Gericht

Prozessauftakt nach Gevelsberger Obdachlosenmord

In der Gevelsberger Obdachlosenunterkunft an der Gartenstraße prügelte das Duo auf sein Opfer ein. Der Ältere der beiden Täter ist ein bereits verurteilter Totschläger und mehrfach vorbestrafter Gewalttäter. 

In der Gevelsberger Obdachlosenunterkunft an der Gartenstraße prügelte das Duo auf sein Opfer ein. Der Ältere der beiden Täter ist ein bereits verurteilter Totschläger und mehrfach vorbestrafter Gewalttäter. 

Foto: Max Kölsch

Gevelsberg.  Zwei Angeklagte müssen sich nach einer Attacke in einer Gevelsberger Obdachlosenunterkunft ab Freitag vor Gericht verantworten.

Zwei Männer aus Gevelsberg müssen sich ab Freitag wegen Totschlags vor dem Schwurgericht im Landgericht Hagen verantworten. Beide Angeklagte – 53 und 38 Jahre alt – sollen ein Zimmer in einer Obdachlosenunterkunft in Gevelsberg bewohnt haben. Ihnen wird vorgeworfen, sich am 18. März mit einem hölzernen Tischbein und einer Eisenstange bewaffnet und einen Mitbewohner in dessen Zimmer brutal zusammengeschlagen zu haben. Das 57-jährige Opfer starb einige Zeit später im Krankenhaus (wir berichteten mehrfach).

Rückblick: Laut Ermittlungen tranken die beiden Angeklagten gemeinsam mit der Freundin ihres späteren Opfers. Er habe wohl zehn Flachen Bier und eineinhalb Flaschen Wodka in sich hineingeschüttet, gab der 53-Jährige später bei der Polizei zu Protokoll. Während des Gelages kam das Thema auf, dass das spätere Opfer schon wieder seine Freundin verprügelt habe.

Der 53-Jährige und der 38-Jährige sollen sich daraufhin bewaffnet haben und in das Zimmer des Opfers gegangen sein, um ihm eine Lektion zu verpassen. Der 57-Jährige hatte ihnen die Tür geöffnet. Da soll einer der beiden Angeklagten ihn mehrfach mit dem Tischbein auf den Kopf geschlagen haben, während der andere Angeklagte dem Opfer mehrere Schläge mit der Eisenstange gegen Beine und Knie versetzt habe.

Noch in der Nacht geschnappt

Ein Bewohner der Obdachlosenunterkunft fand den blutüberströmten 57-Jährigen später am Tattag in seinem Zimmer. Seit Stunden hatte er dort bereits schwer verletzt gelegen. Die beiden mutmaßlichen Täter wurden noch in der Nacht nach dem Verbrechen geschnappt und dem Haftrichter vorgeführt. Die Ermittlungen zu diesem Fall gestalteten sich für die Beamten extrem schwierig, weil sich die Tat in der Obdachlosen- und Trinkerszene abgespielt hatte. Sowohl für die Täter als auch für sämtliche Zeugen seien Blutalkoholwerte von deutlich mehr als zwei Promille nichts Außergewöhnliches, wie es damals auf Nachfrage dieser Zeitung hieß.

Das Opfer soll durch die Schläge auf den Kopf eine Hirnblutung erlitten und sich nachfolgend im Krankenhaus eine Lungenentzündung zugezogen haben, an deren Folgen er schließlich am 3. April verstorben sei, wie es in der Prozess-Ankündigung steht. Da es sich hierbei um eine typische und vorhersehbare Folge des tatbedingt erforderlichen Krankenhausaufenthalts handeln soll, wird beiden Angeklagte der Tod des Opfers als Folge ihrer Tat vorgeworfen.

Der 53-jährige Angeklagte, der als Haupttäter gilt, soll bereits eine zwölfeinhalbjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verbüßt haben und soll darüber hinaus vielfach vorbestraft sein. Die Anklage wegen Totschlags ist aktuell nicht die einzige, wegen der er sich vor dem Hagener Landgericht verantworten muss. Der heute 38-jährige Angeklagte – ihm wird die Mitläuferrolle zugeschrieben – soll wegen zahlreicher kleinerer Delikte vorbestraft sein, darunter Trunkenheit im Verkehr, Diebstahl, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Opfer kein unbeschriebenes Blatt

Auch das Opfer war kein unbeschriebenes Blatt, wurde zuletzt im Jahr 2017 wegen Körperverletzung verurteilt. Zudem soll die Obduktion ergeben haben, dass er vor der Prügelei in weitere körperliche Auseinandersetzungen verstrickt gewesen sein muss. Dies soll sich aus dem Verletzungsmuster ergeben haben.

Für Totschlag sieht das Gesetz im Regelfall eine Freiheitsstrafe von fünf bis zu 15 Jahren vor. Beide Angeklagte befinden sich in Untersuchungshaft.

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