Unsichtbar e.V.

Neue Schirmherrin für Gevelsberger Obdachlosenhilfeverein

Nach fünf Jahren gibt Ralf Stoffels die Schirmherrschaft für den Obdachlosenhilfeverein Unsichtbar aus Gevelsberg an Marie Rohleder weiter. Vereinsvorsitzender Holger Brandenburg (Mitte) heißt die Schwelmerin willkommen.

Nach fünf Jahren gibt Ralf Stoffels die Schirmherrschaft für den Obdachlosenhilfeverein Unsichtbar aus Gevelsberg an Marie Rohleder weiter. Vereinsvorsitzender Holger Brandenburg (Mitte) heißt die Schwelmerin willkommen.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Marie Rohleder löst Ralf Stoffels als Schirmherrin von Unsichtbar e.V. ab. Sie will den Gevelsberger Verein bekannter machen.

Marie Rohleder ist das neue Gesicht von Unsichtbar e.V.. Die Inhaberin der Chocolaterie in der Kirchstraße in Schwelm löst Ralf Stoffels als Schirmherrin des Vereins mit Sitz in Gevelsberg ab. Unsichtbar verspricht Hilfe für Menschen am Rande der Gesellschaft.

„Fünf Jahre sind eine gute Zeit für einen Wechsel“, begründet der amtierende SIHK-Präsident seinen Verzicht auf die Schirmherrschaft. Unsichtbar wurde vor rund fünf Jahren von Holger Brandenburg (Gevelsberg) gegründet. Der Verein hat fünf Vorstandsmitglieder und fünf Mitglieder.

„Der Vereinssitz ist in Gevelsberg, wir helfen obdachlosen und bedürftigen Menschen aber im gesamten EN-Kreis und darüber hinaus, fahren nachts Bahnhöfe ab und schauen unter Brücken nach, ob unsere Hilfe benötigt wird“, sagt Holger Brandenburg.

Doch Unsichtbar ist auch nach fünf Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit für die meisten Menschen im Kreis unsichtbar geblieben. Das will Marie Rohleder ändern. „Wir brauchen nicht nur Geld, wir wollen auch neue Mitglieder werben“, sagt die neue Schirmherrin im Gespräch mit unserer Zeitung.

Konzept hat sich gewandelt

Die 52-Jährige will auch einen aktiven Part im Verein übernehmen und nicht nur Kontakte knüpfen und das Netzwerk ausbauen. „Ich will mit auf die Straße gehen und sehen, wie das ist“, sagt die Unternehmerin. In den zurückliegenden fünf Jahren seit Vereinsgründung hat sich das Konzept von Unsichtbar gewandelt. Wollte Holger Brandenburg anfangs Obdachlosen ein niederschwelliges Hilfsangebot machen, so ist die Zielrichtung mittlerweile erweitert worden.

„Es gibt nicht nur Menschen, die auf der Straße leben und Hilfe brauchen. Obdachlosigkeit fängt irgendwann im Kleinen an“, hat Ralf Stoffels erlebt. Für Stoffels passt die Zielsetzung des Vereins gut zu seiner eigenen, christlichen Lebenseinstellung und seinem bisherigen sozialen Engagement mit seiner Stiftung, in der katholischen Kirche und als Mitglied von Rotary. Seine Jahre als Schirmherr waren bei Unsichtbar von konkreten Projekten geprägt.

Entwicklung von SOS-Kapsel „TOM“

Stellvertretend nennt der Schwelmer Unternehmer die Entwicklung von „TOM“ und einer SOS-Kapsel. Der TOM (Tasche für obdachlose Menschen) wurde entworfen, um den Menschen auf der Straße ein Stück ihrer schon stark eingeschränkten Lebensqualität zu erhalten. In der Tasche befinden sich Schlüpfer, Hemden und Socken sowie Hygieneartikel.

Bei der SOS-Kapsel geht es um hinterlegte Informationen über Personen, die im Unglücksfall nicht ansprechbar sind. Im Inhalt der Kapsel befinden sich idealerweise Informationen, die helfenden Menschen und Rettungskräften im Notfall wichtige Informationen über die Person liefern. Es gibt diese Kapseln für Obdachlose und für Kinder. Hilfreich ist sie eigentlich für jeden Menschen. Bei Bewusstlosigkeit, Orientierungslosigkeit oder in Schocksituationen können Hilfskräfte schnell mit persönlichen Daten versorgt werden.

„Ich will, dass die Menschen am Rande der Gesellschaft gesehen werden“, sagt Holger Brandenburg. Deshalb baue er den Verein mit viel Herz und Seele auf. Auch für Marie Rohleder ist Unsichtbar eine Herzensangelegenheit. Sie möchte ebenso helfen ohne Ansehen der Person. So hat sie es in der Vergangenheit auch mit ihrem Engagement beispielsweise bei der Drogenberatung gehalten.

Großmutter gibt früh den Anstoß

Holger Brandenburg, der Vorsitzende von Unsichtbar e.V., wurde am 30. Juli 1969 in Witten geboren. „Bereits in meiner Kindheit, wurde ich durch meine Oma mit auf einen Weg genommen, der nicht die eigene Person an erster Stelle sah, sondern das Wohlergehen anderer Menschen in den Fokus setzte“, erinnert er sich.

Nach einer sehr schweren Krankheit, die er nach einer langen Genesungszeit überstanden habe, habe er sich in einem leeren Raum befunden, der sich danach gesehnt habe, gefüllt zu werden. Wegen der gesundheitlichen Vorgeschichte wurde er zum Frührentner.

Zuvor verlor er in relativ kurzer Zeit zwei Menschen, die zu den Stützen seines Lebens gehörten. „Erst verlor ich meine Oma, danach meinen Vater und dann verlor ich auch so ziemlich alles andere“, sagt Brandenburg. „Geblieben war mir zum damaligen Zeitpunkt mein Hund, ein Wesen, dem es egal ist, ob man arm oder reich ist, wichtig für ihn ist, dass man da ist.“

Denen helfen, denen es noch schlechter geht

Er habe angefangen, über die alten Zeiten nachzudenken. „Die Freude zu helfen eröffnete mir wiederum eigentlich mein Hund, dem es an einem Wintertag so entsetzlich kalt war, dass ich mir Gedanken darüber machte, wie es denen wohl gehen muss, die kein Dach über dem Kopf haben, oder auch denen, die keine Heizung oder gar etwas zu essen haben“, erklärt Brandenburg weiter.

Mit diesem Gedanken sei er auf die Straße gegangen, um denen zu helfen, denen es noch schlechter ging, und um auf diese Art und Weise seinen Weg wiederzufinden, den ihm einst schon seine Großmutter gezeigt hatte.

So habe er auch einen Weg gefunden, sein Leben wieder neu zu füllen. „Durch Hilfe, die ich und mein Team von Unsichtbar e.V. denen anbieten, die das Schicksal noch schlimmer getroffen hat, durch Nächstenliebe und Zeit, die man anderen Menschen schenkt, um sein eigenes Herz dadurch ein bisschen wärmer zu machen, in einer kalten Welt, in der viele von uns eigentlich noch leben.“

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