In Zahlen

Wie sich kleine Programmkinos im EN-Kreis behaupten

Ennepe-Ruhr.   In der Serie „In ZahlEN“ geht es heute um das Thema Freizeit. Wie sich Programmkinos behaupten und welche Schwimmbäder saniert werden müssen.

Wie viele Liter Wasser stehen in den Schwimmbädern in den Städten der Region pro Person zur Verfügung? Wie viele Sekunden Film werden im Monat pro Einwohner gezeigt? Finden Sie es heraus in der oben stehenden interaktiven Grafik.

Der alte Holzboden knarzt bei jedem Schritt. Die mit rotem Stoff bezogenen Sitze könnten Geschichten erzählen von Pärchen, die sich während eines Films näher gekommen sind. In der Ecke steht ein Klavier. Im Filmriss in Gevelsberg wird Kino gelebt. Programmkino – ein Leben in der Nische.

Inhaber Klaus Fiukowski führt durch sein Reich: „Es hat einen maroden Charme. Die Leute sagen manchmal, dass es für sie auch ein wenig die Eckkneipe von früher ersetzt.“

„Gevelsberg hatte mal sechs Kinos, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.“ Nach mehreren Jahren ohne Kino eröffnete 2003 das Programmkino in der Rosendahler Straße. US-Blockbuster wie Spiderman oder Star Wars sucht man hier vergeblich. „Wir haben den Anspruch, Filme zu zeigen, die spannende Geschichten erzählen“, sagt der Betreiber und Programmchef. „Nur weil Hollywood die Knete hat, heißt das nicht, dass Filme aus Europa schlecht sind.“ Mit „Bohemian Rhapsody“ fand aber auch ein internationaler Topfilm im Dezember ins Programm.

„Wir wählen ein Programm aus, das sich an unser Publikum richtet“, sagt der 61- Jährige. Dieses sei „30 Jahre aufwärts und 50 Plus“. Jugendliche kämen kaum zum Filme-schauen. Im Jahr besuchen zwischen 8000 und 9000 Menschen das kleine Kino – größtenteils aus dem EN-Kreis, aber auch aus Dortmund, Wuppertal und Remscheid.

Mehr als nur eine Abspielstation

„Ältere Zuschauer können auch mal einen Monat auf einen Film warten, den wir dann erst im Programm haben.“ Gerade jüngere Filmfans haben heutzutage jedoch die Möglichkeit, über Streamingplattformen wie Netflix, Amazon Prime oder Sky Filme gemütlich auf der Couch zu schauen. „Ich mache mir nichts vor“, sagt Fiukowski, „die Möglichkeiten werden immer größer. Wer das Kinoerlebnis nicht möchte, der kommt auch nicht.“ Fiukowski möchte mit seinem Kino mehr sein als eine reine Abspielstation: „Wir verstehen uns als Kommunikationsort.“

„Wir haben in Gevelsberg nur die Überlebenschance, weil wir auch eine Bühne haben für Kleinkunst und weil wir unsere Räume vermieten.“ Das mache das Haus lebendig und wirtschaftlich möglich. Wie lange geht das noch? „Wir wollen den 20. Geburtstag hier feiern.“ Das wäre 2023. In zwei Jahren geht Fiukowski bei der Stadt Gevelsberg in Ruhestand. Seine Tochter hat Interesse, das Kino weiterzuführen.

Filme laufen in kleinen Kinos später

Im Onikon in Herdecke gibt es zwei mal in der Woche Filme auf der großen Leinwand. Friedhelm Schürmann betreibt das Kino mit dem Verein Filminitiative Herdecke. „Von dem Kino muss niemand finanziell leben“, sagt er. Die Stadt erlässt dem Verein Miet- und Energiekosten. „Das ist natürlich komfortabel, dass wir nicht befürchten müssen, Konkurs zu gehen.“

Das Onikon behauptet sich neben den großen Multiplexkinos in Dortmund und Hagen. Viele Filme laufen in Herdecke Wochen oder sogar Monate später. Schürmann sagt: „Zuschauer, die den Film bis dato verpasst haben, kommen zu uns, um ihn nachzuholen.“

Vier von fünf der gezeigten Filme kommen aus Europa. „Wir versuchen, Zuschauerwünsche zu berücksichtigen“, sagt der 71-Jährigen. Was gezeigt wird, entscheidet der Verein in demokratischer Abstimmung. Die Kundschaft kommt auch aus Dortmund und Schwerte und ist meistens „gesetzteren Alters“.

Konkurrenz durch Streaming-Angebote seien kein Problem: „Das merken wir gar nicht.“ Manche der gezeigten Filme seien auch schon im Fernsehen gelaufen.

Stimmiges Gesamtkonzept in Wetter

Auch in Wetter gibt es ein kleines Kino mit Tradition. „Die Lichtburg funktioniert als Gesamtpaket“, sagt Geschäftsführer Joachim Bothe über sein Haus, in dem auch Theatervorführungen und Chorkonzerte stattfinden. Ein Vorteil sei die lokale Nähe und die „familiäre Atmosphäre“. Eine Umfrage unter 269 Lichtburggästen ergab, dass rund 60 Prozent aus Wetter und 10 Prozent aus Herdecke kommen.

„Über kulturelle Arbeit können wir den Menschen in seiner emotionalen Breite zeigen“, sagt Bothe. Er möchte mit der Lichtburg Alternativen aufzeigen, wie man fröhlich zusammenleben kann. „Wir haben uns ein Vertrauen beim Stammpublikum erspielt“, sagt Bothe. Die Filme werden durch eine Programmverantwortliche ausgewählt. „Wir entwickeln da ein gutes Gespür, welche Filme gut ankommen.“ Natürlich gibt es auch Ausreißer – in beide Richtungen. „Bei zu wenigen Gästen zeigen wir den Film trotzdem, aber wir öffnen die Theke nicht.“

Klaus Fiukowsi hält es in Gevelsberg ähnlich. Der Film läuft in jedem Fall. „Wenn auch nur einer kommt, warum sollte ich ihn dafür bestrafen, dass sonst keiner kommt?“

Alle Teile der Serie „In ZahlEN“ gibt es hier.

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