Schule

250 Lehrerstellen an Essener Schulen sind noch unbesetzt

Gerade an Grundschulen sind viele Lehrerstellen unbesetzt.

Gerade an Grundschulen sind viele Lehrerstellen unbesetzt.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Essen.  Auch zum neuen Schuljahr fehlen an vielen Essener Schulen Lehrer. „Die personelle Ausstattung gibt Grund zur Sorge“, mahnt SPD-Mann Frank Müller.

In Essen sind zwei Wochen vor Schulbeginn noch 250 Lehrerstellen nicht besetzt; darunter auch zahlreiche Leitungsposten. Rechnerisch fehlt an der Hälfte der Schulen der Leiter oder der Stellvertreter. „Besonders schwierig“ seien die Stellenbesetzungen an den Grundschulen, teilt eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf mit. Man habe daher bei den Schulämtern Dauerausschreibungen für Grundschullehrer eingerichtet, geeignete Kräfte können sich dort jederzeit bewerben.

Wie sich die vakanten Stellen genau auf die einzelnen Schulformen verteilen, wird landesweit zeitgleich kurz vor Ende der Sommerferien bekannt gegeben. Nach jetzigem Stand seien in Essen von 5001 Stellen an öffentlichen Schulen 4751 besetzt, heißt es bei der Bezirksregierung. Das entspräche einer allgemeinen Versorgungsquote von 95 Prozent.

Personalausstattung gibt Grund zur Sorge

Die Landesregierung hat unterdessen eine Kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordnete Frank Müller zum Thema mit etwas detaillierteren Zahlen beantwortet. Demnach sind lediglich in den Gymnasien und Berufskollegs sämtliche Stellen besetzt, die Haupt-, Real- und Förderschulen haben dagegen nur Versorgungsquoten von 93 bis 94 Prozent; Grund- und Gesamtschulen liegen etwas darüber. „Die personelle Ausstattung an den Essener Schulen gibt Grund zur Sorge“, resümiert Müller. „Denn gerade an den Schulformen mit besonderen Herausforderungen ist eine Unterschreitung der Personalausstattung auch besonders problematisch.“

Ob die offenen Stellen bis zum Schuljahresbeginn besetzt werden können, ist ungewiss. „Die Besetzung offener Stellen im Schuldienst stellt nach wie vor eine Herausforderung dar“, räumt die Sprecherin ein. Sie weist aber auch darauf hin, dass eine zahlenmäßig zu geringe Personalausstattung an einzelnen Schulen nicht unbedingt bedeute, „dass der Unterrichtsbedarf nicht gedeckt werden kann“. Vielmehr könne die Schulaufsicht vor Ort auch in eigener Zuständigkeit Vertretungsstellen ausschreiben.

Vor allem an Grundschulen fehlt Personal

Gerade die Schulen im Essener Norden dürfte das wenig trösten. Sie hatten sich schon vor zwei Jahren mit einem beispiellosen Hilferuf ans Land gewendet, weil sie mit vollen Klassen, fehlendem Personal und einer hohen Zahl an Flüchtlingskindern überfordert seien. „Sie können in einem sozialen Brennpunkt nicht mit so vielen Kindern in einer Klasse arbeiten, da kommt bei den einzelnen Schülern viel zu wenig an“, kritisierte damals der Leiter der Maria-Kunigunda-Schule in Karnap, Udo Moter.

Die Bezirksregierung kann gerade den Grundschulen indes wenig Hoffnung machen, weil „weiterhin nicht genügend Absolventinnen und Absolventen mit entsprechendem Lehramt zur Verfügung stehen“. Zum Wintersemester 2018/19 seien 339 zusätzliche Studienplätze für angehende Grundschullehrer geschaffen worden, aber es werde naturgemäß noch einige Zeit dauern, bis die jungen Leute vor einer Klasse stehen.

Etliche Leitungsposten sind noch unbesetzt

Außerdem gebe es in Mangelfächern wie Musik, Kunst, Sport und Englisch die Möglichkeit, Seiteneinsteiger ohne Lehramt einzustellen, heißt es in Düsseldorf. Davon machten die Essener Grundschulen bereits Gebrauch, bestätigt Ralf Groh, Abteilungsleiter im Schulamt. Das heiße aber auch, dass die Versorgungsquote mit studierten Lehrern mit zweitem Staatsexamen noch deutlich unter den offiziellen Zahlen liege. „Und es handelt es sich zum Teil um Leute, die weit weg von der eigentlichen Lehr-Profession sind.“ Oft seien diese Kräfte durchaus engagiert und fähig. „Aber es wäre doch wünschenswert, wenn wir an den Grundschulen mit ihren besonderen Herausforderungen Fachkräfte hätten.“

Gleichzeitig sind auch zahlreiche Leitungsposten nicht besetzt: Nach Angaben der Bezirksregierung fehlen an den 153 Essener Schulen 23 Schulleiter und 52 Stellvertreter. Sprich: In jeder zweiten Schule im Stadtgebiet ist eine Leitungsstelle vakant. „Gerade im Grundschulbereich sind in jüngster Zeit etliche Kolleginnen in Pension gegangen“, bestätigt die Leiterin der Schulverwaltung, Regine Möllenbeck. Sie sei jedoch zuversichtlich, bis Schuljahresbeginn noch einige neue Leitungen zu benennen. „Wir nutzen die Ferien und geben Gas, um tüchtig Leitungsstellen zu besetzen.“

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