Tourismus

Teckelfahrten sollen eingestellt werden

Der Teckel bei einem Halt am Nirgena in Gevelsberg. Die Haltestelle wurde vor wenigen Jahren noch baulich aufgewertet. Ob sie weiterhin genutzt wird, ist zumindest zweifelhaft.

Der Teckel bei einem Halt am Nirgena in Gevelsberg. Die Haltestelle wurde vor wenigen Jahren noch baulich aufgewertet. Ob sie weiterhin genutzt wird, ist zumindest zweifelhaft.

Foto: Jonas Güttler

Ennepetal/Gevelsberg.   Sieben Mal pro Jahr fährt der Teckel von Herdecke über Hagen und Gevelsberg nach Ennepetal und zurück - jetzt droht dem Museumszug das Aus.

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Die Freude war riesig, als im Jahr 2007 nach fast 40 Jahren der Teckel wieder auf der Talbahn verkehrte. Als Museumszug fuhr der rote Schienenbus sieben Mal pro Jahr von Herdecke über Hagen und Gevelsberg nach Ennepetal und zurück. War die Abschlussfahrt des laufenden Jahres am 6. November auch die letzte überhaupt? Endgültig geklärt scheint die Sache noch nicht, es deutet aber derzeit alles darauf hin, als seien die Teckelfahrten nun wieder Geschichte.

Die Stadt Ennepetal erreichte eine Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, diese wiederum betreibt das Eisenbahnmuseum in Bochum, das für die Teckelfahrten verantwortlich zeichnet. Inhalt: Der Fahrbetrieb wird eingestellt. Die Begründung beginnt mit dem Fazit der Saison 2016. Weil einmal der Lotse krankheitsbedingt ausgefallen war und einmal ein technischer Defekt den Teckel außer Gefecht gesetzt hatte, wurde die Novemberfahrt zusätzlich durchgeführt. Insgesamt zählte der Teckel etwas mehr als 600 Fahrgäste. Das Minus betrage etwas mehr als 3000 Euro.

Keine Einigung erzielt

Weil die DGEG keine Verluste erzeugen dürfe, habe sie sich an die Ruhrtalbahn als Eigentümerin des Schienenfahrzeugs gewandt. In mehreren Gesprächen habe man keine Einigung erzielen können, die Betriebskosten zu senken. Die einzige Möglichkeit, wenigstens einmal pro Jahr den Teckel rollen zu lassen, sei eine Schienenkreuzfahrt. Was sich jedoch dahinter verbirgt, ließ die DGEG offen, dort ist bis zur zweiten Januarwoche auch niemand zu erreichen. Gleiches gilt für die Ruhrtalbahn. Diese hat jedoch auf ihrer Internetseite die Gründe für die Einstellung der Teckelfahrten aus ihrer Sicht aufgelistet.

„Kosten sind zu hoch“

„Die Kosten für die Erbringung der Leistungen auf dem Streckennetz der Deutschen Bahn AG sind einfach zu hoch“, ist dort zu lesen. Die Trassen- und Stationspreise würden ständig steigen und hätten ein Maß erreicht, dass es nicht zulasse die Fahrten mit „normalen Preisen“ zu finanzieren. Zudem sei die Zukunft der Schienenstrecke zwischen Hagen-Haspe und Ennepetal generell ungewiss. Der bisherige Streckenbetreiber werde den Betrieb nicht mehr fortführen. Ob dazu ein möglicher neuer Eigentümer bereit sei, ist noch nicht bekannt.

Ein weiteres Problem bereiten die Lotsen. Für das ungewöhnliche Verfahren an den Stellen zwischen Haspe und Ennepetal, wo die Bahnlinie die Straße kreuzt, müssen sie speziell ausgebildet sein. „Leider ist hier nur ein Lotse verfügbar, der altersbedingt nicht mehr alle Fahrten mitfahren möchte. Eine Ausbildung weiterer Lotsen ist teuer, zeitaufwendig und steht in keinem Verhältnis zu den sieben Fahrten eines Jahres“, teilt die Ruhrtalbahn mit, die die Einstellung sehr bedauert. Wenn allein die Zuführung eines Zugs von Bochum-Dahlhausen nach Hagen Hauptbahnhof Trassenkosten in Höhe von etwa 200 Euro verursache, könne dies nicht funktionieren – oder nur mit großer Unterstützung Dritter.

Unterstützung hätten die Städte Herdecke, Gevelsberg, Ennepetal sowie der Ennepe-Ruhr-Kreis in der Vergangenheit stets gegeben. „Ohne diese Hilfe wären schon die vielen schönen Fahrten zwischen 2007 und 2016 nicht möglich gewesen“, schreibt die Ruhrtalbahn und bedankt sich ausdrücklich dafür.

EN-Kreis will Lösung finden

Ob sich die kommunale Hilfe jedoch so weit ausdehnen lässt, um die Entscheidung noch einmal rückgängig zu machen, darf zumindest bezweifelt werden. „Wir sind in der Haushaltssicherung, und dies ist ganz klar eine freiwillige Leistung“, sagt Hans-Günther Adrian, Pressesprecher der Stadt Ennepetal.

Zumindest beim EN-Kreis will man die Teckel-Fahrten jedoch noch nicht ganz abschreiben. „Entschieden ist noch nichts“, sagt dessen Pressesprecherin Kira Frisch. Die finanziellen Mittel seien in den Haushalt des Jahres 2017 eingeplant und die Kreisverwaltung wollen zeitnah auf die beteiligten Kommunen zutreten, um eine Lösung zu suchen, dieses Angebot aufrecht zu erhalten.

In der Vergangenheit fanden die Fahrten stets von April bis Oktober zwischen Herdecke und der Kluterthöhle in Ennepetal statt. Die ehemals von Ennepetal bis Dortmund führende Bahnlinie wurde 1876 eröffnet und war trotz ihrer vergleichsweise sehr geringen Länge eine der lukrativsten Güterzuglinien überhaupt. Berühmt ist sie unter anderem durch den „Kruiner Tunnel“ in Gevelsberg, den sich Schienen- und Straßenfahrzeuge teilen. 1968 wurde der Personenzugverkehr aus Rentabilitätsgründen für fast 40 Jahre eingestellt und 2007 mit einem Museumszugverkehr wieder aufgenommen.

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