Gesundheit

Schwelmer Modell bald Geschichte

Das Schwelmer Modell behandelt keine Patienten mehr. Das hat das DRK beschlossen, der Ortsverein Schwelm hat das Modell vor gut drei Jahren übernommen, das Bild zeigt den Sitz des Schwelmer Modells an der im Ibach-Haus.

Das Schwelmer Modell behandelt keine Patienten mehr. Das hat das DRK beschlossen, der Ortsverein Schwelm hat das Modell vor gut drei Jahren übernommen, das Bild zeigt den Sitz des Schwelmer Modells an der im Ibach-Haus.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Jahrelang war das Schwelmer Modell die letzte Hoffnung vieler Neurodermitiskranker. Zum Jahresende lässt das DRK die Therapie auslaufen.

Die „Therapie & Akademie Schwelmer Modell“ ist bald Geschichte. Die GmbH wird zum 31. Dezember aufgelöst. Das teilte auf Nachfrage der Erste Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Schwelm, Oliver Flüshöh, mit. Die Rotkreuzler hatten im Frühjahr 2016 die von Mechthild Hellermann gegründete Einrichtung übernommen.

„Den Therapiebereich lassen wir auslaufen, er ist nicht wirtschaftlich tragfähig“, sagt Oliver Flüshöh. Für den Therapiebereich seinen viele Fachleute nötig. Insgesamt sechs Personen in Teilzeit sind betroffen. Alle hätten derweil andere Tätigkeiten übernommen, so der Vorsitzende. Den Therapiebereich, Voraussetzung zum Erfüllen der Verträge mit den Krankenkassen, wird es im neuen Jahr nicht mehr geben. Unter dem Dach des DRK wird künftig die Beratung über Neurodermitis und andere chronische Allergien fortgeführt, so Flüshöh. Auch die Spielgruppen und die „Frühe Hilfen“ rücken unter das Dach des DRK in Schwelm. „Wir lösen uns ein wenig aus dem Korsett, die Beratung wird in wesentlichen Teilen aufrechterhalten.“

Zwischenlösung im Ibach-Haus

Die Räumlichkeiten im Ibach-Haus an der unteren Wilhelmstraße übernimmt das DRK ebenso. Dort wird auch die Verwaltung des Ortsvereins einziehen, bis die neue Rettungswache am Ochsenkamp fertiggestellt ist. Das soll laut Flüshöh wahrscheinlich Ende 2020, Anfang 2021 so weit sein. Wie berichtet, hat das DRK ein 6000 qm großes Grundstück am Ochsenkamp erworben. Die Ausschreibungen für den Neubau laufen bereits, die Ausführungsplanung ist im Gange, noch in diesem Jahr soll mit den Erdarbeiten begonnen werden.

Gebaut wird eine 890 qm große Wache mit einem angeschlossenen Schulungszentrum und Räumen für den Ortsverein -- noch einmal rund 600 qm groß. Ursprüngliche Planungen sahen (mit Schwelmer Modell) einen Gesamtflächenbedarf von 2400 qm für den Neubau vor. Oliver Flüshöh schätzt die Investitionskosten für das Projekt inklusive Grundstückskauf auf ca. 4 Millionen Euro. Zurzeit ist das DRK noch an zwei Standorten in Schwelm beheimatet: das Schulungszentrum in der alten Grundschule in Linderhausen und die Wache in der Hauptstraße 109. Die Immobilien gehören der Stadt Schwelm.

Zurück zum Schwelmer Modell: Alle Mitarbeiter hätten mittlerweile neue Stellen gefunden, sagt Oliver Flüshöh. Die Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten will man fortführen. „ Jetzt müssen wir sehen, wie das Beratungsangebot angenommen wird.“

Das Schwelmer Modell, zuletzt „Therapie & Akademie Schwelmer Modell GmbH“, hatte Mechthild Hellermann 1987 gegründet und seitdem hunderten Neurodermitis-Patienten und Allergikern eine Hilfestellung gegeben, die sie nirgendwo anders hätten bekommen können. Wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit hatte die mittlerweile verstorbene Gründerin ihre Einrichtung in die Hände des DRK gegeben.

Das Therapiezentrum bot etwas, das Betroffene und Angehörige in vielen Fällen von einem kräftezehrenden Ärztemarathon befreite. Bei Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma, anderen und multiplen allergischen Erkrankungen setzte die integrierte Versorgung im Gesundheitspädagogischen Zentrum des Schwelmer Modells an. Ein Team aus Ökotrophologen, Pädagogen, Psychologen und Ernährungswissenschaftlern arbeitete auf lange Sicht Hand in Hand, um Patienten sowie deren Eltern mit der Erkrankung zu helfen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Gruppentherapie der Patienten machten das Schwelmer Modell zu einem Unikat, das weit über die Grenzen der Kreisstadt bekannt war.

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