Gewaltprävention

„Kurve Kriegen“ ist ein Glücksfall für den EN-Kreis

Freuen sich über den Erfolg der Initiative (von links): Uwe Brüggemann, Timo Schlömer, Michael Zimmermann und Jörg Konrad Unkrig.

Foto: Veronika Gregull

Freuen sich über den Erfolg der Initiative (von links): Uwe Brüggemann, Timo Schlömer, Michael Zimmermann und Jörg Konrad Unkrig. Foto: Veronika Gregull

Ennepe-Ruhr-Kreis.   Zwölf jugendliche Straftäter nehmen im Kreis bereits an der NRW-Initiative „Kurve kriegen“ teil. Eine erste Bilanz.

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Das tatsächlich meterlange Register eines jugendlichen Intensivstraftäters hat Innenminister Ralf Jäger im Sommer in Schwelm ausgerollt. Um Jugendliche vor dem Abgleiten in eine solche kriminelle Karriere zu bewahren, gab er auch im EN-Kreis den Startschuss für die Initiative „Kurve Kriegen.“ Jetzt können Polizei und Sozialarbeiter im Kreis ein erstes Fazit ziehen. Zwölf jugendliche Straftäter aus der Region nehmen an der NRW-Initiative bereits teil. „Das zeigt, wie gut ‘Kurve Kriegen’ ankommt und auch angenommen wird“, sagt Kriminalhauptkommissar Michael Zimmermann.

Schüler und Lehrer angegriffen

Die passenden Kandidaten hat er durch ein Screening ermittelt. Wer im Alter zwischen 8 und 13 Jahren schon wegen mindestens eines Gewaltdeliktes oder drei Eigentumsdelikten straffällig wurde, ist ein potenzieller Teilnehmer für das Programm. „Allerdings zählt hier nicht, wenn jemand einmal Kaugummi im Supermarkt klaut oder eine kleine Rangelei auf dem Schulhof“, betont Michael Zimmermann. Ein Teilnehmer habe zum Beispiel einen Mitschüler in der Schule geschlagen und anschließend auch die Lehrkraft angegriffen, sagt Uwe Brüggemann vom Kriminalkommissariat. Näher ins Detail wollen die Beamten nicht gehen, um die Anonymität der Teilnehmer zu wahren.

Dass solche Jugendlichen erst mal distanziert reagieren, wenn nach dem Screening Sozialarbeiter wie Timo Schlömer die Familie besuchen, sei völlig normal, betont dieser. „Dann kommen wir eben mehrmals vorbei, bis sich die Jugendlichen öffnen und Vertrauen fassen“, erklärt Timo Schlömer. Denn „wir wollen ja signalisieren, dass wir helfen und für die Familie da sind.“ Die Teilnahme ist dabei völlig freiwillig. Erst nach dem Einverständnis geben die Mitarbeiter persönliche Daten an die pädagogische Fachkraft weiter.

Die kann durch den persönlichen Kontakt dann eine geeignete Maßnahme für die Jugendlichen finden. Ob Förderung der Sozialkompetenz, Deeskalationstraining oder tierpädagogische Projekte auf einem Reiterhof – die Möglichkeiten sind vielfältig. „Der Ansatz ist, zu verhindern, dass diese Kinder und Jugendliche wieder straffällig werden“, sagt der Sozialarbeiter.

Ursachen für die Gewalt finden

Allerdings würden hinter Gewalttaten oft weitreichende Problematiken stecken, hier gelte es dann auch die Ursachen zu finden. Welche Maßnahmen die pädagogische Fachkraft konkret anwendet, leitet diese allerdings nicht an die Polizei weiter. „Es wird Anonymität gewahrt“, sagt der Timo Schlömer. Dennoch kooperiert die Polizei eng mit den Sozialarbeitern. In Konferenzen tauschen sie sich in anonymisierter Form über die Fälle aus und die zuständigen Beamten beobachten weiterhin täglich, ob die Teilnehmer wieder straffällig werden. Sie leiten die Information dann auch an die pädagogischen Fachkräfte weiter.

„Das ist ein Erfolgsfaktor der Initiative. Die Jugendlichen können Polizei und Sozialarbeiter nicht gegeneinander ausspielen“, erklärt Jörg Konrad Unkrig, Leiter der Stabstelle Prävention und Jugendkriminalität im Innenministerium. „’Kurve Kriegen’ ist ein echter Glücksfall“, sagt auch Uwe Brüggemann.

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