Umwelt

618 Bäume auf Schulhöfen gefällt – und keinen nachgepflanzt

Die Stadt hat zum Beispiel die Linde vor der Grundschule Überruhr gefällt.

Foto: Christof Köpsel

Die Stadt hat zum Beispiel die Linde vor der Grundschule Überruhr gefällt. Foto: Christof Köpsel

Essen.  Warum die Stadt Essen binnen zwei Jahren auf Schulhöfen 618 Bäume fällte, aber keinen als Ersatz pflanzte: Sie sei dazu nicht verpflichtet.

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Viele Jahre beherrschte die wunderschöne Linde den Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule Überruhr an der Straße Hinseler Hof – bis im vergangenen Jahr am letzten Schultag vor den Ferien Männer im Auftrag der Stadt mit Sägen anrückten und den Baum fällten. Übrig geblieben ist nur ein Stumpf.

Kein Einzelfall wie die Immobilienwirtschaft der Stadt Essen jetzt auf Anfrage der Linken im Bau- und Verkehrssausschuss mitteilte. Demnach wurden in den zurückliegenden beiden Jahren insgesamt 618 Bäume auf Essener Schulhöfen gefällt. Und nicht ein einziger wurde bis heute nachgepflanzt.

Stadt: Es wurden nur Risikobäume gefällt

Nach Angaben der Stadt handelte es sich ausschließlich um so genannte Risikobaumfällungen. Die Statik der Bäume sei nicht mehr gewährleistet gewesen. Auch die Linde auf dem Schulhof in Überruhr soll im Kern morsch gewesen sein, berichtet Schulleiterin Ulrike Esser.

Worüber sie sich bis heute ärgert: Im Vorfeld der Fällung habe es keinerlei Information darüber gegeben, dass der Baum gefällt werden müsse, weder von Seiten der Stadt noch von Grün und Gruga. „Ich habe damals unserer Umweltdezernentin, Frau Raskob, gleich einen Brief geschrieben“, berichtet Ulrike Esser.

Auf eine Antwort warte sie bis heute. Das gilt auch für einen neuen Baum als Ersatz für die schöne Linde.

Warum wurde kein einziger Baum nachgepflanzt?

Warum wurde nicht ein einziger Baum nachgepflanzt? Die Verwaltung verweist auf die Bestimmungen des Haushaltsrechts: Bäume auf Schulhöfen werden bei der Stadt nicht als Anlagevermögen bilanziert.

Im Gegensatz zu Bäumen entlang von Straßen, die auch buchhalterisch sehr wohl einen Wert darstellen, weshalb sie bei Fällungen ersetzt werden. Warum haushaltstechnisch Baum nicht gleich Baum ist, bleibt offen. Haushaltsrechtlich sei die Stadt jedenfalls nicht verpflichtet Bäume auf Schulhöfen nachzupflanzen. Und bei freiwilligen Ausgaben hält bekanntlich das Rechnungsprüfungsamt den Daumen drauf.

Spender zahlen neue Bäume

Dieter Schmitz, für den Bereich Bauen zuständiger Co-Dezernent, in dessen Verantwortungsbereich auch die Immobilienwirtschaft fällt, räumt ein, dass die Argumentation wenig überzeugend klingt. Auch die Verwaltung sei sich sehr wohl bewusst, dass Bäume eine ökologische Funktion haben, dass sie Sauerstoff und Schatten spenden. Dennoch: „Wir werden die Bäume nicht 1 : 1 ersetzen können“, sagt Schmitz.

125 Bäume sollen im Winterhalbjahr dank einer Spende nachgepflanzt werden. Michael Kretschmer, Vertreter der Linken im Bau- und Verkehrsausschuss, hat dazu folgende Meinung: „Es kann doch nicht sein, dass eine Stadt wie Essen auf Spender angewiesen ist, um ihren Kindern ein gutes Lernumfeld zu bieten.“ Seine Fraktion erwartet von der Verwaltung Lösungsvorschläge.

Für die Grüne Hauptstadt, so Kretschmer, sei das „ein ziemliches Armutszeugnis“.

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