Stolpersteine

22 neue Stolpersteine in Essen halten die Erinnerung wach

Das Wohnhaus der Rosenbergs an der Moorenstraße 36 ist im Bombenkrieg zerstört worden. Stolpersteine sollen an die Familie erinnern.

Das Wohnhaus der Rosenbergs an der Moorenstraße 36 ist im Bombenkrieg zerstört worden. Stolpersteine sollen an die Familie erinnern.

Foto: Verena Camen

Essen-Rüttenscheid.   An fünf Stellen werden neue Stolpersteine verlegt. An der Moorenstraße wird an Anwalt Nobert Rosenberg erinnert, einen Kämpfer für Menschenrechte.

Ein Passfoto ist das Einzige, was Hobbyhistoriker Sahin Aydin noch an materiellem Nachlass des 1955 verstorbenen Rechtsanwalts Norbert Nathan Israel Rosenberg auftreiben konnte. „Die Gestapo hat das gesamte Hab und Gut der Familie nach Belgien verkauft, darunter auch das Haus, das wenig später von den Bomben zerstört wurde“, erklärt Aydin, der etwas viel Wichtigeres retten möchte: Das Andenken an die bewegende Geschichte der Rosenbergs, die im Rüttenscheider Justizviertel an der Moorenstraße 36 zu Hause waren.

Dort, wo heute längst ein neues Mehrfamilienhaus entstanden ist, sollen ab Montag, 21. November, Stolpersteine an den jüdischen Rechtsanwalt und seine Familie erinnern. Ihnen gelang zwar die Flucht vor dem NS-Regime. Doch selbst von Uruguay aus beteiligte sich Rosenberg noch am Widerstand. So wirkte er mit gleichgesinnten Exildeutschen an der Zeitschrift „Das Andere Deutschland“ mit, die in Südamerika erschien.

In Essen hatte sich Rosenberg bereits als Mitglied der Friedensgesellschaft gegen die Gewaltherrschaft eingesetzt. Den Nazis war er nicht zuletzt wegen seines Einsatzes zur Wiedergutmachung der Gräueltaten aus dem Ersten Weltkrieg ein Dorn im Auge.

Anwalt vertrat Revolutionär und Bergmann Alois Fulneczek

So engagierte sich Rosenberg für die Witwe des Revolutionärs und Bergmanns Alois Fulneczek, der 1919 einen bewaffneten Arbeiteraufstand auf der Zeche Prosper in Bottrop angeführt hatte. Nachdem man ihm noch am Tag seiner Verhaftung ermordet hatte, wurde Fulneczek in einem Massengrab verscharrt. Mit Unterstützung des Rechtsanwalts Rosenberg kämpfte die hinterbliebene Ehefrau schließlich erfolgreich für eine Umbettung ihres Ehemanns auf einen Friedhof. „Rosenberg war für viele Geschädigte in Wiedergutmachungs-Angelegenheiten tätig“, weiß der ehemalige Bottroper Linken-Ratsherr Sahin Aydin, der über seine Recherchen zum Revolutionär auf den Essener Rechtsanwalt stieß – und akribisch forschte.

Bis zur Deutschen Botschaft nach Uruguay führte ihn seine Suche nach Hinterbliebenen, die bislang jedoch ohne Erfolg blieb. „Ich habe zwei Enkel in Großbritannien und Japan angeschrieben, aber leider keine Antwort erhalten“, sagt Aydin.

Besonders beeindruckt habe ihn das große Engagement, mit dem Rosenberg selbst nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch für seine Rechte und seine Rehabilitierung in Deutschland gekämpft habe. So kehrte er 1954 in seine Heimatstadt Essen zurück, um seine Zulassung als Anwalt und Notar zurück zu erlangen. „Obwohl er schon weit über 80 war, arbeitete er noch acht Monate als Rechtsanwalt. Er kämpfte vergeblich für eine Entschädigungszahlung, ehe er am 20. Mai 1955 in einem jüdischen Altersheim in Werden verstarb “, weiß Aydin, der die Geschichte der Familie Rosenberg in den nächsten Wochen in einer Broschüre veröffentlichen möchte. Das Projet ist in Kooperation mit der Deutschen Friedensgesellschaft in Essen entstanden.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben