Jubiläum

40 Jahre Rathaus Essen – zur Einweihung gab’s kritische Töne

Im November 1979 wurden das Essener Rathaus und das benachbarte City Center (heute Rathaus Galerie) eingeweiht.

Im November 1979 wurden das Essener Rathaus und das benachbarte City Center (heute Rathaus Galerie) eingeweiht.

Foto: Peter Happel / Stadt Essen

Essen.  Mit einem großen Bürgerfest begeht das Essener Rathaus seinen 40. Geburtstag. Im November 1979 gab es zur Eröffnung direkt kritische Töne.

Mit einem großen Bürgerfest feiert die Stadt an diesem Wochenende den 40. Geburtstag des Essener Rathauses. Am Samstag, 9. November, 11 bis 18 Uhr, gibt es ein buntes Programm mit Ausstellungen, Infos, Musik, Shows und Kinder-Aktionen. Ämter der Verwaltung und städtische Tochtergesellschaften stellen aktuelle Projekte vor.

Essen ist damals ziemlich aus dem Häuschen, als es vor 40 Jahren sein neues Rathaus feiert: Von einem „Jahrhundert-Bauwerk“ ist im November 1979 die Rede, einem „Haus der Superlative“, und lange heißt es: Mit seinen 106 Metern hat Essen das höchste Rathaus Deutschlands (was gar nicht stimmt: Hamburgs misst 112 Meter). Apropos Hamburg: Das Magazin Spiegel, dort sitzt deren Redaktion, nimmt sich das Essener Rathaus in einem langen Artikel vor und spricht exemplarisch von „Ausgeburten kommunalen Größenwahns“ bei den aufwändigen Rathaus-Neubauten jener Zeit.

Zur Eröffnung kommen NRW-Ministerpräsident Johannes Rau, Vertreter aus Essens Partnerstädten, und alle Abgeordneten tragen zur ersten Ratssitzung eine „Essen“-Krawatte, eigens gefertigt für diesen Anlass – dunkelblau mit gelb gesticktem „e“ für Essen. Bemerkenswert kritische Töne findet der damalige Oberstadtdirektor Ernst Finkemeyer in der allerersten Rede, die im neuen Ratsaal gehalten wird: Er entwirft recht düstere Prognosen für den Haushalt der Stadt, der damals ein Defizit von 1,8 Milliarden DM aufweist. In den nächsten Jahren, so der Oberstadtdirektor, werde sich das nicht bessern.

Doppelt so teuer wie geplant

Wozu das neue Rathaus übrigens einiges beigetragen hat: Mit rund 188 Millionen DM Baukosten ist es fast doppelt so teuer geworden, wie eigentlich geplant war. Der NRW-Ministerpräsident betont, dass es wünschenswert wäre, wenn sich das Rathaus zu einem Symbol für Bürgernähe und Transparenz entwickle, und dass die Leute „keine Pfadfinderausbildung brauchen, um sich zurechtzufinden“.

Die Verantwortlichen beeilen sich übrigens bei jeder Gelegenheit während der Eröffnungsfeiern zu erklären, wie praktisch der Y-förmige Bau sei, das sei schon nach wenigen Tagen Betrieb spürbar. Denn Kritik am mehrfach überarbeiteten Entwurf war nie verstummt, und Gleiches gilt für das Einkaufszentrum „City Center“ (heute Rathaus Galerie), das einen Tag später eingeweiht wird.

City Center (heute Rathaus Galerie): Peinliche Posse zur Eröffnung

Das City Center, das das neue Rathaus baulich an die Fußgängerzone anbindet, war nur unter erheblichen Komplikationen fertig gestellt worden. Das lag vor allem an der Statik, denn das Center ist, baulich gesehen, eine Brücke, die über die Schützenbahn führt. Und so planen die Center-Manager zum Eröffnungstag Großes: Ein kleiner und ein großer Elefant sollen durchs City Center laufen, als Beweis, dass das Einkaufszentrum solide gebaut ist. Es kommt, was kommen muss: Statiker verbieten das – stattdessen laufen zwei kleine Elefanten durch die neue Ladenzeile. „Große Elefanten zu schwer für Center“, heißt es in der Lokalzeitung.

Die nächsten Tage nach den offiziellen Einweihungen strömen Zehntausende durch City Center und Rathaus, und eine Woche nach der Eröffnung steht der erste Umbau an. Ausgerechnet das Zimmer von Oberbürgermeister Horst Katzor wird größer gemacht. Angeblich sei das nicht der Wunsch des Oberbürgermeisters selbst. Sondern die vielen Bürger, die in den letzten Tagen das neue Rathaus besichtigt hätten, hätten moniert: Hier könne man doch kaum Besucher empfangen. Das Presseamt der Stadt verbreitet also folgende Geschichte: Das neue Büro des Oberbürgermeisters sei sowohl kleiner als das des Oberstadtdirektors, und kleiner als Katzors altes Amtszimmer im Amerikahaus (heute Europahaus) sei es ebenfalls. „Und das“, hätten die Bürger – und nur die Bürger – beanstandet. Dem Oberbürgermeister, heißt es, sei das aber überhaupt noch nicht aufgefallen.

Sei’s drum: 40 Jahre später wird gefeiert. Zum ganzen Programm geht’s hier.

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