Theater und Architektur

30 Jahre Aalto-Theater: Opernhaus sorgte für Bestnote

Zeitlos schön: Das Aalto-Theater feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Foto:Ulrich Von Born

Zeitlos schön: Das Aalto-Theater feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Foto:Ulrich Von Born

Essen.   30 Jahre Aalto: Gudrun Heyder hat den Start in Theorie und Praxis begleitet. Sie schrieb die  Magisterarbeit übers Aalto und war Logenschließerin

Vermutlich könnte man Gudrun Heyder heute noch mitten in der Nacht wecken und sie hätte all die Daten und Fakten rund ums Aalto-Theater parat: Erbaut vom Architekten Harald Deilmann, entworfen von Alvar Aalto, am 25. September 1988 eingeweiht mit den Meistersingern von Nürnberg. Gudrun Heyder ist gleich bei der ersten Vorstellung als Logenschließerin dabei und erinnert sich bis heute an die festliche Stimmung, die gespannten Gesichter und die etwas steife, maßgeschneiderte Uniform. Das Haus ist ihr bis heute bestens vertraut. Schließlich hat die Essenerin das Aalto studiert – theoretisch und ganz praktisch.

Als Logenschließern finanziert sie damals ihr Studium der Kunstgeschichte an der Ruhr Uni in Bochum. Und schreibt gleichzeitig ihre Magisterarbeit über das neue Essener Musiktheater, die erste Monografie zum Thema überhaupt. Zum 30-jährigen Geburtstag des Aalto-Theaters hat sie die Unterlagen nun noch einmal hervorgeholt. Ihr bescherte die Arbeit übers Aalto damals die Bestnote: Eins plus. Für Essen, da ist sich Heyder sicher, „ist es immer noch ein großer Wurf“.

Entwürfe blieben in der Schublade

Als das neue Essener Musiktheater 1988 eingeweiht wird, ist es dabei eigentlich schon ein Oldie. Fast 30 Jahre haben die 1959 vom finnischen Architekten und Designer Alvar Aalto eingereichten und preisgekrönten Entwürfe für das Opernhaus da schon in der Schublade gelegen. Immer wieder vertagt, überarbeitet und politisch in Frage gestellt, ist das Haus bereits damals ein Musterbeispiel der Langlebigkeit. Und ein dankbares Arbeitsfeld für die Essener Studentin. „Es gab damals einfach noch nicht sehr viel zum Thema.“ Heyder beschäftigt sich intensiv mit der Architektur Aaltos, stellt Vergleiche zu weiteren Kulturbauten des finnischen Stararchitekten und zu anderen bundesdeutschen Theaterneubauten an: „Es war ja abzusehen, dass es einer der letzten großen Theaterneubauten sein würde“, sagt die heute frei schaffende Journalistin rückblickend.

Doch der Bau mit seiner hohen Fenstern, die wie riesige Klaviertasten aussehen und der wellenförmigen Front beschäftigt sie nicht nur am Schreibtisch. Als Logenschließerin kann sie sich abends Geld dazuverdienen und in der Praxis auch gleich überprüfen, wie das Publikum dieses „Haus aus einem Guss“ annimmt; mit den vom Architekten selbst entworfenen Marmortischen im Foyer, den Parkleuchten im Stadtgarten, den mit Rosshaar bespannten Türen und dem in tiefes Nachtblau getauchten Innenraum, dem Amphitheater von Delphi nachempfunden. „Viele Gäste kamen damals recht früh, um sich das Haus anzusehen.“ Die Balkone bieten schließlich beste Sicht aufs Publikumstreiben. Aber manchmal gibt auch Stau auf den Treppen, die Aalto quasi als bürgerliche Bühne angelegt hat. Sehen und gesehen werden, auch das gehört zum Opernbesuch. Gudrun Heyder genießt beides bis heute und inzwischen auch ganz privat.

30 Jahre Aalto-Theater – Alle in einem Boot

Das Aalto-Jubiläum wird am Sonntag, 16. 9., von allen fünf Sparten der Theater und Philharmonie unter dem Motto „30 Jahre Aalto-Theater – Alle in einem Boot“ im Aalto und in der Philharmonie gefeiert.


Ab 13 Uhr bieten Musiktheater, Ballett, Philharmoniker, Philharmonie und Schauspiel ein Programm für die ganze Familie.

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