Kulturfest

Kultur verbindet: Palästinenser aus Deutschland in Schwelm

Zum Zuckerfest lädt der palästinensische Freundschaftsverein aus Wuppertal zu einem Kulturfest in der Eventhalle Schwelm ein: Die traditionelle Folkloretanzgruppe „Al Karame“ präsentiert mit Mitgliedern der Tanzgruppe „Al-Quds“ den Volkstanz „Dabke“. 

Zum Zuckerfest lädt der palästinensische Freundschaftsverein aus Wuppertal zu einem Kulturfest in der Eventhalle Schwelm ein: Die traditionelle Folkloretanzgruppe „Al Karame“ präsentiert mit Mitgliedern der Tanzgruppe „Al-Quds“ den Volkstanz „Dabke“. 

Foto: Riem Karsoua

Schwelm.   Palästinensischer Freundschaftsverein und dessen Jugendforum aus Wuppertal organisieren Fest in der Eventhalle. Politik bleibt vor der Tür.

Stimmungsvolle arabische Musik ertönt aus der Eventhalle in Schwelm. Draußen wird von jungen Männern ein Falafel-Bällchen nach dem anderen vorsichtig in das heiße Öl gelegt, während die fertigen herausgenommen und nahezu in Rekordzeit in dünnes Fladenbrot gerollt werden. Das Kulturfest zum Fastenbrechen läuft bereits auf Hochtouren und hat knapp 1200 Besucher aus der gesamten Umgebung, aber auch aus Berlin und Kiel, nach Schwelm gezogen. Mit spannenden Redebeiträgen, Theaterstücken und Folkloretänzen, die musikalisch von bekannten arabischen Sängern begleitet werden, wird den Besuchern ein buntes Programm geboten.

Während die Kinder sich auf den Hüpfburgen austoben, sich schminken lassen oder in der extra eingerichteten Kinderbetreuung Mandalas malen, begegnen einem drinnen die verschiedensten Eindrücke: Frauen, die sich mit ihren traditionell bestickten palästinensischen Kleidern an den Verkaufsständen umschauen, Freunde, die sich zur Begrüßung herzlich in die Arme fallen und ein frohes, gesegnetes Fest wünschen oder auch lachende, umherlaufende Kinder.

Organisiert wird das Fest zum Fastenbrechen vom palästinensischen Freundschaftsverein in Wuppertal und dessen Jugendforum, die bereits ein perfekt eingespieltes Team sind: Während die Mitglieder rund um Jamal Mahmoud, dem 1. Vorsitzenden des Freundschaftsvereins, sich um alle Formalitäten, Sponsoren sowie dem Auf- und Abbau kümmern, übernimmt das Jugendforum unter anderem die Moderation und den Verkauf der Back- und Süßwaren.

Den Freundschaftsverein und das Jugendforum verbindet nicht nur, dass das Jugendforum die zweite Generation der Gründungsmitglieder ist, sondern auch ihre Überzeugung, dass Kultur verbindet und Integration besonders wichtig ist. „Das Jugendforum ist eine Brücke zwischen unserer Heimat und unserer Kultur. Unser Ziel ist es, die palästinensische Jugend zusammenzubringen und damit für Toleranz, Akzeptanz und ein herzliches Miteinander zu sorgen“, erklären die beiden Vorsitzenden des Jugendforums Ala Jumah und Jasmin Isaid.

Ein Multi-Kulti-Fest

Außerdem stehe für die beiden Vereine auch die Förderung der sozialen Teilhabe und die Integration in der Gesellschaft im Fokus. „Wir arbeiten sehr eng mit der Stadt Wuppertal zusammen. In jüngster Vergangenheit haben wir einen Schüleraustausch mit der Else-Lasker-Schüler Gesamtschule in Wuppertal sowie dem Ganztagsgymnasium Johannes Rau und einer Schule in der palästinensischen Stadt Durra organisiert.

Außerdem ist uns die Teilnahme an interkulturellen Festen, die jedes Jahr in unserer Umgebung stattfinden, sehr wichtig – da wo uns die Möglichkeit geboten wird, präsent zu sein, sind wir vertreten“, erzählt Jamal Mahmoud. „Dieses Fest hier ist aber nicht nur für Palästinenser. Uns ist es wichtig, dass alle zusammenkommen. Wir haben eine libanesische Tanzgruppe und einen jordanischen Sänger. Es ist ein Multi-Kulti-Fest“, lacht Ismail Karsoua, 2. Vorsitzender des Vereins.

Verein ist seit 17 Jahren aktiv

Nachdem er die Feier mit Versen aus dem Koran eröffnet hat, ging es mit dem Programm los. Der palästinensische Freundschaftsverein ist seit 17 Jahren als offiziell eingetragener Verein aktiv. In einer kurzen Rede stellt Jamal Mahmoud die bisher umgesetzten Projekte, Aufgaben und Ziele des Vereins vor.

Musikalisch und mit ganz viel Tanz ging es mit der traditionellen Folkloretanzgruppe „Al Karame“ weiter, die den palästinensischen Volkstanztanz Dabke zu ihrem Besten gab. Einer der vielen Höhepunkte des Abends war das Theaterstück unter Leitung von Piroschka Ahmad. Die 15-jährigen Kinder beleuchteten in einem humorvollen Stück ihr eigenes Leben in der Ferne. Es ging um die Probleme, die einem bei der Einreise in die Heimat begegnen und wie fremd man sich dort auch mal fühlen kann. Zum einen steckt viel Humor darin, andererseits auch Geschichten, die die Zuschauer sichtlich ergreifen.

„Mit den Theaterstücken habe ich angefangen, um die arabische Aussprache der Kinder zu verbessern“, erzählt Piroschka Ahmad. Heute, elf Jahre später, sei dieses Ziel erreicht: „Die Kinder können nicht nur das alltägliche Arabisch, sondern auch Hocharabisch sprechen. Und nebenbei lernen sie etwas über ihr Land und ihre Kultur.“

Die Besucher sind es am Ende selbst, die für einen gelungenen Abschluss sorgen: Mit ihrem traditionellen Dabke-Tanz bringen 200 Gäste die Tanzfläche zum Beben. Für die passende Musik sorgen mit ihren beeindruckenden Stimmen der palästinensische Sänger Nedal Al-Mashriqi und der extra aus Jordanien eingereiste Sänger Meteb El-Saqar und bilden damit den musikalischen Höhepunkt des Abends.

Die Politik – so betont der Veranstalter explizit – war an diesem Tag unwichtig.

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