Tarifkonflikt

750 Metaller folgten in Essen dem Aufruf zum Warnstreik

In einem Protestmarsch zogen die „Metaller“ zur Kundgebung vor das Werkstor von Widia an der Münchener Straße. Laut IG Metall waren 750 Beschäftigte dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt.

Foto: Kerstin Kokoska

In einem Protestmarsch zogen die „Metaller“ zur Kundgebung vor das Werkstor von Widia an der Münchener Straße. Laut IG Metall waren 750 Beschäftigte dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Im Tarifkonflikt hatte die IG Metall dazu aufgerufen, die Arbeit vorübergehend niederzulegen. Vielen Beschäftigten geht es gar nicht ums Geld.

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Die bundesweiten Warnstreiks in der Metall- und Elektro-Industrie haben am Donnerstag auch Essen erreicht. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall folgten 750 Beschäftigte dem Aufruf, die Arbeit vorübergehend niederzulegen. Mehrere Hundert zogen am Morgen in einem Protestmarsch vor das Werkstor von Kennametal Widia an der Münchener Straße, darunter Mitarbeiter von Widia, Atlas Copco, Siemens, Jenoptik und Otis, die aus Dortmund angereist waren.

Auch Michael M. hat sich in den Protestzug eingereiht. Der 53-Jährige arbeitet seit 30 Jahren bei Spicer Gelenkwellenbau Essen. Seinen vollen Namen will M. nicht nennen. Der Druck im Betrieb sei groß. Die Arbeit fordere ihn sehr. „Wir kommen auf 40 bis 48 Stunden pro Woche. Da hat man nicht mehr viel von der Familie“, berichtet er. Drei vier Tage frei am Stück könnten das nicht wieder wettmachen. So ist es weniger die Forderung nach mehr Lohn, die M. auf die Straße treibt als die Aussicht auf Arbeitszeitverkürzung. „Und wenn es nur für ein paar Jahre ist.“

Häufiger Wunsch nach weniger Arbeitszeit

Christoph Kalcher sieht das genauso. Der 31-Jährige hat bei Widia gelernt, ist seit 15 Jahren im Betrieb. Vor fünf Monaten ist er Vater geworden. „Ich möchte zumindest die Möglichkeit haben, weniger zu arbeiten“, sagt Kalcher.

Warnstreik der Essener Metall- und Elektrobranche

Seit Tagen gibt es Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie. Donnerstagvormittag streikten auch Arbeiter aus Essen. Die IG-Metall fordert unter anderem eine flexible Arbeitszeitgestaltung.
Warnstreik der Essener Metall- und Elektrobranche

Die Realität im Betrieb sieht anders aus, berichtet Wolfgang Freye vom Widia-Betriebsrat. Gearbeitet wird in drei Schichten. Es gebe kaum die Möglichkeit auf die Nachtschicht zu verzichten. Gerade für ältere Kollegen sei das eine Belastung.

Gewerkschaft zu mehr Lohn: „Wann, wenn nicht jetzt?“

Im Tarifkonflikt fordert die IG Metall, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit individuell auf bis zu 28 Stunden in der Woche reduzieren können. Arbeitgeber sollen einen Zuschuss zahlen, wenn die Teilzeit dazu genutzt wird, um Angehörige zu pflegen oder Kinder zu betreuen. Außerdem verlang die Gewerkschaft sechs Prozent mehr Lohn. Der Warnstreik sei kein Ritual, sagte IG-Metall-Bevollmächtigter Volker Becker-Nühlen. Die Forderungen der Gewerkschaft seien angesichts der allgemein guten wirtschaftlichen Lage berechtigt. Der Aktienkurs von Kennametal etwa, berichtete Wolfgang Freye, habe sich in nur zwei Jahren fast verdreifacht.

Das Angebot der Arbeitgeber von zwei Prozent mehr Lohn, so der Tenor, sei ein Witz.

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