Bergbau-Tradition

30 Jahre Ruhrkohle-Chor: Steigerlied als Ewigkeitsaufgabe

Traditionspflege im Stadion: Beim Auftritt in der Veltins-Arena sang der Ruhrkohle-Chor 2015 mit Schalke-Fans das Steigerlied.      

Foto: RKC

Traditionspflege im Stadion: Beim Auftritt in der Veltins-Arena sang der Ruhrkohle-Chor 2015 mit Schalke-Fans das Steigerlied.       Foto: RKC

Essen.   Der Ruhrkohle-Chor feiert 30. Bestehen. Die Tradition der Bergbaukultur wollen die Sänger auch nach 2018 pflegen, wenn die letzte Zeche schließt.

In Abgesängen ist man beim Ruhrkohle-Chor schon ziemlich geübt. Früher traten die Knappen-Sänger an, um Bergleute zu beerdigen. Im kommenden Jahr werden die Sänger nun ihr eigene Zunft zu Grabe tragen. Doch mit dem Ende des Bergbaus 2018 soll das Ende der Bergbaukultur noch lange nicht eingeläutet werden. Dafür sorgen die 100 Aktiven des Ruhrkohle-Chores, der an diesem Samstag im Essener Dom sein Jubiläum feiert. 30 Jahre jung ist der Chor, das jüngste Mitglied zählt gerade mal 20 Lenze und Geschäftsführer Wilfried Blappert ist sich sicher: „Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt.“

Ein Blick in Blapperts Terminkalender verrät: Je näher das Ende der Bergbau-Ära rückt, desto präsenter wird der renommierte Klangkörper der Kohle. 20 Termine zählt der Geschäftsführer schon jetzt für 2018, „aber das werden sicher noch mehr“. Die letzte Grubenfahrt auf Prosper Haniel in Bottrop werden die Sänger musikalisch begleiten, bei einer Sitzung des NRW-Landtags singen, der Kinderschutzbund Deutschland hat zum 50. Jubiläum ebenfalls angefragt. Dazu gibt es Aufnahmen für den WDR, der alle sieben Strophen des Steigerlieds an unterschiedlichen Locations einspielen lässt. Die „Hymne“ der Bergleute im Gedächtnis zu halten, das ist eine Ewigkeitsaufgabe wie das Abpumpen des Grubenwassers. Wobei der größte Bergmannschor Deutschlands längst nicht mehr nur aus Bergleuten besteht. Mehr als die Hälfte der Mitglieder sind heute Handwerker, Ärzte, Ingenieure.

Das „schwarze Gold“ hat nicht jeder mehr in Händen gehalten, aber es ist immer noch ein Wert an sich; steht für „Zuverlässigkeit, Direktheit und Zusammenhalt“. Drei Werte, die Blappert sofort einfallen, wenn es um die Chorgemeinschaft geht. Doch es sei nicht nur die „besondere Atmosphäre“, die viele Sänger anlockt und das Durchschnittsalter auf 55 Jahre senkt – ein Bestwert unter deutschen Männerchören. Mit der Ruhrkohle AG und der Ruhrkohle Stiftung als Träger des vor zwei Jahren gegründeten Ruhrkohle Musik Vereins e.V. hat man zudem den finanziellen und ideellen Rückhalt, um Qualität und Qualifikation zu gewährleisten, um als gefragter „Auftragschor“ vor Präsidenten und Päpsten zu singen.

Als singender Botschafter der deutschen Bergbau-Tradition ist der Ruhrkohle-Chor heute weltweit unterwegs. 2016 erst waren die Sänger auf Konzertreise im Baltikum, es gab Gastspiele in Polen, Italien, Mallorca und seit der Gründung 1987 allein vier Auftritte im Petersdom, zuletzt 2007 bei der Seligsprechung von Nikolaus Groß. „Rom ist etwas Besonderes“, sagt Blappert. Und natürlich würden sie auch Papst Franziskus irgendwann gerne ein Ständchen bringen. Der Papst und die SPD, das sind zwei Konstanten in der Chronik des Chores. Die „Ahnenfotos“ zeigen prominente Mitsinger wie Gerhard Schröder, Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier. Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist Ehrenmitglied.

Die Krise und das Ende der Steinkohle hat keiner von ihnen aufhalten können. Und als der Ruhrkohle-Chor 1987 mit dem Ziel gegründet wurde, bergmännisches Liedgut zu pflegen und die Bergbaukultur zu bewahren, da war vielerorts schon Schicht im Schacht, die Zeche Zollverein eben stillgelegt und mancher Knappenchor mangels Nachwuchs schon nicht mehr auftrittsfähig. So wurden die Musiker aus verschiedenen Städten zusammengezogen und zu einer starken Einheit geformt. Geprobt wird in Herten, doch eingetragen ins Vereinsregister ist man seit zwei Jahren wieder als Ruhrkohle-Chor Essen, dem alten, neuen Sitz der Ruhrkohle AG.

Bergkittel und Schachthut gehören dabei wie selbstverständlich zum Auftritt, auch wenn das Repertoire heute nicht mehr allein aus „Bergknappenlied“ und Knappengebet“ besteht, sondern Werke von Verdi, Stolz und Gounod genauso umfasst wie Musical, Popsongs und Folklore. Die 3-fach CD, die der Chor gemeinsam mit den Kollegen aus dem Saarland und Ibbenbüren einspielt, ist deshalb auch kein Abgesang. Sie heißt „Zukunft 2018“.

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