Hajek-Kunstwerk

„Wogende Ähren“ wieder in voller Pracht

Ausgebessert, von Grund auf saniert und in den Originalfarben neu koloriert: das Kunstwerk von Otto Herbert Hajek (1927-2005) vor dem Kreishaus.

Ausgebessert, von Grund auf saniert und in den Originalfarben neu koloriert: das Kunstwerk von Otto Herbert Hajek (1927-2005) vor dem Kreishaus.

Foto: Lina Hoffmann

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Schwelm.  Die „Wogenden Ähren“, Kunstwerk und Vorplatzgestaltung von Otto Herbert Hajek vor dem Schwelmer Kreishaus, leuchten wieder. Und zwar exakt so, wie es der 2005 verstorbene Künstler einst vorsah: in glänzendem Rein-Orange, in Zinkgelb und in Enzianblau. Bei der jüngst beendeten Grundsanierung wurden jedoch weit mehr Schäden an dem Beton-Objekt gefunden, als ursprünglich gedacht.

Dies berichtete Malermeister Bernd Marquardt von der Firma Marquardt & Drilling – Maler und Beschichtungstechnik aus Herdecke, die die Skulptur im Auftrag des Ennepe-Ruhr-Kreises wieder auf Vordermann brachte. Um es vorwegzunehmen: Mit 74 000 Euro blieb die Maßnahme im angesetzten Kostenrahmen, wie der Kreis erklärte.

Arbeiten dauerten länger

Allerdings dauerte die Sanierung, die Ende August begann, aufgrund der Mehrarbeiten bis Ende Oktober und damit gut zwei Wochen länger. Grund dafür war korrodierter Stahl, der kleine Schadstellen und Risse im Beton verursachte. Das Material drohte wegzubröckeln, was an einigen Stellen sogar schon passiert war. „Wenn der Stahl knapp unter der Oberfläche liegt, kommt es zu Umwelteinflüssen“, erklärte Bernd Marquardt. Beim Abklopfen des Materials zu Beginn der Arbeiten fanden seine Mitarbeiter jedoch weit mehr Schadstellen, als zu Beginn zu sehen waren. Die „Wogenden Ähren“ aus der Reihe „Stadtikonographie“ wurden zwischen 1969 und 1972 konzipiert und erbaut, und haben damit mehr als 40 Jahre auf dem Buckel.

Knapp zwei Monate lang war der Fachbetrieb aus Herdecke damit beschäftigt, den Farbauftrag mit einem Höchstdruck-Wasserstrahlgerät erst von der Oberfläche runterzuschleifen, dann jede einzelne Schadstellen zu beheben und schließlich das Kunstwerk in den Originalfarben in mehreren Schichten neu zu kolorieren. Dabei hatte sich die Firma im Sinne des Urheberrechts exakt an die Vorgaben des Künstlers zu halten, der für das Orange den Farbton RAL 2004, für das Gelb RAL 1018 und für das Blau RAL 5010 wählte.

Um die Umwelteinflüsse auf die Skulptur in Zukunft so gering wie möglich zu halten, hatte die Fachfirma gleich alle Lunker, das sind die kleinen materialtypischen Hohlräume an der Beton-Oberfläche, vor dem Farbauftrag noch verspachtelt. „Jetzt ist erst mal 20 Jahre Ruhe“, erklärte Bernd Marquardt nach dem Ende der Grundsanierung. Allerdings nur, wie er einräumt, wenn es nicht zu mechanischen Einwirkungen auf das Material komme, beispielsweise durch Skater.

Womit der Malermeister ungewollt auf das zwiegespaltene Verhältnis zwischen Kunstwerk und vielen Schwelmern anspielte. Die „Wogenden Ähren“ werden im Volksmund auch gerne „Panzersperren“ genannt. Und wegen ihrer kantigen Formensprache wird die Skulptur gern auch als Treffpunkt und zum Verweilen genutzt. Die Folgen fürs Umfeld sind mitunter eher unschön.

Dies sind im Wesentlichen auch die Gründe, warum viele Schwelmer sich mit dem Kunstwerk nicht anfreunden können. Einen weiteren nannte 2013 Ex-Landrat Dr. Arnim Brux. Der Eindruck, den das Hajek-Objekt vermittele, passe nicht zum Bild eines offenen, bürgernahen Kreishauses. Unbenommen dessen werden sich die Menschen noch viele Jahre mit den „Wogenden Ähren“ arrangieren müssen. Die Regelschutzfrist im Urheberrecht schützt das Kunstwerk bis 70 Jahre nach dem Tod seines Erschaffers. Otto Herbert Hajek starb am 29. April 2005. Das Objekt auf dem Kreishausvorplatz wird damit noch mindestens 60 Jahre lang in Schwelm stehen.

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