Temporeduzierung

A44: Politik pocht auf Tempo 80 im Bereich Essen-Kupferdreh

Auf die dichte Bebauung entlang der A44 in Essen-Kupferdreh weisen die Politiker immer wieder hin, um die Notwendigkeit für eine Geschwindigkeitsreduzierung von derzeit 100 auf 80 km/h zu begründen.

Auf die dichte Bebauung entlang der A44 in Essen-Kupferdreh weisen die Politiker immer wieder hin, um die Notwendigkeit für eine Geschwindigkeitsreduzierung von derzeit 100 auf 80 km/h zu begründen.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Essen-Ruhrhalbinsel.  Beschwerden der Bürger und ein erneuter Appell des Bezirksbürgermeisters an die Bezirksregierung: Fehlender Lärmschutz an der A44 bleibt Thema.

Die Debatte um den Lärmschutz entlang der A44 hat Bezirksbürgermeister Manfred Kuhmichel jetzt zum Anlass genommen, sich nochmals an die Regierungspräsidentin zu wenden. Kritisierte jüngst CDU-Ratsherr Dirk Kalweit die geplanten Lärmschutzwände erneut als unzureichend für die angrenzenden Stadtteile, pocht Kuhmichel wiederholt auf Tempo 80 auf dem Abschnitt und weiß hier Bürger wie Bezirksvertreter hinter sich. Die Bezirksvertretung Ruhrhalbinsel halte daher an der Geschwindigkeitsreduzierung – als Minimallösung zumindest in den Nachtstunden – fest und wolle sich nicht auf dem Kopf herumtanzen lassen.

Das Thema beschäftigt Anwohner aus Kupferdreh, Heisingen und Byfang weiterhin und daher auch die Politik, die noch im Sommer eine ablehnende Antwort aus Düsseldorf diskutierte. Nach wie vor seien sie der Auffassung, dass die Nachteile für Autofahrer („Zeitverlust von etwa einer halben Minute“) nicht annähernd so groß seien wie die Vorteile für die unmittelbar vom Lärm betroffenen Anwohner im Umfeld der Autobahn, formuliert Manfred Kuhmichel in seinem Schreiben an Regierungspräsidentin Brigitta Radermacher. Als unverhältnismäßig könne diese Temporeduzierung daher mitnichten gelten.

Ab Beginn des Kupferdreher Ortsteils hinter der Brücke darf 100 km/h gefahren werden

„Insofern vermag auch niemand zu erkennen, dass aus rechtlichen Gründen eine Temporeduzierung um 20 km/h auf einer ca. 3 km kurzen Strecke nicht angeordnet werden könnte“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem mute es merkwürdig an, dass – aus Richtung Essen kommend – bis zur Theodor-Heuss-Brücke auf der B 227 Tempo 70 km/h angeordnet sei und ausgerechnet ab Beginn des Kupferdreher Ortsteils hinter der Brücke dann 100 km/h schnell gefahren werden dürfe.

Da keine gravierenden Gründe zu erkennen seien, warum das, was bundesweit landauf landab funktioniere, nämlich die Anordnung einer aus Lärmschutzgründen angeordneten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, hier in Kupferdreh nicht möglich sein solle, wiederholt Kuhmichel seinen Appell und den „bescheidenen Wunsch der hier lebenden Menschen nicht mit dem Hinweis auf die rechnerisch festgestellte Einhaltung von Lärmschutzgrenzwerten abzuwehren“.

Bezirksregierung lehnt Vergleich mit der A 52 ab

Im Juli hatte die Bezirksregierung bereits einen Vergleich mit der A52 (wo in Teilbereichen Tempo 80 gilt) für nicht zulässig gehalten, da in Kettwig die Lärmwerte höher lägen, lautete ein Argument aus Düsseldorf. Nachdem die Lärmsanierung dort im Bereich bis hinter Haarzopf durchgeführt worden sei, seien auch die Lärmwerte erheblich gesunken. Daher sei die Temporeduzierung bereits tagsüber aufgehoben und nachts angepasst, so dass Tempo 100 von 22 bis 6 Uhr gelte - wie in Kupferdreh rund um die Uhr. Die Begrenzung auf 80 km/h sei in einigen Abschnitten lediglich Fahrbahnschäden geschuldet.

Diese Antwort ließ die Politiker rat- und verständnislos zurück, hatten sie doch Beispiele mit ähnlich dicht bebauten Bereichen in Autobahnnähe wie Kupferdreh angeführt, hatten die besondere Topographie Heisingens und Wettereinflüsse wie Windrichtung eingebracht – vergebens. Auch jetzt betonte Dirk Kalweit nochmals, dass die geplanten Lärmschutzwände denjenigen mitnichten helfen würden, die oberhalb der Autobahn wohnten – und das seien immerhin 80 Prozent der betroffenen Anwohner.

Bezirksbürgermeister stellt Frage nach der Glaubwürdigkeit

Und Manfred Kuhmichel stellt nicht zuletzt die Frage der Glaubwürdigkeit und erinnert daran, dass zu Anfang 2010, als die damalige B 227 zur Autobahn A 44 umdeklariert worden sei, die zuständigen Stellen die Sorgen und Ängste der Anwohner vor zusätzlichen Lärmbelästigungen zurückgewiesen hätten. „Mit der ausdrücklichen Zusicherung, dass die entsprechende Umwidmung keine Änderung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nach sich ziehen werde“, blickt der Bezirksbürgermeister zurück und versichert Richtung der Regierungspräsidentin bei dem Anliegen die Beharrlichkeit der Bezirksvertretung: Immerhin gehe es um Lebensqualität.

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