging ich zur Kommunion, hier war ich einige Jahre Messdiener.

Plötzlich waren die Namen von damals allgegenwärtig: Kaplan Henkst und Pastor Güldenberg, dann Pastor Oenning, der uns Jugendlichen am Ende der abendlichen Gruppenstunde schon mal ein Bierchen spendierte. Später bezog ich vis à vis der Kirche meine erste eigene Wohnung. Jeden Sonntag ärgerte ich mich darüber, wenn mich um sieben Uhr in der Früh das Glockengeläut aus dem Tiefschlaf riss. Am Samstagabend war es hingegen ein festlicher Klang, wie einst bei Prozessionen oder am Heiligen Abend. Und im Inneren des Gotteshauses war alles ganz vertraut.

Trotz Chor, trotz Ehrengarden und trotz eines Großaufgebotes an Priestern und Messdienern war den 450 Gläubigen jedoch nicht nach Feiern zumute. Die Stunde des Abschieds war gekommen, und so manche Träne floss, als Wolfgang Haberla, Pastor der neuen Großpfarrei St. Josef in Oberfrintrop, zu Beginn noch einmal den Entscheidungsprozess der letzten zweieinhalb Jahre erläuterte. Es sei "ein Gefühl wie ein langes Sterben", hätten ihm Gemeindemitglieder geschildert.

"Gib uns die Kraft, den endgültigen Abschied zu begreifen", hieß es in einer Fürbitte. "Schlimm, dass es so weit kommen musste", findet Monika Dillmann, die in Sichweite der Kirche wohnt. Dass sie die Glocken, die in St. Michael in Duisburg-Meiderich läuten werden, demnächst vielleicht hören kann, "wenn der Wind günstig steht" (Pastor Haberla), empfindet sie als schwachen Trost.

"Es wird schon ein komisches Gefühl sein, wenn hier die Bagger anrollen", sagt Günter Schlüß, 20 Jahre lang Mitglied im Kirchenvorstand von Herz-Jesu, und ergänzt: "Ich bin ja hier geboren und weiß noch, wie die Kirche gebaut wurde." Sie wurde nur 55 Jahre alt.

Erst im Frühjahr feierte die Pfarrgemeinde Herz-Jesu mit einem Festgottesdienst ihr 100-jähriges Bestehen. Der erste Spatenstich für die Frintroper Kirche erfolgte am 1. Juli 1952. Auf dem heutigen Kirchplatz stand damals eine Notkirche. Am 8. Dezember 1953 wurde der erste Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche gefeiert.

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