Giftige Stoffe

PCB: Ennepetaler gründen Bürgerinitiative

Im Gewerbegebiet Oelkinghausen wurden bei Löwenzahnproben PCB-Stoffe gefunden. Zu dieser Thematik wurde nun eine Bürgerinitiative gegründet

Im Gewerbegebiet Oelkinghausen wurden bei Löwenzahnproben PCB-Stoffe gefunden. Zu dieser Thematik wurde nun eine Bürgerinitiative gegründet

Foto: Hans Blossey

Ennepetal.  Die Sorge ist groß und es gibt viele offene Fragen. Betroffene haben die Bürgerinitiative „PCB-Skandal in Ennepetal“ gegründet.

Der Eindruck, nicht ausreichend informiert zu werden, und die Sorge, dass die PCB-Problematik viel größer als bisher bekannt sein könnte, treibt die Menschen nicht nur in Oelkinghausen und am Büttenberg um. Vor diesem Hintergrund hat sich nun eine Bürgerinitiative gebildet, die sich für mehr Aufklärung stark machen will.

Erstes Treffen war am Freitag im Eiscafé Venezia, und das Interesse war riesengroß. Die Initiative selbst sprach anschließend von mehr als 40 aktionswilligen Teilnehmern, die zu dem Treffen gekommen seien. Zwar habe man mit großem Interesse gerechnet. Dass dann tatsächlich so viele persönlich vorbei gekommen seien, das habe man aber nicht erwartet, teilte der Sprecher der neuen Bürgerinitiative, Roland Wocknitz, anschließend mit. Das Eiscafé sei aus allen Nähten geplatzt. Mit dabei waren auch lokale Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, der Partei Die Linke und auch vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen in die Runde mit einbrachten.

Die Bürgerinitiative hat sich den Namen „PCB-Skandal in Ennepetal“ gegeben. „Skandal“ deshalb, wie es in der am Montag veröffentlichten Präambel heißt, weil „PCB seit 1989 zurecht verboten ist“, weil „das Unternehmen, welches für den Ausstoß von PCB 47 verantwortlich ist, bis heute weiter produziert“ und weil die Informationspolitik der Behörden „ungenügend bis nicht vorhanden“ sei, heißt. Intransparenz wirft die Bürgerinitiative den Behördendabei nicht nur in Bezug auf mögliche Gefahren für die Anwohner vor, sondern insbesondere auf die möglicherweise „weitaus höhere Gefahr für die Arbeiter/Ex-Arbeiter“.

Als Plattform für Austausch und Information nutzt die Bürgerinitiative die Seite der Facebook-Gruppe „Bürgerinitiative PCB Erholungsgebiet Ennepetal“. Sie wurde bis vor kurzem von Daniel Gräfe moderiert, der seit der Übernahme der Gruppe durch Roland Wocknitz am 20. Oktober dort keine Rolle mehr spielen soll. Gräfe machte in der Vergangenheit durch häufige Parteienwechsel (Mitgliedschaft in SPD, CDU und AfD) und aktuell durch die Verbreitung rechtspopulistischer Gesinnung auf seiner Facebook-Seite auf sich aufmerksam.

Liste mit mehr als 100 Fragen

Roland Wocknitz distanziert sich ausdrücklich von Gräfe und den Beiträgen, die unter dessen Moderation veröffentlicht wurden. Er betont, keinerlei politische Absichten zu verfolgen und dass die Bürgerinitiative politisch unabhängig sei. Er selbst sei „um eine Versachlichung der Thematik bemüht“.Was die nächsten Schritte der Bürgerinitiative betrifft, kam die Runde am Freitag schon zu ersten Ergebnisse liefern. Die vielen Fragen, die sich den Menschen im Zusammenhang mit dem PCB-Fund in Oelkinghausen stellen, wurden gesammelt und zu einer Liste zusammengestellt.

Von rund 100 Fragen ist die Rede, die sich mit den Produktionsprozessen, bei denen PCB entsteht, genauso befassen wie mit einer möglichen PCB-Belastung für die Mitarbeiter oder damit, ab wann die Stadt Ennepetal von den dioxinähnlichen PCB-Verbindungen in den Löwenzahnproben wusste. Der Ennepe-Ruhr-Kreis hatte dies nach Vorlage der Laborwerte Anfang September bewusst nicht veröffentlicht und erst sechs Wochen später bekannt gegeben.

Die Bürgerinitiative ist gerade dabei, einen Bürgerantrag an die Stadt Ennepetal zu erstellen. Die Forderungen sollen gemeinsam mit der Unterschriftenliste an Bürgermeisterin Imke Heymann überreicht werden. Dies soll noch vor der Informationsveranstaltung der Stadt Ennepetal am kommenden Mittwoch, 6. November, stattfinden.

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